Vom Mechaniker zum Mundpflege-Pionier: Axel Kaiser von Denttabs (#6)

Shownotes

Herzlich willkommen zu „Lifeline“ – dem Podcast, der die inspirierenden Lebensgeschichten außergewöhnlicher Persönlichkeiten beleuchtet. In dieser Episode spricht Host Sachar Klein mit Axel Kaiser, dem Gründer von Denttabs und Pionier im Bereich nachhaltiger Zahnpflegeprodukte.

Axel findet: Auch Dinge, die als selbstverständlich angesehen werden, sollten wir in Frage stellen. Er erzählt von Schlüsselmomenten in seiner Schulzeit, den Herausforderungen seiner Lehrzeit als Kfz-Mechaniker und seiner Faszination fürs Programmieren, die er während seines Zivildienstes entdeckte.

Ein Wendepunkt in Axels Leben war der Eintritt in das Zahntechniklabor seines Bruders in Singapur, was zur Entwicklung der innovativen Zahnputztabletten Denttabs führte. Axel berichtet von seiner Mission, herkömmliche Zahnpasta zu ersetzen und wie seine Motivatoren Gerechtigkeit, Unabhängigkeit und Neugier seine Arbeit prägen. Ein inspirierendes Gespräch über persönliche Entwicklung und nachhaltige Innovation.

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Transkript anzeigen

00:00:00: Das ist heute noch so. Wenn irgendwas nicht bei rumkommt, wenn ich kein Learning

00:00:06: habe, dann, oh Gott, warum mache ich das dann?

00:00:11: Und das war in der Schule genauso. Und dann wirst du irgendwann auch ein schlechter

00:00:14: Schüler. Es gab wenige Fächer, die nicht geglänzt haben.

00:00:17: Englische Musik, Sport ging auch immer noch so. Alles andere war einfach nicht

00:00:22: interessant. Das lag nicht an den Themen, sondern an der Vermittlung.

00:00:24: Music.

00:00:35: Herzlich willkommen zu einer neuen Episode von Lifeline, dem Podcast,

00:00:39: in dem wir gemeinsam erfahren, was die ArchitektInnen der Zukunft antreibt und besonders macht.

00:00:46: Mein Name ist Sacha Klein. Ich bin Gründer und Geschäftsführer der Kommunikationsberatung

00:00:51: Hyper und Host dieses Podcasts. Mein heutiger Gast ist Axel Kaiser.

00:00:57: Er betreibt Dentabs, ein Unternehmen, mit dem er versucht, Menschen die richtige

00:01:02: Zahnpflege beizubringen.

00:01:04: Denn Axel ist überzeugt davon, dass wir Dinge, die wir als gesetzt und gegeben

00:01:08: wahrnehmen, immer wieder hinterfragen sollten, weil das vermeintlich Richtige falsch sein könnte.

00:01:15: Axel ist jemand, der sich sehr schwer in Schubladen stecken lässt.

00:01:19: Das werdet ihr schnell merken.

00:01:21: Daher macht euch bereit auf ein längeres.

00:01:24: Music.

00:01:49: Es muss wahrscheinlich sogar das sagenumwobene Jahr 1968 gewesen sein,

00:01:55: als du in die Schule gehen durftest. Ist dem so?

00:02:00: 1969. 1969? Ja. Kannst du dich daran erinnern? Gab es damals Schultüten oder wie?

00:02:06: Es gibt sogar ein Foto davon. Wie lief dieser Tag ab?

00:02:11: Das weiß ich nicht mehr so genau. Aber ich weiß auf jeden Fall,

00:02:14: dass ich ein Jahr zu spät war.

00:02:16: Ich bin ja ein Oktoberkind. Ah. Und meine Eltern meinten, der ist noch so,

00:02:21: gib dem mal noch ein Jahr.

00:02:24: Wärst du lieber früher eingeschult worden? Es wäre im Nachhinein taktisch wahrscheinlich

00:02:29: schlauer gewesen. Warum? Ich war immer der Älteste.

00:02:34: Vielleicht warst du auch derjenige, der am weitesten in seiner Entwicklung war.

00:02:38: Ja, aber das passt ja nicht zu den anderen. Und in dem Alter macht ein Jahr

00:02:42: echt einen krassen Unterschied. erschien.

00:02:47: Und wozu hat das geführt? Hast du dich gelangweilt oder hattest du besonderen

00:02:51: Druck, weil du der Älteste warst?

