Revolution im Gesundheitssystem: Sophie Chung von Qunomedical (#1)
Shownotes
Herzlich willkommen zu „Lifeline“ – mit dem du tief in die Lebensgeschichten inspirierender Persönlichkeiten eintauchst, um zu verstehen, was sie antreibt und erfolgreich macht.
Zu Gast in unserer ersten Episode: Dr. Sophie Chung, eine beeindruckende Ärztin und Unternehmerin. Sophie erzählt von ihrem Weg aus einer kleinen Stadt in Österreich über New York bis hin zur Gründung ihres eigenen Unternehmens Qunomedical in Berlin.
Sie teilt bewegende Kindheitserinnerungen, die Herausforderungen und Durchbrüche in ihrer Karriere und ihre unerschütterliche Vision, das Gesundheitssystem zu revolutionieren und für alle zugänglich zu machen.
Ein Gespräch über Resilienz, akademischen Ehrgeiz und den Willen zur Innovation. Begleite uns auf dieser spannenden Reise und entdecke, was Sophie antreibt und zu einer Architektin der Zukunft macht.
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[0:00] Gesellschaftlicher Fortschritt, Freiheit, Innovation, all diese Sachen werden
[0:04] nicht stattfinden, wenn wir nicht gesund sind. Herzlich willkommen zur allerersten Folge von Lifeline, dem Podcast, in dem wir verstehen lernen, was VisionärInnen antreibt. Mein Name ist Sachar Klein und ich bin der Host dieses Podcasts. In dieser Sekunde bin ich aber vor allem wahnsinnig aufgeregt. Ich freue mich auf die Reise, die vor uns liegt, denn mein Ziel mit diesem Podcast ist es vor allem zu lernen. Ich habe die Kommunikationsagentur Hyper gegründet. Eine unserer zentralen Überzeugungen ist es, jeder Tag ist ein guter Tag, um lernen zu dürfen. Ein nicht unerheblicher Bestandteil meines Wissens stammt nämlich aus Podcasts. Insofern freue ich mich umso mehr, nun selbst einen Podcast hosten zu dürfen, in dem ich direkt mit Menschen sprechen darf, um vor allem von ihnen lernen zu dürfen. Unsere allererste Gästin ist Dr. Sophie Chung. Sie ist Ärztin und Unternehmerin. Nach ihrem Medizinstudium war Sophie für McKinsey tätig, bevor sie nach New York gegangen ist, um beim damals heißesten Health-Startup SogDoc zu arbeiten. 2016 kam Sophie nach Berlin und hat Kino Medical gegründet. Mit Kino Medical hat Sophie eine große Vision.
[1:12] Sie möchte sicherstellen, dass PatientInnen die bestmögliche medizinische Versorgung erhalten, schnell und bezahlbar. Das Gesundheitssystem zu reformieren ist eines der größten und wahrscheinlich auch wichtigsten Unterfangen unserer Zeit. Von so viel habe ich gelernt, dass man sich nicht von der Größe einer Aufgabe lähmen, sondern vielleicht auch beflügeln lassen kann.
[1:36] Music.
[1:47] Wie können wir uns deine Kindheit vorstellen? In Wien war das, wenn ich mich nicht täusche. Ein bisschen außerhalb, in Linz war das. In Linz? Genau. Oh wow, okay. Das ist ein bisschen eine kleinere Stadt. Und ich glaube, was man zu meiner Kindheit wissen muss, ist, ich bin in den 80er Jahren geboren, also Beginn der 80er Jahre, in einer kleinen Stadt in Linz. Und das definiert auch so ein bisschen meine Kindheit, wenn ich darauf zurückblicke. Einerseits war das eine total schöne Kindheit. Ich bin sehr, sehr behütet aufgewachsen. Meine Eltern waren auch so ein bisschen Übereltern, die wirklich versucht haben, uns die beste Kindheit zu erbringen, die es da gibt. Andererseits war das eine Kindheit, wo ich sehr, sehr früh auch gemerkt habe, dass ich anders bin als alle anderen Kinder und auch als alle anderen Menschen, die um uns rum waren. Also wir waren die einzigen nicht quasi Bio-Österreicher um uns rum. Meine Eltern sind ja aus Kambodscha und aus Chinat und das hat man uns natürlich auch direkt angesehen. Und das war schon etwas, was mich die ganze Kindheit begleitet hat, weil mich das immer total genervt hat, dass einer der ersten Fragen war, woher ich bin, woher meine Eltern sind, ob ich japanisch bin oder chinesisch oder was auch immer.
[3:15] Und als Kind will man ja dazugehören, man will ja nicht anders sein, man will ja nicht ausgegrenzt werden und das ist schon echt so ein Gefühl, das mich bis heute prägt, weil ich immer eigentlich dazugehören wollte, aber ich irgendwie nicht komplett konnte, weil ich einfach anders ausgesehen habe.
[3:36] Und daher gucke ich sehr ambivalent auf meine Kindheit zurück. Also ich hatte eine total schöne Kindheit und ich bin da total dankbar und weiß auch, dass ich da total privilegiert bin. Ich habe ganz viele schöne Momente, an die ich zurückdenke, aber es gibt auch ganz viele Momente gerade außerhalb des Hauses, also im Kindergarten zum Beispiel oder in der Schule oder beim Spielen, die nicht komplett unbeschwert waren. Kannst du ein bisschen erzählen, wie ihr zu Hause gewohnt habt? Also du hast gerade gesagt, du hattest eine privilegierte Kindheit und eine Kindheit, in der du viele schöne Momente jenseits dieser wenigen schönen Erfahrungen erlebt hast.
[4:17] Waren deine Eltern beide berufstätig? Beide Eltern waren berufstätig bei mir ab einem gewissen Zeitpunkt. Also ich glaube so ab fünf, sechs oder so, als ich in dem Alter. Also mein Papa war immer berufstätig, Vollzeit, war Programmierer, hat bei der Stadt gearbeitet. Meine Mutter hatte dann eine Teilzeitarbeit. Das gab es damals noch, ganz interessant. Also damals gab es schon Homeoffice quasi. Also das hieß damals Heimarbeit. Und da hatte sie für so eine lokale Brillenfabrik so Qualitätssicherung gemacht und dann hat sie sich immer so ein Badge von der Fabrik geholt und zu Hause das dann quasi durchgeguckt und dann wieder zurückgebracht. Das war jetzt nicht irgendwie intellektuell total herausfordernd für sie, aber das hat sich gut sozusagen arrangieren lassen mit den zwei Kindern, die sie dann hatte. Und als ich dann ins Gymnasium gekommen bin, ist meine Mutter, hat dann nochmal eine Ausbildung zur.
[5:14] Labortechnikerin gemacht und hat dann in so einem Blutlabor dann gearbeitet und dann zuerst Teilzeit und dann Vollzeit, als wir dann größer geworden sind. Also ja, wir waren, wir haben immer in einer, also wir haben in einer Stadt gewohnt, wir haben in einer Wohnung gewohnt, jeder hat sein eigenes Kinderzimmer gehabt, wir haben jetzt nicht irgendwie viel und sind nicht in Reichtum aufgewachsen, also weit davon entfernt, deswegen Deswegen, wenn ich meinte privilegiert, dann privilegiert in dem Sinne, dass das halt wirklich eine sehr sorgenfreie Kindheit war und eine sehr auch, würde ich sagen, jetzt mal emotional privilegiert. Also wir haben viel Liebe erfahren, viel Zuneigung, viel Unterstützung und das ist halt etwas, was…, Was ich halt sehr geschätzt habe, in Sachen quasi finanzielle Ressourcen oder Dinge, die wir hatten, war das schon sehr bescheiden. Meine Eltern sind ja erst auch Anfang der 80er Jahre oder Ende der 70er Jahre nach Österreich gekommen und haben sich da wirklich von null auf, also wenn ich sage null, dann wirklich null, also die hatten einfach nichts und haben da in Österreich nochmal Fuß gefasst, sich da auch erst kennengelernt. Und dann eine neue Existenz aufgebaut. Das heißt, die Existenz, die sich meine Eltern aufgebaut haben, ist auch während meines Lebens entstanden. Also als ich klein war, hatten wir noch nicht so viel und als ich dann größer war, hatten wir ein bisschen mehr, aber das war immer weit vom Überfluss entfernt.
[6:41] Ich selbst bin mit vier Jahren erst nach Deutschland gekommen und habe auch in den ersten Jahren, in denen wir hier gewesen sind, gelernt, was es bedeutet, anders zu sein. Allein durch die Sprache, derer ich am Anfang nicht mächtig gewesen bin. Du hast davon berichtet, dass du außerhalb deines eigenen Elternhauses weniger schöne Erfahrungen gemacht hast, einfach durch die Tatsache, dass Menschen dich darauf angesprochen haben, woher du kommst, weil du eben nicht dem klassischen Bild einer Österreicherin entsprichst. Erinnerst du dich daran, wie du nach Hause gekommen bist und mit deinen Eltern darüber gesprochen hast, dass es dich in irgendeiner Weise bewegt oder dass es dich verletzt hat?
[7:25] Ich weiß nicht, ob du mit deinen Eltern gesprochen hast. Ich habe nicht mit meinen Eltern gesprochen. Also ich war, ich glaube, als Kind ist man da einfach noch nicht so weit, das irgendwie reflektiert ausdrücken zu können. Ja. Das erste Mal, dass mich das überfragt, ich habe das nie wirklich thematisiert mit meinen Eltern, weil ich das irgendwie komisch fand und wahrscheinlich auch eben nicht so weit war, dass ich mir gedacht habe, das muss ich jetzt irgendwie besprechen. Und als Kind weiß man, also als Kind denkt man sich ja nicht, oh, die fragen mich das jetzt, weil ich anders aussehe und weil meine Großeltern aus einem anderen Land kommen oder meine Eltern aus einem anderen Land kommen. Also bei mir war das so, dass ich mir immer gedacht habe, was haben die denn? Woher soll ich denn sein? Ich bin doch aus hier, also aus Österreich oder aus Linz. Und ja, ich sehe anders aus, aber ich war ja zu dem Zeitpunkt auch noch nie in Kambodscha oder in China oder so. Also alles, was ich kannte, war Österreich und ich fand das immer so ein bisschen doof. Und für mich war das höchst irritierend. Und ich spreche jetzt vom Kindergartenalter.