00:02:53: Gelangweilt hat es mich tatsächlich, also meine ganze Schulzeit hat mich im

00:02:56: Grunde genommen unfassbar gelangweilt.

00:02:58: Und dazu muss man wissen, die ersten zwei Jahre habe ich in dem schönen Travemünde

00:03:03: in der Ostsee verbracht, in einer echten Volksschule.

00:03:06: Und danach sind wir umgezogen von Travemünde nach Lübeck und da wurde ich dann

00:03:10: umgeschult in eine neue Schule.

00:03:12: Und da war ich dann nicht Nicht nur der Neue, sondern auch der Älteste und auch

00:03:15: der Kräftigste, was in dem ersten Punkt auf der Lifeline eine Rolle spielt.

00:03:22: Und ich war immer, ich will nicht sagen, dass ich ausgegrenzt war, das nicht.

00:03:27: Also ich kam schon klar mit den Leuten, aber ich war halt immer irgendwie auch

00:03:32: schon einfach mal ein Jahr älter als die. Wurdest du geärgert?

00:03:37: Ob ich geärgert wurde? Ja. Das trauten sich aber sehr schnell die meisten nicht mehr.

00:03:43: Also es war tatsächlich so. Ich meine, wir reden von 1971 oder so was.

00:03:49: Und dann nach der Umfühlung, da war das noch nicht unüblich,

00:03:53: dass man sich einmal durch so eine neue Klasse durchfühlen musste.

00:03:56: Und jeder, der meinte, ich brauche so eine Gassanstalt, der musste dann verstehen,

00:04:01: dass ich zwei ältere Brüder habe.

00:04:03: Von Geburt an, man nannte mich auch das Bullerchen, Ich war immer relativ kräftig

00:04:07: und dann kommst du zu jemandem einfach nicht blöde.

00:04:12: Was hat dann mitunter schmerzhafte Konsequenzen gehabt.

00:04:16: Hast du die körperliche Auseinandersetzung von deinen Brüdern gelernt oder im

00:04:22: Leben mit zwei älteren Brüdern gelernt, lernen müssen?

00:04:26: Also nicht, dass die mich immer verprügelt hätten, aber ich war früh schon sehr...

00:04:34: Ich wusste meine Meinung klar und deutlich auszudrücken. Also wenn mir was nicht

00:04:39: gefallen hat, das hatte schon Ausbrüche.

00:04:42: Also ich neigte zu einem gewissen Jeh-Zorn.

00:04:44: Also wenn es Kartoffeln gab und ich wollte keine Kartoffeln essen,

00:04:46: dann fragt man die Türrahmen, wie sehr die leiden mussten, weil ich dann rausgegangen

00:04:50: bin und die Tür zugeknallt habe.

00:04:52: Und das hat halt richtig so ein bisschen Putz aus der Decke geholt.

00:04:56: Also ich bin jetzt nicht rumgerannt und habe Leute verprügelt,

00:04:58: das nicht. Aber ich war sehr leicht reizbar.

00:05:03: Und das äußerte sich dann durchaus in irgendwas kaputt machen.

00:05:09: Und wenn es der Türrahmen ist. Hat sich das jemals geändert?

00:05:12: Ja. Wann? Dritte Klasse.

00:05:16: Der erste Punkt auf deiner Lifeline, den du mir vorgegeben hast,

00:05:18: ist die dritte Klasse. Frau T.

00:05:21: Frau Tiborski. Unsere damalige Klassendeherin, ja. Hat dir einen Tadel gegeben? Ja. Warum?

00:05:30: Ich war ja kräftig. Und mir hat sich keiner im Weg gesteckt.

00:05:34: Also das war ja eine körperliche Auseinandersetzung. Mir macht das einfach gar keinen Sinn.

00:05:38: Das wussten dann in der Klasse auch alle. Und einer aus der Klasse wurde von

00:05:41: einem, es war eine echte Volksschule. Das heißt, das war bis neunte Klasse.

00:05:46: Und einer aus meiner Klasse wurde von einem, der da drüber war,

00:05:50: der älter war, angegangen und verprügelt.

00:05:52: Durch den Schulhof. Das war jetzt nicht so wahnsinnig ungewöhnlich.

00:05:56: Aber ich fand das nicht gerecht, weil das war einfach nur, der Ältere wollte

00:06:00: dem Jüngeren einfach mal ein paar verballern.

00:06:03: Dann bin ich dazwischen gegangen und ich habe dann den Älteren verprügelt.

00:06:07: Also was heißt verprügelt? In dem Alter schubst du dich rum und setzt dich auf

00:06:11: ihn drauf und sagst so, Schluss jetzt.

00:06:13: Und das hat super geklappt und dafür wurde ich aber getadelt.

00:06:17: Nicht der wurde getadelt, weil er als Älterer, sondern ich, weil ich oben saß.

00:06:23: Und das fand ich so unfassbar ungerecht.

00:06:27: Und meine Dickköpfigkeit ist ja relativ bekant, also Starrsinn und so.

00:06:33: Und da habe ich beschlossen, ich werde mich nie wieder prügeln.

00:06:38: Und das habe ich seitdem durchgehalten. So ein Tadel muss man ja dazu sagen,

00:06:42: für diejenigen, die das vielleicht nicht kennen, dich und mich ein,

00:06:45: dass wir beide im Laufe unserer Schulzeit eins bekommen haben.

00:06:50: Meins, glaube ich, weil ich vor lauter Wut eine Scheibe in der Schule eingeschmissen

00:06:54: habe. Ich würde behaupten, dass.

00:06:58: Das war aus Versehen, aber ich habe lange schon nicht mehr darüber nachgedacht.

00:07:04: So ein Tadel macht ja eigentlich nichts.

00:07:06: Also Eltern werden informiert, drücken ihre Enttäuschung und Bestürzung aus

00:07:11: und aber man fliegt nicht von der Schule, man muss nicht irgendwie eine Woche

00:07:15: lang zu Hause sitzen oder ähnlichem nachgehen, kein Sozialdienst oder ähnliches.

00:07:19: Es ist einfach nur die Ungerechtigkeit der Welt, die man auf seinen Schultern

00:07:23: drang. Das ist sowas wie die erste Gelbe Karte beim Fußball.

00:07:26: Ja, genau. Fristel 2 ist immer noch doof, irgendwann gibt es die rote Karte,

00:07:30: dann müssen die Eltern in der Schule erscheinen, das ist doof.

00:07:32: Aber darum ging es gar nicht. Es ging nicht um den Tadel an sich,

00:07:35: sondern es ging darum, dass ich dafür bestraft wurde, dass ich einem meiner

00:07:39: Klassenkameraden geholfen habe.

00:07:42: Und dass ich dann für schuldig erklärt wurde, obgleich der andere Typ das Arschloch war.

00:07:46: Der hat den anderen ja verprügelt. Ich wäre nur dazwischen gegangen und wollte

00:07:50: dem helfen, habe ich dann ja auch.

00:07:52: Und für diese in meinem Verständnis richtige Haltung und Einstellung und mich

00:07:56: ja letztlich auch in das Risiko bringen, dass ich dann einen abkriege,

00:08:00: das Risiko sah ich damals nicht.

00:08:03: Dafür wurde ich bestraft. Und das fand ich so unfassbar ungerecht,

00:08:07: dass ich gesagt habe, okay, dann prüge ich mich nicht mehr. Punkt.

00:08:09: Du hast es jetzt auf deine Lifeline geschrieben und ich bin mir sicher,

00:08:12: dass du in deinem Leben viele Dinge gesehen hast, die du als ungerecht empfunden hast.

00:08:16: Hast, was unterscheidet diesen einen Tag, dieses eine Ereignis von all den anderen,

00:08:23: dass es dir tatsächlich einen Eintrag auf deine Lifeline wert war? Das erste Mal.

00:08:29: Und das ist ein Zeichen für, also letztlich für mein Startsinn ist.

00:08:34: Also ich kann Sachen beschließen und die werden dann auch ein Leben lang durchgehalten.

00:08:40: Wovon hängen die Dinge ab, ob du sie beschließt oder nicht?

00:08:45: Ganz persönlich, ganz individuell. Also die Frage ist, wie stehe ich zu dem, was passiert ist.

00:08:52: Also ich habe einen ähnlichen Fall. Mein allerbester Freund hat mir meine Freundin ausgespannt.

00:09:00: Das war wirklich hastig. Wie alt warst du dann?

00:09:04: 18, 19. Schon alt, in dem sowas mehr als nur die Beziehungen kaputt machen kann. Nimmst du schon ernst?

00:09:13: Seitdem haben wir nie wieder gesprochen. Das glaube ich. Auch da,

00:09:17: es ging streng genommen gar nicht so sehr um die Freundin. Das war gar nicht der Punkt.