[8:43] Und ich war aber da noch nicht so weit, das so reflektiert, glaube ich, aussprechen zu können. Ich glaube, ich habe es einfach nicht verstanden. Und weil ich es nicht verstanden habe, konnte ich darüber nicht sprechen. Ich glaube, bei mir war es tatsächlich andersrum, dass meine Mutter mich darauf angesprochen hat, weil ich mich geweigert habe, ab einem bestimmten Punkt in den Kindergarten wirklich reinzugehen. Also ich saß vor unserem Kindergartenraum, weil ich eben kein Deutsch konnte und die Kindergärtnerin, die Erzieherin, meine Mutter darauf angesprochen hat, als sie mich abgeholt hat, dass ich mich den ganzen Tag kategorisch verweigert habe und meine Mutter mich gefragt hat, warum das denn so ist. Und ich meinte, ich verstehe die nicht, die verstehen mich nicht und sie ärgern mich. Ich weiß aber ehrlicherweise auch nicht, was meine Mutter mir als Rat gegeben hat oder ob sie mir einen Rat gegeben hat. Ich weiß nur, dass wahrscheinlich daher dann die Motivation entstand, möglichst schnell Deutsch zu lernen.
[9:37] Lernen ist ein gutes Stichwort, weil du.
[9:42] Relativ schnell gut in der Schule gewesen bist oder wahrscheinlich immer gut in der Schule gewesen bist und das dann aber eben auch wieder einen Resonanzkörper gegeben hat, nämlich dass du früh als Streberkind tituliert worden bist. Kannst du uns vielleicht so ein kleines bisschen erzählen, was so deine frühesten Erinnerungen an Schule sind? Also bist du morgens gern in die Schule gegangen? Hattest du ein Lieblingsfach oder mochtest du alle Fächer? Was war Schule für dich?
[10:13] Also, ich habe Schule geliebt am Anfang. Volksschule war so cool. Volksschule ist Grundschule. Ja, Grundschule, sorry. In Österreich ist es Volksschule. Genau, das ist Grundschule. Ich habe es wirklich kaum erwarten können, in die Schule zu gehen. Ich habe mich auf die Schultüte gefreut. Ich habe mich auf die Schultasche, also Schulrand heißt das, in Österreich ist Schultasche gefreut. Ich war als Kind immer unheimlich wissbegierig, ich wollte schon vor der Schule irgendwie lesen lernen ich konnte rechnen und all diese Sachen, und nicht, weil meine Eltern mich drauf angesetzt haben, aber irgendwie hat mich das immer interessiert und ich glaube, dieses, strukturierte, man geht dahin es wird einem was beigebracht, man lernt was Neues, das war halt echt so mein Ding und ich habe wirklich, ich bin sehr, sehr, sehr gerne in die Schule gegangen Morgens einfach aus dem Bett gesprungen und….
[11:36] Ich hatte auch einen, Sehr guten Lehrer im Großen und Ganzen. Also man hatte ja dann sozusagen einen Hauptlehrer, der mich da auch so ein bisschen gefördert hat. Man muss halt schon dazu sagen, das waren ja nach wie vor die 80er Jahre. Da hat man, glaube ich, nochmal so ein bisschen einen anderen Zugang zu Bildung und so weiter. Aber ich bin auch immer erste Reihe gesessen in der Schule. Also erste Reihe vor dem Lehrertisch. Und ich glaube, das hat einerseits damit zu tun, schon auch, weil meine Eltern mir immer gesagt haben, hey, Schule ist wichtig, gute Noten sind wichtig. Also das war schon immer so gesetzt bei uns zu Hause. Und ich glaube, das hat mich schon geformt. Aber da war auch viel so intrinsische Motivation dahinter, worauf sozusagen diese externe Formung gestoßen ist. Und ich war aber auch immer so ein sehr ruhiges Kind. Man hat es immer als Schüchternheit betituliert. Ich glaube, das war zum großen Teil auch, zu einem gewissen Teil auch richtig. Aber ich war schon auch quasi, was man heute sagen würde, ein Introvert. Also sind einfach mehr in mir selbst, mehr mit mir selbst beschäftigt, mehr in meinen Gedanken, als dass ich wirklich immer so rambazamba um mich rum brauchte.
[12:50] Und also von daher, die Grundschule war eine total schöne Zeit und dann bin ich ins Gymnasium gekommen und dann kommt man ja auch in die Pubertät und dann zählen dann auch auf einmal andere Sachen als irgendwie gute Noten und all diese Sachen. Und ich glaube, wie jeder Jugendliche, jede Jugendliche kommt man da auch so ein bisschen ins Schleudern, was sozusagen die eigene Identität angeht. Und gerade auch noch mit meiner Historie hatte ich ja eh immer schon so dieses, wer bin ich, woher bin ich, wie sehe ich aus, wie passt das alles zusammen? Ich glaube, da war dann gerade so in den ersten paar Jahren im Gymnasium, war das dann nicht mehr so, dass ich sage, ich gehe gerne jeden Tag irgendwie in die Schule. Das hat mich zwar nie gestört, ich hatte immer gute Noten. Ich hatte auch immer ein gutes Verhältnis zu Schule und Noten und auch so Hausaufgaben und so. Also ich war immer einer der Schülerinnen, die jetzt nicht alles immer gemacht hat, aber schon relativ compliant war, was das angeht. Genau, aber die Volksschule, also die Grundschule war schon sehr cool.
[13:58] Ab wann wusstest du, weil du gerade über deine Identität gesprochen hast und die Reise zu dir selbst oder die Suche nach dem, was dich antreibt,
[14:07] ab wann wusstest du, was du studieren möchtest? Oder hast du dich überhaupt damit beschäftigt, dass es irgendwann ein Ende der Schule geben würde und wie es dann weitergeht? Ja, das war von meinem Elternhaus quasi gesetzt. Also, dass ich irgendwann studiere, dass ich irgendwann auf die Uni gehe, also da hätte jetzt schon echt viel passieren müssen, dass ich das nicht tue. Das ist, glaube ich, davon sind wir immer ausgegangen. Ich komme aus einem sehr traditionell akademischen Haushalt. Meine Eltern haben eben durch den Krieg jetzt nicht die höchsten akademischen Abschlüsse hinbekommen, aber wenn der Krieg nicht gewesen wäre, dann hätten sie es gemacht. Und von daher ist das sozusagen schon irgendwie gesetzt gewesen.
[14:56] Ich glaube, also dieses Thema Medizin, also ich habe ja dann Medizin studiert und bin dann Ärztin geworden, das war schon immer so ein roter Faden. Ich kann dir gar nicht sagen, wann das begonnen hat, das hat sicher irgendwann im Kita-Alter begonnen, dass ich Ärztin werden wollte.
[15:13] Das ist, glaube ich, auch wieder so eine Kombination von zwei Kräften gewesen. Ich meine, ich komme aus einer asiatischen Familie, südostasiatischen Familie. Da sagt man ja nicht umsonst scherzhafte Weise immer, dass man entweder Anwalt oder Arzt oder irgendwie Architekt wird oder so. Und ich komme auch aus einer Ärztefamilie und von daher glaube ich, war das schon so ein familiärer Einfluss auch. Andererseits, wie gesagt, war ich immer neugierig. Ich hatte im Kita-Alter schon mein erstes Mikroskop gehabt. Ich hatte dann im Grundschulalter mir ein zweites Mikroskop zu Weihnachten gewünscht. Ich habe alles darunter gelegt. Ich hatte so ein kleines Labor mir in meinem Kinderzimmer aufgebaut. Alles wirklich aus eigenen intrinsischen Kräften heraus. Es hat mir irgendwie keiner gesagt, dass ich das machen soll.
[15:58] Und von daher war da schon immer so ein inquisitives, naturwissenschaftliches Interesse dabei. Dabei in der Zeit von Kita zu Studium sind natürlich immer ein paar andere Sachen dazugekommen. Ich habe auch mal überlegt, ob ich Kunst studieren soll. Ich war auch immer künstlerisch sehr, sehr interessiert und auch ein bisschen begabt. Von daher gab es schon einen Einfluss von zu Hause, aber der ist auch wieder auf so einen fruchtbaren Boden getroffen. Und so habe ich immer das Thema Medizin mitgetragen. Haben deine Eltern dir denn erklärt, was es bedeutet, Ärztin zu sein und dass du wahnsinnig lange Schichten hast und mental massiv angespannt bist und körperlich fit sein musst?
[16:45] Nee, gar nicht. Das, glaube ich, haben sie auch gar nicht so realisiert. Also der Vater meiner Mutter war ja Arzt und Apotheker und wie gesagt in Kambodscha und das ist natürlich eine ganz andere Art zu praktizieren. Da hast du noch nicht so große Krankenhäuser gehabt. Ich glaube auch so dieses, was man heute im Krankenhaus sieht, das ist auch eine Erscheinung der letzten ein, zwei Jahrzehnte oder ein bisschen mehr, aber das war ja auch mal anders und wo man noch nicht so einen Fachkräftemangel hatte und so weiter.
[17:15] Und die Richtung, aus der meine Mutter oder meine Eltern auch gekommen sind, die haben eigentlich immer gesagt, der Arztberuf ist ein total schöner Beruf, weil man dabei Menschen hilft. Das ist das eine und das andere, was meine Mutter auch immer gesagt hat, war, dass der Arztberuf ein total guter Beruf ist, weil es überall auf dieser Welt Menschen gibt und wo es Menschen gibt, gibt es auch Krankheit und deswegen ist man auch örtlich ungebunden. Das heißt, egal wohin man kommt, wird man immer etwas Sinnvolles zu tun haben und Menschen helfen können. Das heißt, deine Eltern hatten auch durchaus im Blick, dass Linz für dich nicht Heimat für ein ganzes Leben sein könnte. Ja, also meine Eltern, ich glaube auch zweierlei Kräfte hier, meine Eltern mussten ja sehr, sehr plötzlich ihre Heimat verlassen, als der Krieg ausgebrochen ist. Und wie bei vielen Kriegen ist das so, wahrscheinlich bis zwei, drei Wochen vor dem Krieg hätte niemand geglaubt, dass jetzt irgendwie eine Partei oder irgendein Militär das dann übernimmt. Und wie das oft in der Geschichte so ist, war das in Kambodscha auch so, dass nach der Wahl dann die Wahlgewinner sehr, sehr schnell das Land umgestürzt haben.
[18:32] Und von daher haben sie schon immer, glaube ich, implizit, unbewusst diesen Gedanken in sich getragen, zu sagen, okay, was, wir müssen irgendwie vorbereitet sein, wenn wir nochmal woanders hin müssen. War das bei euch zu Hause ein Thema, dass ihr darüber gesprochen habt, was sie alles zurückgelassen haben? Ja, das tut natürlich total weh. Meine Mutter kommt aus einem sehr behüteten, wohlhabenden Elternhaus. Wie gesagt, der Vater war Apotheker und Arzt, das ist ja sehr anerkannt. Ja. Und meine Mutter ist ja als eine der wenigen Frauen in der Stadt sehr lange zur Schule auch gegangen. Also damals war das auch so, das hat sie mir erzählt, dass wenn man als Mädchen geboren wird, man zwar in die Schule geht und so weiter, aber irgendwann so ab 15, 16, 17 man dann schön langsam verheiratet wird und auch darüber nachdenkt, was dann ist. Und meine Mutter hat halt gesagt, dass gerade ihr Vater sie da sehr gefördert hat und immer gesagt hat, solange sie in die Schule gehen möchte, solange sie studieren möchte, soll sie das tun. Und das war schon sehr emanzipiert für die damaligen Zeiten und.
[19:50] Die hatten ein schönes Haus und viele Geschwister waren da auch sehr anerkannt aufgrund der Stellung der Familie und so weiter. Also das ist Meine Mutter hätte auch dann Jura studiert, das hat sie sich auch vorgenommen und dann ist halt der Krieg ausgebrochen und dann ist sie halt nach Österreich gekommen und musste von Null anfangen und das ist natürlich ein total, also erstens mal die Kriegsgeschichte, dass man das mal durchlebt und dann wieder in einer neuen Gesellschaft bei Null beginnen, das ist halt schon ein total tiefer Fall auch gefühlt und faktisch auch. Und deswegen lebt man da glaube ich, also jeder verarbeitet das anders, aber gerade meine Mutter lebte da viel auch sozusagen von Erinnerungen in der Vergangenheit auch. Du hast ja in Erinnerung, hattest du im Vorfeld berichtet davon, dass du, da ist noch ein Klischee aus Südostasien, Karate gemacht hast in deiner Jugend. Und wie es sich fast wie ein roter Faden in deinem Leben gehört, nicht einfach nur gemacht hast, sondern dann natürlich auch erfolgreich.
[20:56] Staatsmeisterin. Staatsmeisterin ist tatsächlich Österreich oder die Region, in der du gelebt hast? Nee, das war ganz Österreich. Oh mein Gott. Also von wann an hast du das betrieben? Ja, ich, das war, also Karate war eigentlich nur so ein Zufall. Also meine Mutter oder meine Eltern haben uns in ganz, also die wollten immer so ein bisschen, dass wir ganz viel ausprobieren. Und als Kind haben wir ganz viel gemacht. Ich habe Eiskunstlauf gemacht und Tennis und Leichtathletik und Turnen und was auch immer. Auch Klavier gespielt? Klavier, Violine, Flöte, Gitarre. Also meine Mutter war immer so, hey, meine Kinder müssen alles ausprobieren, damit sie für sich bemerken oder erfahren, was ihnen Spaß macht, was ihnen nicht Spaß macht und auch worin sie gut sind und worin sie nicht gut sind. Also meine Mutter war immer so auf dem Trip, irgendwie Talente entdecken zu wollen für uns.
[21:51] Hat sich herausgestellt, wir sind jetzt nicht so krass talentiert, was so körperliche und musische Fähigkeiten angeht. Und mein Bruder ist ein Jahr jünger als ich und der war immer so ein krasser Bruce Lee Fan. Und Bruce Lee war damals ja echt so einer meiner Kindheitshelden und wollte immer irgendwie Kung Fu machen oder einen anderen Kampfsport. Und so hat er dann, also der hat auch Fußball gespielt und Tennis und so weiter und irgendwann wollte er dann Kampfsport machen und dann gab es halt einen Karate-Verein bei uns in Linz und der ist da zum Schnuppertraining hingegangen und ich bin da einfach mitgegangen. Also ich wäre nie auf die Idee gekommen zu sagen, ich will jetzt irgendwie Karate machen wahrscheinlich. Aber weil mein Bruder das unbedingt wollte, bin ich da einfach mitgegangen und habe dann mittrainiert. Und so ist das dann entstanden, dass ich immer ins Karate-Training gegangen bin. Und mein Bruder ist auch viel besser als ich gewesen. Aber er hat halt bei den Jungs, also es sind ja nach wie vor im Wettbewerb, gibt es jungen Wettbewerbe, Mädchenwettbewerbe. Das heißt, wir haben da nie gegeneinander wirklich angetreten. Auch nicht im Training? Ja, im Training schon. Und es gab auch sowas wie Vereinsmeisterschaften, wo so ein Inhalt des Vereins, da ist der Verein einfach nicht so groß, dass man alles aufteilt. Da sind wir auch gegeneinander angetreten.
[23:12] Aber nicht bei den offiziellen großen Meisterschaften. Und so ist das dann gekommen, dass ich auch ganz gut war. Ich muss vielleicht, um ganz korrekt zu sagen, ich bin im Team, also es gibt einen Teamwettbewerb, es gibt einen Einzelwettbewerb in Karate, ich bin im Team Staatsmeisterin geworden, also wirklich Goldmedaille und im Einzel bin ich Dritte geworden damals. Hast du dann noch weitergemacht? Ja, also ich habe weitergemacht bis zum Abi quasi und dann bin ich von zu Hause weg, also nach Wien gezogen und dann musste ich meinen Verein verlassen und dann habe ich aufgehört.
[23:47] Hast du jemals darüber nachgedacht, dass das Sport oder dieser Sport im Besonderen in irgendeiner Weise für dich mehr als ein Hobby sein könnte? Also ich persönlich nicht wirklich, weil es da schon so ein paar andere Mädchen gab, die noch mal besser waren als ich auch, sozusagen konstant besser waren als ich und auch anders trainiert haben. Ich habe das aber von der Seite meines Bruders mitbekommen, weil der wirklich die Chance gehabt hätte, auch ins Senioren-Nationalteam zu gehen und war auch international, hat da mehr Wettbewerber als ich bestritten und so weiter.
[24:26] Du merkst aber ganz früh, und deswegen ist Leistungssport auch ein total spannendes Thema, dass du eigentlich in ganz, ganz vielen Sportarten, selbst wenn du da zur Weltspitze gehörst, eigentlich keine Existenz dir aufbauen kannst. Also wenn du nicht gerade Tennis spielst oder Fußball und dann wird die Luft schon dünn und Basketball wahrscheinlich in den USA, dann wird es halt total schwierig, da professionell Sportler zu werden. Und Leistungssport gerade im Profibereich verlangt dir unheimlich viel ab. Also das ist wirklich ganz, ganz viel Opfer, das du bringst, sowohl an Lebenszeit als auch an Gesundheit und körperlichem Einsatz. Und ich finde, das muss man schon wollen und sich da auch gut überlegen. Und Karate ist so eine Randsportart, gerade in Europa. Wir haben wirklich tolle Sportler, auch in Deutschland, auch in Österreich, die wirklich international top, top, top Level sind. Aber keiner kennt sie. Kennt keiner, die verdienen auch nichts. Es gibt auch keine Sponsoren oder ganz wenige. Das sind alles Leute, die das aus Leidenschaften nebenher machen. Und das war für mich und für uns dann keine Option.
[25:32] Welche Rolle spielt Sport heute in deinem Leben? Untertitelung des ZDF, 2020 Also in meinem Leben hat Sport immer eine sehr große Rolle gespielt. Ich mag es einfach, aktiv zu sein. Ich mag es auch, stark zu sein. Ich bin ja von der Person her jetzt eine relativ kleine Person und auch, man würde sagen, zierlich, obwohl ich nicht finde, dass ich zierlich bin.
[25:51] Und umso wichtiger ist es mir, dass ich halt stark bin, einfach auch physisch stark und das hat eine sehr, sehr große Rolle für mich gespielt.
[26:01] Bis ich vor ein bisschen mehr, also fast vier Jahren, meine Tochter bekommen habe und ich habe bis sechs Wochen vor der Geburt noch zweimal die Woche Sport gemacht, und dann hatte ich meine Tochter bekommen, dann sollte man eh noch nicht so viel Sport machen und so weiter und dann, habe ich das seitdem, muss ich auch ehrlicherweise sagen, nicht mehr und dann habe ich das seitdem ehrlicherweise nicht mehr in meinen Alltag reingepackt, und aktuell mache ich gar keinen Sport. Ich habe es mir aber eigentlich für 2024 jetzt wieder vorgenommen, dass ich irgendwie wieder anfange. Von daher, let's see. Welchen Sport hast du gemacht bis zur Geburt deiner Tochter? Gemischt. Also ich bin einmal die Woche schwimmen gegangen, mit Schwimmtrainer auch und da wirklich ordentliches Schwimmtechnik-Training gemacht. Und für mich ist es halt immer so, ich brauche immer irgendwie eine Challenge. Also ich kann nicht einfach so irgendwie, weiß ich, also ich muss mir was vornehmen. Entweder Schnelligkeit. Ich habe immer Langstrecken schwimmen gemacht, weil ich nicht schnell bin. Deswegen dachte ich mir, dann schwimme ich halt irgendwie ein, zwei Kilometer am Stück. Das kriege ich halt hin. und habe dann zweimal die Woche sozusagen typisches Kraft-versus-Hit-Training gemacht mit einem Trainer und dann einmal die Woche Yoga und den Rest bin ich halt selbst so ins Fitnessstudio gegangen.
[27:22] Ein bis zwei Kilometer, das sind 20 bis 40 Bahnen. Genau, also 20 Bahnen im 50-Meter-Pol. Ich erinnere mich noch, wie ich bei der Silberprüfung 600 Meter schwimmen musste und fast untergegangen bin. Ja, aber 20 Bahnen ist gar nicht so schlimm. Wenn du in einen Flow kommst wahrscheinlich. Ja, genau. Denkst du dann an irgendetwas? Oder versuchst du dann bewusst an nichts zu denken oder kannst du das sogar? Ja, also das Schöne am Schwimmen ist, man muss ja die Bahnen zählen. Und ich habe halt irgendwie keinen Zähler dabei oder so. Und es ist schon echt anstrengend auch, wenn man da schwimmt. Und von daher ist für mich Schwimmen, ich komme da in einen Flow tatsächlich und das ist fast so ein bisschen meditativ, dass ich tatsächlich gar nicht so
[28:07] viel links und rechts denke. Das ist anders zum Beispiel und deswegen tue ich das nicht. Zum Beispiel laufen und ich habe auch viele Freunde, die sagen, die kommen da in so einen Flow, so fast in einen Trance-Zustand. Das kriege ich nicht hin. Also beim Laufen, das ist, da ist einfach zu viel rundherum und zu viel Ablenkung und so weiter und von daher ist das eher nicht so mein Austausch-Sport, aber beim Schwimmen kriege ich das hin. Stark. Du hast erzählt, du hast Abitur gemacht oder wie man in Österreich sagt, ja Matura und bist dann nach Wien gegangen.
[28:38] Eigentlich war das ja gar nicht dein Plan, nach Wien zu gehen, sondern eigentlich wolltest du ja nach Yale gehen. Was, also A, warum Yale und B, warum ist es dann am Ende Wien geworden? Ja, also ich war schon immer irgendwie so ein bisschen fasziniert von den amerikanischen Universitäten. Und das ist ganz spannend, auch wenn man zurückdenkt, weil damals, als ich so 17, 18 war, da gab es nur so rudimentär Internet. Das war noch nicht so, dass du, also da gab es auch noch gar kein Social Media und gar nichts. Aber ich schätze, ihr hattet wahrscheinlich zu Hause einen Computer, dadurch, dass dein Vater Programmierer war. Genau, wir hatten immer einen Computer. Der erste Computer, an den ich mich erinnere, ist dieser Commodore 64 gewesen oder so. Haben da auch schon drauf gespielt und dann auch immer einen Computer gehabt und auch Internet gehabt dann sehr früh.
[29:30] Aber das, also was ich damit sagen wollte ist, das kann man sich heute, glaube ich, gar nicht mehr vorstellen, wenn man damals noch nicht so geliebt hat, wie wenig Informationen man einfach hatte. Also ich kann mich auch erinnern, also du wahrscheinlich auch, irgendwie Uni anschreiben, das war nichts mit irgendwie, ich log mich ein oder so, sondern du musstest dir irgendwo so ein Heft holen, deine Vorlesung dir rausschreiben, dir den Stundenplan auf Papier selbst zeichnen und so weiter. Und das war so die Zeit auch, wo ich so von den amerikanischen Universitäten fasziniert war. Deswegen ist das schon ganz spannend, wie ich eigentlich darauf gekommen bin. Also ich glaube einfach, weil Bildung so ein großes Thema bei uns zu Hause war und so, habe ich das immer so ein bisschen per Osmose mitbekommen. Aber ich habe dann irgendwann erfahren, dass man sozusagen vor der Matura, vor dem Abi schon eine Spezialzulassung an manchen amerikanischen Universitäten bekommen kann, wenn man spezielle Auflagen erfüllt. Und Auflagen waren erstens natürlich sehr, sehr gute Noten. Zweitens musstest du irgendwie….
[30:27] Und gefühlt 100 Empfehlungsschreiben dir einholen. Das waren jetzt nicht so viele, aber ich musste sicher fünf, sechs oder sieben so lange Referral Letters mir einholen von Leuten um mich rum. Und mind you, ich war 17 Jahre alt. Ich hatte noch kein großes Netzwerk oder so. Und du musst das natürlich auch darstellen, dass du die finanziellen Ressourcen hast, diese Unigebühren zu zahlen.
[30:51] Und ich wollte schon früher, also mit 15, 16 schon mal so ein Auslandssaal in den USA machen. Und meine Mutter hat mich nicht gelassen. Die hat gesagt, ich lasse meine 15-jährige Tochter nicht zu irgendeiner Familie gehen in den USA, die ich nicht kenne, wo ich keine Handhabe habe und so weiter und so fort. Sagt sie, das machst du nicht. So, dann bin ich mit 17 draufgekommen, aha, da kann man in den USA studieren. Entschuldige, konntest du dieses Nein gut akzeptieren? Nein, gar nicht, gar nicht. Ich hab's, ich hab's, also ich konnte, ich hab, ich hab nur, ich war am Kot, wirklich. Ich wollte, ich hab mir alle Informationen schon eingeholt, ich konnte, dann hab ich gesagt, okay, ich geh nicht in den USA, ich geh nach Malta.
[31:32] Ja, weil Malta irgendwie nahe war, Englisch sprechen und so weiter. Nee, geht nicht. Also ich hab mich da zu Tode diskutiert mit meiner Mutter, natürlich hatte sie dann gewonnen und bin ich, dann bin ich halt mit 17 nochmal um die Ecke gekommen mit einer Broschüre aus Yale und meinte so, guck mal, Mami, man kann da jetzt irgendwie studieren und ich kann da in einem Studentenheim leben, da muss ich nicht bei einer Familie leben, bliblablub und so weiter. Und dann meinte meine Mutter so, ey, du machst doch bald das Abi. Geh dann hin, wenn du halt irgendwie studierst.
[32:04] Und mein schlagendes Argument war dann zu sagen, aber Mama... Dann ist es nichts mehr Besonderes. Es ist etwas Besonderes, wenn ich es jetzt mache, vor dem Abi, mit 17, an so einer Elite-Uni eine Zulassung bekomme. Das kriegen nicht viele hin. Und das macht es besonders. Und deswegen würde ich es jetzt gerne machen. Und ich schätze mal, beim Argument besonders hattest du sie. Ja. Und das war so ein bisschen, ich glaube, meine Mutter, der war da noch immer nicht wohl. Aber die meinte so, okay, wenn ich sie jetzt nicht lasse, dann wird dieser Moment, dieser besondere Moment, nicht mehr zurückkommen. Weil dann hat sie das Abi, dann geht sie studieren und dann macht sie es wie alle anderen. Darf ich dich fragen, auch wenn ich jetzt ein bisschen weiter abbiege, dass das Ökosystem, in dem deine Eltern in Linz gelebt haben, hatten sie viele Freunde aus ebenso China und Kambodscha und ich schätze mal Hauptgesprächsstoff waren dann die Kinder und wie gut sie waren und was sie gemacht haben. Ja, genau. Also es gab nicht viele damals Kambodschaner und Chinesen in Linz, aber es gab ein paar. Also ein paar hundert. Also es waren jetzt nicht irgendwie 10 oder 20, da war schon so eine kleine Community.
[33:16] Und die sind ja auch alle aufgrund des Krieges so ungefähr zur gleichen Zeit nach Österreich gekommen. Das heißt, man hat so ähnliche Lebensentwicklungen. Man hat dann auch so ungefähr zur gleichen Zeit das erste Kind bekommen, ungefähr zur gleichen Zeit das zweite Kind bekommen, mit ein paar Jahren Abstand. Und von daher war das schon auch immer so ein bisschen ein Vergleichen der Lebensphasen und was man so ist. Und natürlich ist der ganze Stolz der Familie sind die Kinder und deren schulische Leistungen. Und es ist auch, man muss auch sagen, meine Eltern sind da echt ultra peinlich. Ja, also es ist wirklich überall, wo sie hingehen, erzählen sie. Also sie sind so ultra stolz, also eigentlich ganz süß. Aber ich sage meiner Mutter immer so, Mama, das interessiert wirklich niemanden, welchen Noten ich habe. Bitte erzähl das niemandem. Und meine Mutter immer so, nee, ich bin so stolz drauf und das müssen jetzt irgendwie alle erfahren. Und von daher ganz klar ja.
[34:12] Und für Yale hat es dir dann auch ihr Platz gegeben. Du durftest dich bewerben, du wurdest genommen. Was ist schiefgegangen? Ich bin dann draufgekommen, dass Studieren in den USA arschteuer ist. Ich war in Yale, super coole Zeit auch. Das ist auch nochmal ein Side-Comment. Das haben meine Eltern und meine Tante mir finanziert und da bin ich bis heute dankbar dafür. Und ich habe dann blauen Auges mit ganz viel Optimismus, habe ich bei der Landesregierung in Oberösterreich angerufen, die da so Stipendien ausgeben und habe angerufen und meinte so, ja, ich bin jetzt irgendwie 17, ich habe eine Zulassung für Yale, das kostet jetzt irgendwie so und so viel, 1000 Dollar, gibt es da eine Möglichkeit, eine Förderung, ein Stipendium zu bekommen? Und der Typ auf der anderen Leitung hat mich wirklich ausgelacht. Weil die Kosten so immens waren? Ja, genau. Der meinte so, wie blöd ist man
[35:03] denn, dass man diese Kosten auf sich nimmt, um an einer amerikanischen Universität zu studieren. Und ich habe gesagt, dann habe ich irgendwie, war ich komplett verplexet, aber das ist Yale und das ist total schwierig da reinzukommen. Und dann meinte er so, ja, dann ist das irgendwie meine Sache und hat er aufgelegt. Wow.
[35:21] Weil Studieren in Österreich genauso wie in Deutschland überwiegend wahrscheinlich kostenlos ist oder relativ niedrigschwellig. Ja, das war damals komplett kostenlos. Jetzt hat man ein paar hundert Euro Studiengebühren, aber weit nicht so. Also der hat es gar nicht verstanden. Und dann bin ich nach Yale gegangen und habe mich dann auch informiert, was es denn bedeutet, Medizin zu studieren und habe dann gemerkt, okay, das ist ein anderes System. Man muss ja Undergrad, Undergrad machen und das kostet irgendwie zwischen 50 und 100.000 Dollar im Jahr. So. Und dann war für mich irgendwie klar, okay, also das Geld haben wir nicht und ich kann sie irgendwie meinen Eltern da nicht antun und so weiter und so fort. Und Stipendien, das war dann auch nicht so einfach und habe dann beschlossen, vor allem aufgrund der sehr, sehr, sehr hohen Kosten, nicht in den USA zu studieren. Aber du warst schon vor Ort? Ich war schon vor Ort. Wow. Und was war das für dich für ein Gefühl? also einerseits zu wissen, du hast es geschafft und du hast viele Mühen auf dich genommen, um dort zu landen, wo du bist und gleichzeitig trotzdem zu sagen, okay, das kann ich irgendwie meiner Familie nicht antun. Das war für mich total okay. Das war, also ich glaube nach wie vor, dass ich nochmal.
[36:34] Besser aufgehoben wäre an einer amerikanischen Uni mit einem amerikanischen System, einfach aufgrund dessen, wie welche Möglichkeiten man da hat. Geboten bekommt und auch welche finanziellen Ressourcen eine Uni dort hat. Ich bin ja später dann nochmal hin, aber für mich, ich habe da überhaupt kein Bereuen, gar kein Gräuel. Für mich war das total okay, dass ich dann in Wien studiert habe. Ich habe da eine tolle Zeit gehabt, eine tolle Uni auch und so weiter.
[37:01] Wie gesagt, wenn ich die finanziellen Mitteln gehabt hätte, wenn ich es mir aussuchen hätte können, glaube ich schon, dass ich da nochmal mehr mitgenommen hätte aus der Studienzeit, fachlich, inhaltlich, aber das war dann nicht so und für mich war dann so ein bisschen Genugtuung und gar nicht Genugtuung, weil ich das wem beweisen wollte, aber auch einfach so ein bisschen Genugtuung oder Peace of Mind, dass das alles okay ist, als ich dann nach meinem Arzt-Dasein in die Unternehmensberatung gegangen bin, zu McKinsey und da sitzen ja ganz viele Leute, die genau an diesen Unis waren, die in Harvard waren, die in Yale waren, die in Stanford waren, die wirklich an den Top an der WHU waren und so weiter, wirklich an den Top, Top, Top Unis, an diesen großen Marken. Und ich saß mit denen im gleichen Teamraum und habe die gleiche Arbeit gemacht und das Gleiche verdient. Und fühlte mich und hatte nicht den Eindruck, dass die jetzt irgendwie intellektuell besser drauf waren oder ich irgendwie schlechter oder was auch immer. Und deswegen war für mich das auch nochmal so ein Beweis aus der Praxis zu sagen, hey, it's okay. Aber wie Wie kam es denn dazu, dass du, die du ja immer Ärztin werden wolltest, also die von frühester Kindheit an diesen Beruf vor Augen gehabt hast, alles darauf ausgerichtet hast, auch ja in GEL dann Medizin studiert hättest, in Wien Medizin studiert hast, dann auf die Idee gekommen bist zu sagen, nee, doch nicht, ich mache Beratung. Also das ist ja, und wie haben deine Eltern darauf reagiert?
[38:27] Ja, also das stimmt. Ich wollte immer Ärztin werden und ich will es nach wie vor noch werden oder wieder machen. Sagen wir so, ich bin es ja schon. Ich bin zu einer Zeit mit dem Medizinstudium fertig geworden, da gab es noch keinen Ärztemangel. Und ich wollte unbedingt an der Wiener Uniklinik bleiben, weil ich da schon geforscht habe und da die Leute kannte und auch einen bestimmten Forschungsbereich belegen wollte. Welcher war das? Das war sozusagen in der Grundlagenforschung Stammzellenforschung. Also ich habe an Herzstammzellen geforscht und die Uniklinik in Wien war eine der wenigsten Labore, die an menschlichen Herzstammzellen geforscht hat. Und da habe ich auch meine Abschlussarbeit geschrieben und so weiter. Und ich fand die Leute unheimlich toll dort und wollte auch ein sehr spezielles Fach machen. Ich wollte interventionelle Kardiologie machen, also da, wo man so diese Stents macht. Und dann hatte man mir gesagt, dass man mich gerne nehmen würde, aber ich müsste mindestens zwei bis drei Jahre Wartezeit einplanen, weil noch ein paar andere Leute vor mir waren, weil die Stellen nicht so schnell frei werden. Und ich wollte nicht zwei bis drei Jahre warten und in der Zeit nochmal weiter forschen in einem dunklen Kämmerlein ohne Fenster.
[39:42] Ich wollte mal was machen. Und so bin ich dann in die Unternehmensberatung gegangen. Das war auch nur Zufall. Entschuldige ganz kurz, aber du hättest ja auch unter Umständen an ein anderes Krankenhaus, also du hättest ja in anderen Bereichen forschen können. Also warum hast du dich dann an der Stelle komplett gegen Medizin entschieden? Ja, an der Stelle habe ich mich ja noch nicht komplett gegen Medizin entschieden, sondern das war für mich so ein, ich gucke mir mal was anderes an und nach zwei Jahren komme ich wieder zurück. Und von daher war das noch keine komplette Entscheidung gegen die Medizin. Ich habe mir auch andere Krankenhäuser in Wien angesehen, aber es gab noch ein anderes, das hat kooperiert mit der Uniklinik Wien. Dort wollte mich quasi der Chefarzt auch haben, aber auch gleich Geschichte. Da sagt sie, ich habe noch zwei Leute vor dir, bevor du kommen kannst. Ich habe mir dann auch Kliniken in Deutschland angeguckt. Also ich habe mir zum Beispiel konkret das Herzzentrum in Dresden angeguckt. Da hatte mir man damals schon gesagt, so boah, als Ausländer nach Dresden, don't do it. Das hat mir ein jüdischer Arzt gesagt, Arztkollege gesagt aus Wien, der gesagt hat, ich würde nicht nach Dresden gehen. Und...
[40:58] Und ehrlicherweise, da könntest du jetzt sagen, ja, du hättest mal hinfahren können, das probieren können. Ich habe es dann nicht gemacht. Das war für mich dann alles ein bisschen zu mühsam, ein bisschen zu schwierig. Und die Unternehmensberatung stand da und meinte so, hey, komm doch zu uns. Es war auch ein tolles Angebot. Fang doch mal bei uns an. Und das war so ein bisschen der Grund zu sagen, ich mache mal, ich überbrücke meine Wartezeit. Und wusstest du überhaupt, was Unternehmensberatung bedeutet? deutet? Nein. Ich, ja, also ich habe mir das von außen natürlich angeguckt und so, aber ich wusste nicht. Was hat dich daran gereizt? Nein, also ich, ich habe irgendwie verstanden, dass man da in Unternehmen reingeht und denen bei irgendetwas hilft. So, und das fand ich spannend. Ich fand es spannend, also ich komme ja aus der Medizin, ich habe mein Leben lang nichts anderes gesehen, als das Krankenhaus von innen. Und ich fand es dann spannend, etwas anderes von innen zu sehen. Und Zugang zu diesen großen Corporates zu haben und einmal zu verstehen, wie funktionieren die denn von innen? Wie funktioniert denn ein AstraZeneca von innen? Wie funktioniert denn ein Bayer von innen? Und das hat mich total fasziniert, so diese projektgetriebene Arbeit. Und das zweite war auch, muss ich ja dazu sagen, einfach wirtschaftlich. Du hast als Berufsansteiger unheimlich gut verdient. Und das war für mich auch etwas, wo ich mir gedacht habe, okay, damit mache ich jetzt mal keinen Fehler. Erinnerst du dich noch, was du dir von deinem ersten Geld gekauft hast?
[42:25] Nicht von meinem Unternehmensberatungsgeld. Ich hatte vorhin ein Praktikum bei Wall Street Online gemacht. Das ist eine Wirtschaftsnachrichtenagentur. Und ich kann mich erinnern, da hatten wir noch die österreichische Währung Schilling. Aber man hat mir das Arbeitsangebot schon in Euro gemacht. Und ich habe 1300 Euro im Monat verdient. Das war unheimlich viel Geld. Und von meinem ersten Gehalt habe ich jedem Familienmitglied meiner Familie ein Geschenk gekauft. Wow. Ich nicht.
[42:55] Du hast dir den Traum von den USA dann doch noch erfüllt, weil du aus deiner McKinsey-Zeit eben nicht mehr ans Krankenhaus zurückgekommen bist oder zurückgegangen bist. Was war das? Was hat in dir gearbeitet damals? Ich nehme an, so einfach ist dir die Entscheidung nicht gefallen und es war wahrscheinlich in irgendeiner Weise ein Konflikt, den du mit dir ausgetragen hast. War es salopp gesagt, dass viel Geld im Wirtschaftsleben versus den wahrscheinlich nicht so tollen Arbeitsbedingungen im Krankenhaus? Gar nicht so das, weil ich finde, also die Arbeitsbedingungen im Krankenhaus sind nicht so toll, aber es gibt ja jeden Tag trotzdem tausende von Ärzten und Pfleger und Pflegerinnen, die aufstehen und ins Krankenhaus gehen und dort arbeiten. Und deswegen hätte ich überhaupt kein Problem damit, auch diese harte Arbeit zu machen. Also ich habe grundsätzlich keine Angst vor oder keine Scheu vor harter Arbeit. Und von daher schrecke ich das jetzt gar nicht ab. Also das ist für mich nie ein Grund gewesen, es nicht zu tun, ins Krankenhaus zu gehen, diese harte Arbeit.
[44:11] Das, was für mich der ausschlaggebende Grund war, war so ein bisschen die Opportunity und die Möglichkeit, etwas mitzugestalten. Und ich war damals so um die 30 plus minus, ein bisschen davor. Und ich dachte mir so, okay, wenn ich jetzt noch irgendwie einen Versuch starten möchte, etwas im Gesundheitssystem mitzugestalten und wirklich auch so ein bisschen… War das die Idee? Also was hat dich angetrieben? Also du hast gerade gesagt, irgendetwas im Gesundheitswesen oder im Gesundheitssystem mitzugestalten. Was hat dich gestört? Weil du hast ja gerade gesagt, so ganz schlimm sind die Arbeitsbedingungen im Krankenhaus nicht. Es ist viel und harte Arbeit, aber nichtsdestotrotz. Also was war dein Problem? Oder das Problem, das du gesehen hast? Also die Arbeitsbedingungen im Krankenhaus sind schon schlimm. Ich wollte nur sagen, dass das nicht für mich der ausschlaggebende Grund war, das nicht zu machen. Es läuft einfach so viel falsch im Gesundheitssystem. Ja, und ich finde halt so, also, und jetzt gerade in der aktuellen Zeit, wo so viele Kriege um uns rum sind, denke ich immer ganz oft darüber nach, was macht uns als Menschen aus? Was brauchen wir, um existieren zu können, gut existieren zu können? Das ist Freiheit.
[45:28] Und was brauchen wir, um Freiheit leben zu können? Das ist Gesundheit. Und deswegen kommt Freiheit und Gesundheit für mich ganz, ganz weit oben. Freiheit, das ist was total Politisches. Vielleicht mache ich das irgendwann auch mal, aber das ist gerade nicht mein Home-Turf. Dafür kann ich jetzt nicht sorgen. Aber Gesundheit, das ist so im Kern eines jeden Menschen, stets das Thema Gesundheit.
[45:54] Und das ist, finde ich, eines der wichtigsten Themen, wichtigsten Sachen im Leben. Und ich verstehe auch oft nicht, wieso das Thema Gesundheit nicht in jeder öffentlichen Debatte ganz, ganz oben steht. Tut es halt nicht, weil man mit dem Thema Gesundheit keine Wahlen gewinnt. Das weiß ich auch. Aber für mich war das einfach, ist es nach wie vor einfach so ein Thema zu sagen, Und sagen, hey, gesellschaftlicher Fortschritt, Freiheit, Innovation.
[46:22] All diese Sachen werden nicht stattfinden, wenn wir nicht gesund sind, wenn wir nicht funktionsfähig sind. Und deswegen ist das so wichtig. Und das war für mich immer so ein Treiber zu sagen, wie kriegen wir das denn besser? Wie kriegen wir denn Patienten, Menschen, die Hilfe brauchen, besser durch dieses Gesundheitssystem geleitet, sodass die besser rauskommen, als die vorher reingegangen sind? Und das ist ein total komplexes Thema, das weiß ich auch. Und das, was ich jetzt gerade mache, das ist auch ein kleiner Tropfen, hoffentlich auf einem nicht so ganz heißen Stein, aber das ist ein ganz, ganz kleines Rädchen, das wir drehen im gesamten Gefüge. Es ist aber dennoch kein Grund, es nicht zu machen. Und das war für mich der Grund zu sagen, ich möchte ein Teil der Lösung sein. Und du hast dich in der Wirtschaft, im Gesundheitswesen einfach wirksamer gesehen, als wenn du als Ärztin im Krankenhaus agieren würdest. Ja, anders wirksam. Mit einem größeren Reach. Ich glaube, dass diese Arzt-Patienten-Beziehung unheimlich wertvoll und unheimlich mächtig ist. Wenn du eine gute Arzt-Patienten-Beziehung hinbekommst, dann kriegst du richtig viel hin.
[47:29] Aber für mich war das die Entscheidung zwischen, gehe ich wirklich tief und impactful auf eins zu eins oder versuche ich so viele Menschen wie möglich zu erreichen und das würde ich nur durch Technologie hinkriegen. Du bist ja nach New York gegangen. Und das war genau das, was du dir vorgenommen hattest. Ich habe die Unternehmensberatung verlassen und ich habe genau eine Bewerbung geschrieben, eine Initiativbewerbung und die ging an SogDoc, das New Yorker Unternehmen, damals Startup noch, das von außen so toll ausgesehen hat und wirklich eine massive Idee und Vision am Umsetzen war und noch dazu in New York war. Aber das war gar nicht sozusagen der ausschlaggebende Grund, sondern ich habe mich bei der Company beworben und habe zum Glück diesen Job auch bekommen, weil sonst wäre ich arbeitslos gewesen.
[48:20] Voll auf die Karte SogDoc gesetzt. Voll. Und warum SogDoc? Also was hat dich da gereizt? Also ich erinnere mich, es gab eine Zeit, da war SogDoc so the hot shit, wenn es um Gesundheit ging. Und deswegen war es für dich auch klar, das oder keins. Genau, das war the hot shit. Und das war the hot shit auch für mich, weil SogDoc eine Lösung für Patienten gebaut hat. Weil bis dahin gab es ganz viele Lösungen im Gesundheitssystem, dass Lösungen für Krankenhäuser, für Ärzte, für Pharmafirmen und so weiter. Also so ganz viele B2B-Themen quasi, würde man sagen. Und SockDoc war einer der ersten großen B2C-Themen, wo man einfach sagt, hey, wir bauen eine Lösung direkt an den Patienten. Genau, und das ist direkt fühlbar, spürbar, nutzbar.
[49:04] Was war deine Rolle bei SockDoc? Ich war sozusagen, die offizielle Rolle hieß Director of Healthcare Strategy. Ich habe mich ganz lange gegen den Titel gewehrt, aber man hat mir irgendwie keinen anderen gegeben. De facto war ich so ein bisschen die rechte Hand des CEOs. Also in einer Art Chief-of-Staff-Position und habe viel strategische Themen, geleitet, habe viel produkttechnische Themen geleitet. So ein bisschen alles, so ein bisschen Special Projects, was auch immer beim CEO anfällt, habe ich dann mitgemacht. Krass. Und wie sehr hat das dich überfordert?
[49:42] Überfordert? Ich würde einfach davon ausgehen, das ist ein Job, den du so noch nie gemacht hast, selbst wenn du den medizinischen Background hast, selbst wenn du die Beratung gesehen hast? Ja, also überfordert Und New York, muss man ja sagen. Und New York. Und New York war natürlich eine tolle Zeit. Überfordert nicht. Ich bin halt immer der Meinung, dass man alles lernen kann oder vieles lernen kann. Und wenn das etwas ist, was ich jetzt nicht von Grund auf kann, dann muss ich es halt lernen und dann muss ich natürlich die Zeit und die Stunden investieren. Und das habe ich auch gemacht. Also ich hatte zum Beispiel auch ein Projekt, wo wir die so ganz komplizierte Ausschreibungsverträge für eine öffentliche Ausschreibung machen wollten. Da hat es ja viel mit Gesetzestexten und so zu tun. Und ich bin ja keine muttersprachliche Englischsprecherin und habe mich trotzdem so reingefuchst in dieses englische Legal-Zeugs, dass ich irgendwann dachte so, boah, ich steige da richtig durch. Aber das waren dann auch teilweise, also ich hatte eine Nacht, wo ich bis vier, fünf Uhr früh gesessen bin an diesem Ding. Das ist sehr zäh.
[50:45] Was hat dich am Ende dazu bewogen, New York wieder zu verlassen? Du warst, glaube ich, drei, vier Jahre in New York bei SogDoc und hast dann irgendwann gesagt, nee, ich mache jetzt was Eigenes. Ja, also, dass ich nicht mein Leben lang bei Sockdorf bleibe, war klar. Weil ich irgendwie wusste so, irgendwann muss ich nach Europa zurück oder möchte ich nach Europa zurück. Ich habe mich da jetzt auch nicht unbedingt in so einer Leadership-Position gesehen.
[51:17] Und war dann auch an dem Punkt, wo ich die Möglichkeit hatte, selbst zu gründen. Und das ist so ein bisschen, auf Englisch sagt man so, when the stars align. Es gibt manchmal so Momente, wo alles zusammenkommt und das dann passt. Und bei mir im Leben war das dann auch so, dass ich eh so ein bisschen schon am Nachdenken war, was mit meiner Zeit nach Sockdock passieren sollte. Dann war ich schon so ein bisschen, ah, diese Idee. Also ich bin ja nicht umsonst zu Sockdock gegangen, weil ich die Idee so toll fand. Nie mit dem Anspruch, die zu kopieren, aber schon mit dem Anspruch zu lernen. Und habe mir dann gedacht, okay, ich habe jetzt verstanden, wie man so Direct-to-Consumer macht und worauf es ankommt. Und das dritte war auch, dass ich dann auch einen Investor hatte, der die Idee spannend fand und gesagt hat, hey, wenn du das machst, dann würden wir gerne investieren. Und dann dachte ich mir so, okay, besser wird es jetzt nicht. Ich kann jetzt nochmal ein Jahr warten, aber ob ich wieder in so eine Situation komme, weiß ich nicht. Und habe dann beschlossen, nach Berlin zurückzukommen und dann Kino Medical zu gründen.
[52:23] Und was war deine Vision von Kino Medical damals? Die Vision damals ist noch immer die gleiche wie heute, dass wir Patienten helfen, besser durch das Gesundheitssystem zu steigen. Wir haben natürlich schönere Wörter dafür, aber das ist die Vision dahinter, dass wir super patientenzentriert immer noch eine gesündere Welt zu schaffen und zwar eine gesündere Welt, weil es den Patienten besser geht. Und die Frage des Wies hat sich geändert. Wir haben begonnen als ein Marktplatzmodell. Das heißt, wir haben Patienten geholfen, den richtigen Arzt zu finden. Und das ist ja gut gelaufen, bis dann auch externe Faktoren, also die Pandemie ist ein bisschen gekommen ist und uns richtig die Rechnung gemacht hat. Und andererseits lernt man ja auch immer total am Markt und das ist total wichtig, wenn man etwas Neues gründet und auch in den Markt geht. Wir haben einfach auch gemerkt, dass die Krankenhäuser und Ärzte, mit denen wir zusammenarbeiten, total viel Hilfe brauchen, technologische Hilfe in der Digitalisierung ihrer Customer Journey, ihrer Patienten Journey. Und deswegen haben wir dann beschlossen, unser Wissen, unsere Expertise, unsere Technologie so umzubauen, dass wir den Krankenhäusern heutzutage auch dabei helfen. Und bis dahin klingt dein Leben so, als gäbe es so eine Gleichung. Wenn du nur genug harte Arbeit investierst, dann wird sich das auszahlen.
[53:53] Du hast gerade das Wort Pandemie genannt. Das war dann aber tatsächlich an genau dem Punkt nicht der Fall, weil du ausnahmsweise echt schlechtes Timing hattest, muss man ja vielerweise sagen. Und zum Glück aus heutiger Sicht alles gut gegangen ist, zumindest hinten raus, als die Pandemie kam, warst du hochschwanger oder als die Pandemie sich ankündigte, warst du hochschwanger, was per se schon ein gesundheitliches Risiko war und vielleicht erzählst du selbst, wie das für dich war, der Februar und der März 2020. Ja, ich glaube, also ich bin ein Mensch, der wirklich fest daran glaubt, dass man aus allem etwas lernen kann und dass auch schlechte Erfahrungen sozusagen charakterbildend sind und wirklich sehr, sehr wertvolle Erfahrungen sind. Diese Erfahrung in der Pandemie, das ist eine der wenigen, wenn nicht die einzige Erfahrung, wo ich mir denke, auch rückblickend gesehen, auf diese Erfahrung hätte ich echt gern in meinem Leben verzichtet. Also das war wirklich einer der schwierigsten Momente in meinem Leben, glaube ich. Wie du schon sagtest, ich war sozusagen Ende 2019, Anfang 2020 hochschwanger, haben uns wirklich hohe Ziele für 2020 auch gesetzt, habe die Company so aufgestellt, eingestellt. Wir haben da auch schon überlegt, eine USA-Expansion zu machen. Ich bin hochschwanger, hin und zurück geflogen zwischen New York und Berlin.
[55:21] Und dann kam der 16. März oder auch die Woche davor, wo sich einfach so abzeichnet, okay, die ganze Welt geht jetzt in den Lockdown. Und Lockdown hat einfach auch für uns bedeutet, es darf keiner mehr reisen. Und wir waren im internationalen Gesundheitsbusiness, also im Medizintourismus einen großen Teil. Und der zweite Punkt war auch, dass die ganzen Krankenhäuser sozusagen die Anordnungen von ihren Regierungen bekommen haben, dass sie nicht dringende, nicht lebensnotwendige Operationen alle einfach absagen und Kapazitäten frei halten. Das heißt, unsere Industrie und unser Geschäft wurde einfach an zweierlei Hinsicht, an zwei Dimensionen beschnitten.
[56:02] Das ist das eine. Und das andere war, dass ich genau in dieser Woche, wo das alles passiert ist, meine Tochter bekommen habe. Und zwar per Notkaiserschnitt. Und das war eben auch nicht so geplant, sondern eigentlich war geplant, dass ich meine Tochter ein, zwei Wochen später bekomme. Aber das war einfach so dieser Tag und diese Woche, wo alles zusammengekommen ist, wo ich meine Tochter bekommen habe, was eigentlich eine total schöne und magische Zeit sein sollte, wie man immer sagt, war es dann zum großen Teil nicht, wo ich meine Company wirklich auch retten musste, zusammen mit meinem Team zusammen. Wo ich Investorenanfragen beantworten musste, weil die alle dachten, wir gehen jetzt hops und ihr ganzes Geld ist weg. Und ich auch Antworten haben musste für alle, die ich einfach nicht hatte. Wir haben zum Beispiel unser Team zum großen Teil auf Kurzarbeit gesetzt, weil wir einfach ganz schnell von den Kosten runter müssten, weil unser Umsatz weggebrochen ist. Und die Alternative wäre, die Leute zu entlassen und das wollte ich nicht. Und dann waren zum Beispiel so Fragen wie, wie lange sind wir denn jetzt auf Kurzarbeit? Und ich konnte es nicht sagen. Und das war richtig, richtig dramatisch, weil einerseits ich wirklich gesundheitlich irgendwie auf mich gucken musste, weil so ein Kaiserschnitt ist ja auch nicht lustig, da wird man ja aufgeschnitten. Und man sollte eigentlich die ganze Zeit liegen und ich saß die ganze Zeit am Laptop.
[57:26] Ich hatte ein kleines Baby, ich war hormonell komplett durch, durch den Wind. Und gleichzeitig musste ich halt trotzdem irgendwie funktionieren. und.
[57:37] Zum Glück rückblickend ist alles gut gelaufen und wir haben es überstanden und wir stehen heute solider und stärker als Company da, als wir jemals waren.
[57:47] Aber ich kann dir auch ganz ehrlich sagen, ich will das gar nicht verherrlichen und ich sage auch ganz ehrlich, ich hätte es wirklich so nicht gebraucht. Warst du dir damals sicher, es zu schaffen, also beides zu schaffen? Also hattest du Hoffnung, Optimismus oder Oder war das einfach, dass du funktioniert hast? Ja, also ich glaube, in der Situation stellt man sich diese Frage nicht. Das ist, ich glaube, da schaltet man, da kompartmentalisiert man einfach und denkt nicht darüber nach, was alles schief gehen kann oder wird, sondern man schaltet da einfach um und powert da durch. Zumindest ist es meine Art und Weise, dies zu tun. Und deswegen hat sich für mich die Frage nie gestellt. Für mich hat sich die Frage in dem Moment nie gestellt, werden wir es schaffen, werden wir es nicht schaffen. Sondern für mich hat sich die Frage immer nur gestellt, wie werden wir es schaffen und was müssen wir denn tun, um sozusagen den nächsten Schritt hinzubekommen. Und von daher, ja, ich glaube, das ist schon auch so ein bisschen diese, wie man es auch nennen möchte, diese Ignoranz oder diese Naivität oder was auch immer, die man als Gründer zum großen Teil teilweise schon auch mitbringen muss, weil man es, glaube ich, sonst nicht durchsteht. Und ich vergleiche das immer, das kennst du vielleicht auch, wenn man irgendwie Ausdauersport macht, also irgendwie läuft oder schwimmt oder was auch immer. Und in dem Moment, wo man den Gedanken hat, boah, das wird jetzt richtig anstrengend oder der Moment, wo man sagt, sollte ich nicht abbrechen.
[59:14] Oder zumindest wird es dann, also für mich wird es dann einfach doppelt so hart, dann nochmal durchzuhalten. Und ich glaube, da ist ganz viel so dieses mentale, diese mentale Stärke, die einem da hilft, sich da durchzutragen. Du hast vor ein paar Minuten gesagt, dass du irgendwann vielleicht doch Ärztin werden möchtest oder über die Politik gesprochen.
[59:41] Wenn wir jetzt in die Zukunft schauen und du bist ja nach wie vor ein sehr junger Mensch, gerade wenn man bedenkt, dass wir als Menschen immer älter werden. Was glaubst du, wie wirst du in 40 Jahren auf die Sophie der nächsten 20 Jahre zurückblicken? Boah, das ist eine große Frage.
[1:00:03] Ähm, ich hoffe mit ganz viel Wohlwollen und Anerkennung, dass, ähm, dass ich mir selbst treu geblieben bin und dass ich auch immer sozusagen das getan habe, was ich für richtig halte, sowohl fachlich, inhaltlich, aber auch, ähm, menschlich. Und ja, dass ich so ein bisschen auch mit Stolz zurückblicken kann und ohne viel Reue oder Bereuen.
[1:00:42] In deinem ganzen Leben ist der Leistungsgedanke ja schon relativ stark ausgeprägt und ich stelle mir so ein bisschen die Frage, was wäre, wenn du, ein Jahr lang oder Oder vielleicht irgendeine absurd hohe Summe, jeder beziffert das ja irgendwie für sich selbst, was das bedeuten wird, wenn du eine absurd hohe Summe auf deinem Konto liegen hättest, was du machen würdest, wenn du selbst nicht diesen Leistungsgedanken spüren würdest? Oder gibt es für dich da keine Korrelation, dass du sagst, Druck und Leistung. Also ist die Vision, die dich antreibt oder die Erfüllung, das meiste aus deinem Potenzial zu machen? Für mich geht das irgendwie so ein bisschen Hand in Hand, ehrlicherweise.
[1:01:36] Ich glaube, also einerseits bin ich ein total getriebener Mensch. Da kann man natürlich auch die Frage stellen, laufe ich nicht von was davon, aber ich glaube nicht. Zu tief habe ich in mich noch nicht reingeguckt, aber ich denke nicht, also zumindest fühle ich es so nicht.
[1:01:54] Ich will halt, Ich will meinen Beitrag dazu leisten, etwas zu bewegen ins Positive. Und damit meine ich jetzt irgendwie gar nicht so dieses, ich will die Welt besser machen oder ich will eine Legacy. Also weißt du, wenn ich sterbe, bin ich tot. Ich weiß, dass viele Männer anders denken und sagen, ich will irgendwie was hinterlassen. Ja, mir ist es total egal, ob ich was hinterlasse oder nicht. Und mir ist es total egal, ob mir irgendwer nachruft oder nicht, weil wenn ich tot bin, bin ich tot. Aber ich will während meiner Lebzeiten irgendwie was Sinnvolles machen. Also ich will schon, ich glaube, ich will was Sinnstiftendes machen. Und das ist natürlich total Interpretationssache, aber es muss für mich irgendwie sinnvoll sein. Und das ist das, was mich treibt. Deswegen sehe ich mich eigentlich nie, also ich werde auch oft gefragt, kannst du auch mal nichts machen oder mal eine Auszeit machen? Und das kann ich natürlich schon, aber irgendwann, glaube ich, muss ich wieder was Sinnvolles machen. Wenn ich irgendwie unlimitierte finanziellen Ressourcen hätte, dann würde ich nach wie vor das machen, was ich mache. Damit challenge ich mich schon sehr, sehr oft. Was ich anders machen würde, ist, ich würde versuchen, mein Geld in andere sinnvolle Sachen zu investieren und zu machen. Und damit meine ich gar nicht irgendwie wirtschaftlich investieren, sondern ich finde zum Beispiel, das andere Thema, das mich total beschäftigt, aber wozu ich einfach gar nicht komme, ist das Thema.
[1:03:19] Bildung. Oder auch so dieses Thema sozial schwache Menschen, sozial schwache Kinder und gar nicht nur auch in Deutschland, sondern auch international. Und das sind so Sachen, wo ich mir denke, man könnte mit gar nicht so viel, man braucht da nie gar nicht so viel, wirklich viel Impact erreichen. Und das sind so Themen, die ich, wenn ich das Geld hätte, gerne machen würde.
[1:03:43] Worauf bist du als Mutter stolz, wenn du heute deine Tochter anschaust? Oh, auf ganz vieles. Also meine Tochter wird ja bald vier, das heißt, die ist noch nicht mal ganz klein, aber die ist noch tendenziell klein. Ich bin total stolz darauf, dass die eine eigene Persönlichkeit hat und so eine kleine Person für sich ist, einen ganz, ganz starken eigenen Willen hat und den auch kommuniziert bekommt. Und gleichzeitig bin ich auch total stolz darauf, dass sie auch eine gewisse Art Vernunft an den Tag auch legt. Und von daher, ich glaube, jedes Elternteil sagt irgendwie, mein Kind hat einen total starken Willen. Und das ist auch total gut so. Ich finde aber auch, dass man diesen Willen gechannelt bekommen muss. Also ein total starker Willen in allem ist halt nicht gut. Also wenn dein Kind auf eine Herdplatte, eine heiße Herdplatte greifen möchte und es diesen Willen einfach durchgesetzt werden will, dann ist es teilweise, also das ist jetzt nur ein Beispiel, aber das ist vielleicht nicht gut. Und da bin ich total stolz drauf, dass ich finde, dass meine Tochter das wirklich
[1:04:46] gut hinkriegt, schon in so einem jungen Alter auch so ein bisschen in den Diskurs zu treten. Und auch so richtig und falsch oder soll ich machen, soll ich nicht machen, hinzubekommen und einfach ein total fröhlicher...
[1:05:00] Music.
[1:05:09] Ich begrüße jetzt meinen Kollegen Max von Puhle. Max und ich werden versuchen zu dekodieren, was Sophie Chung ausmacht und was sie letztlich, wenn wir uns ihre Biografie und ihre Lifeline anschauen, zu einer Architektin der Zukunft macht. Max, welche Treiber siehst du in Sophie, die sie letztlich erfolgreich machen? Hallo Sacha, erst mal freut mich sehr hier zu sein. Nein, ich sehe im Wesentlichen drei Treiber bei Sophie. Zum einen wäre das der Treiber Resilienz und Durchhaltevermögen. Dann so ein Stück weit würde ich das beschreiben als dieses Streben nach Exzellenz und die akademischer Ehrgeiz. Und der dritte Treiber wäre dann quasi der letzte Abschnitt oder der aktuelle Abschnitt von Sophie, nämlich das Thema Unternehmertum, Freiheit und Innovationsdrang.
[1:06:05] Du hast gerade von Resilienz gesprochen. Resilienz ist ja so ein Buzzword geworden, worunter sich einige vielleicht auch nicht so viel vorstellen können. Was meinst du im Kontext von Sophie mit Resilienz und Durchhaltevermögen? Wie kann man das oder woran machst du das fest? Ja, also vielleicht erstmal ganz generell. Resilienz meint ja die Fähigkeit, dass man es schafft, sich in schwierigen Situationen und von schwierigen Situationen zu erholen und irgendwie gestärkt daraus hervorzugehen. Und ich finde, wenn man sich die Lifeline von Sophie anschaut, dann gibt es so im Wesentlichen zwei ganz klare Punkte, an denen sich das sehr gut verdeutlichen lässt. Zum einen das Thema Bullying im Kindergarten, wo Sophie schon ziemlich früh leider lernen musste, wie man mit Themen wie Ausgrenzung und auch negativen Erfahrungen aufgrund von Herkunft umgehen muss. Und sich davon nicht unterkriegen zu lassen, ist zum einen das Thema Resilienz und zum anderen daraus gestärkt hervorzugehen. Und ich glaube, das ist ein Punkt, der sie auf das vorbereitet hat, was dann später auch im Unternehmertum immer wieder kommt, nämlich dass man mit Rückschlägen lernen muss, umzugehen. Und der zweite Punkt, der mit Sicherheit ein sehr einschneidendes Erlebnis war, war das Thema der einen Seite die Pandemie, die uns alle hier in Deutschland sehr beschäftigt und auch geprägt hat. Und dann während dieser Zeit nicht nur ein Unternehmen zu führen, sondern dann auch noch Mutter zu werden.
[1:07:31] Kann ich mir nur annähernd vorstellen, wie schwierig das war, weil wir nicht nur die globale Krise hatten und so viel ein Geschäft hatte, was in Zeiten dieser globalen Krise sehr darunter zu leiden hatte, weil es Reisebeschränkungen gab, das, was Cuno Medical zu der Zeit gemacht hat, nicht funktioniert hat. Und darunter hat sie extrem gelitten und dann hat sie auch noch ihre Tochter bekommen. Und das waren so zwei Momente, wo sie, ich glaube, im Gespräch selbst sagt, sie musste unter physischen und psychischen Schmerzen letztlich harte Entscheidungen treffen. Und auch das hat sie geschafft und ist daraus gestärkt hervorgegangen. Und der letzte Punkt ist wahrscheinlich so ein bisschen das Thema, was sich durch ihr ganzes Leben zieht. Der ganze berufliche Erfolg, ob es jetzt zum Beispiel die Zulassung in Yale war, Abschluss des Medizinstudiums, sie war bei McKinsey, das alles sind Momente, die ohne Resilienz, wage ich zu behaupten, auch nicht funktionieren, weil es sehr, sehr anflussvolle Umgebungen sind, in denen man dort arbeitet.
[1:08:27] Wahrscheinlich ist das auch in weniger extremen Biografien zu finden, weil Niederschläge ja auch zum Leben dazugehören. Als zweiten Treiber hast du genannt, akademischer Ehrgeiz und Streb nach Exzellenz. Vielleicht kannst du auch das einmal ähnlich erläutern, wie du es gerade getan hast. Ja, Sophie hat ja so ein bisschen lustig im Podcast gesagt, dass sie das erste Mal mit elf Jahren ein Streberkind genannt wurde. Und ich glaube, das verdeutlicht, dass Sophie jemand ist, der nicht nur sehr, sehr gerne lernt, sondern Sophie auch liebt, die Beste idealerweise zu sein. Und dann mit 17 Jahren in Yale zugelassen zu werden, ist mit Sicherheit auch nicht das Normalste von der Welt. Und das verdeutlicht auch so ein bisschen ihren Anspruch, ihren Ansporn, auch den Ehrgeiz, den sie hat. Und dann, ich selbst bin mit meiner Frau zusammen, die Medizin studiert hat und deswegen weiß ich, wie anspruchsvoll dieses Medizinstudium sein kann. Nicht nur aufgrund der Quantität, sondern auch aufgrund des Intellekts. Und auch da ist Sophie, glaube ich, mit 23 oder 24 schon durch gewesen. Also es war so die klassische Bilderbuch-Ausbildung, wie man sie sich vorstellt mit Yale, Medizinstudium und Bestnoten. Insofern, glaube ich, lässt sich da sehr gut erkennen, dass Ehrgeiz und das Streben nach Exzellenz etwas ist, was Sophie bis heute prägen.
[1:09:52] Ein bisschen konträr dazu steht meines Erachtens der dritte Treiber, nämlich Unternehmertum und Innovationsdrang. Und konträr meine ich dahingehend, dass ja eine akademische Karriere vor allem auch immer in Leitplanken funktionieren muss, weil es ja bestimmte Curricula gibt, die einen letztlich auch durch das Studium lotsen.
[1:10:14] Das Thema Unternehmertum ist ja dann wiederum eine Suche nach Lösungen in einem Feld, das noch gar nicht bestellt ist, zumindest wenn es um Innovationen geht. Und das ist ja dann letztlich eben auch das, was Sophie angestrebt hat. Vielleicht kannst du diesen Treiber auch nochmal erläutern. Ja, ich glaube, das lässt sich ziemlich gut veranschaulichen, wenn man sich nochmal so ein bisschen dahin hineinversetzt. Sophie hatte dann dieses Medizinstudium fertig, war Ärztin und hat dann ja irgendwann festgestellt, irgendwie ist das, was ich eigentlich vorhabe, nämlich Menschen maximal zu helfen.
[1:10:50] Irgendwie fühlt sich das hier noch nicht gut genug an. Dass hier der Wirkungskreis noch nicht groß genug ist und dann die Entscheidung zu treffen und zu sagen, hey, ich gehe aus diesem Arztberuf raus, wo ich nebenbei einfach mal sechs bis sieben Jahre Studium und Zeit reingesteckt habe, das ist erstmal eine Entscheidung, die sehr viel Mut auch verlangt und Mut ist etwas, was man für Unternehmertum braucht und dann im ersten Schritt zu McKinsey zu gehen, sich dort in letztlich der Unternehmensberatung mit gesundheitlichen Themen zu befassen, Dann war sie in den USA.
[1:11:22] Hat bei einem Startup gearbeitet, was in dem Medizinumfeld tätig gewesen ist. Und das war letztlich nur die Vorstufe dann zu der Gründung mit 33 von Qno, wo sie letztlich versucht hat, das, was sie als Ärztin immer zum Zielbild sich gesetzt hatte, nämlich das Gesundheitssystem zu verbessern, dann nochmal auf einer viel holistischeren Ebene anzugehen. Nämlich nicht als einzelne Person, sondern mit einem eigenen Unternehmen, was idealerweise einen viel, viel größeren Impact auf die Gesundheitsbranche hat, als man es als einzelne Arzt, als einzelne Ärztin haben kann. Wir halten also fest, Sophie Chung, die mit QnoMedical ein Unternehmen aufgebaut hat und führt, das letztlich dafür antritt, Menschen einen besseren Zugang zu gesundheitlicher Versorgung zu liefern, wird getrieben durch Resilienz sowie Durchhaltevermögen, ihrem akademischen
[1:12:14] Ehrgeiz und dem Streb nach Exzellenz sowie einem großen Drang nach Innovation und Unternehmertum. Max, vielen Dank und natürlich auch.
[1:12:24] Music.
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