00:09:22: Aber dass er das gemacht hat und sich dann vor mich stellt und sagt,

00:09:25: hey, ich muss dir mal was erzählen. Oder die beiden, wir müssen dir was gestehen.

00:09:29: Das kann ich euch ernst sagen. Haben sie zumindest geheiratet?

00:09:33: Nein, nein, das hat nicht mal lange gehalten. Aber das war alles nicht interessant.

00:09:37: Es war ein Sportgeist und er hat... in seinem Sportgeist den Erfolg,

00:09:44: sie zu erobern, über unsere Freundschaft gestellt. Ich habe mein ganzes Leben

00:09:47: mit dem verbracht, bis dahin.

00:09:49: Und dann, sowas wie Verrat, Betrug, sowas, darauf reagiere ich extrem allergisch.

00:09:56: Das sind so Sachen, dann geht das plötzlich ganz schnell.

00:10:00: Also sowas kann ich überhaupt nicht. Du darfst mich anlügen und mir dann erzählen,

00:10:04: dass du das gemacht hast. Aber du darfst mir nicht in den Rücken fallen.

00:10:09: Du darfst mich nicht hängen lassen. Du darfst mir nicht erzählen,

00:10:12: nee, alles ist schön und im Grunde genommen ist alles doof.

00:10:15: Sowas vertrage ich nicht. Seit diesem Tag, an dem er dir das erzählt hat,

00:10:18: sind ja nun einige Tage vergangen.

00:10:20: Ich weiß, das ist jetzt eine sehr hypothetische Frage, aber wenn er heute vor

00:10:23: deiner Tür stünde und sagen würde, Axel, das war damals eine richtig blöde Geschichte,

00:10:28: es tut mir furchtbar leid, würdest du ihn wieder in dein Leben lassen?

00:10:32: Ein alkoholfreies Bier aus dem Kühlschrank holen und sagen, hey, alles gut.

00:10:37: Es ist lange her. Ja, es hat mich sehr, sehr lange begleitet.

00:10:41: So bis Anfang 30, Ende 20, Anfang 30, sowas um den Dreh. Und es war ein echtes Hassbild.

00:10:49: Bis ich irgendwann mal verstanden habe, dann war das eben so.

00:10:53: Es hat keinen wirklich bedeutenden Wert. Also ich habe nicht wirklich etwas verloren.

00:10:59: Und ihm wird das wahrscheinlich auch im Nachgang hochdruckpeinlich gewesen sein.

00:11:03: Ich glaube nicht, dass er so unsensibel war zu verstehen, dass das wirklich

00:11:06: eine blöde Idee war. er hat sich dann aber auch nie wieder gemeldet aus welchem

00:11:11: Grund auch immer aber nein, heute ist.

00:11:15: Vergeben ja, vergessen natürlich nie,

00:11:19: Das wäre es nicht auf der Lifeline. Ich meine, das ist ja schon alles ordentlichen

00:11:23: Packen Jahre her. Das ist übrigens ganz süß, wenn man schon so über 60 ist.

00:11:26: Ja, das war vor 40 Jahren. Da denkst du so, okay, die Leute,

00:11:29: mit denen wir sprechen, die sind noch bei weitem nicht 40.

00:11:32: Ich leider schon. Oder was ist leider? Zum Glück. Es gibt genug Menschen,

00:11:37: die das auch nicht erleben.

00:11:38: Deswegen sollte man sich bei jedem Tag freuen, den man hat.

00:11:42: Du hattest von einigen Tagen sogar doppelt. Nämlich die Tage in der 10. Klasse.

00:11:47: Ja, genau. Ich war interessiert. Und ich war ein grundsätzlich,

00:11:52: irgendwer hat mir neulich erzählt, ja, du bist bestimmt, wie sagt man,

00:11:56: überintelligent oder so.

00:11:58: Oder gar zu schlau. Und solche Leute langweilen sich in der Schule.

00:12:03: Und ich habe mich maßlos gelangweilt.

00:12:05: Ich fand Schule sowas von, boah, da kommt nichts bei rum.

00:12:11: Das ist heute noch so. Wenn irgendwas nicht bei rumkommt, also ich kein Learning

00:12:17: habe, dann habe ich gedacht, warum mache ich das dann?

00:12:22: Und das war in der Schule genauso. Und dann wirst du irgendwann auch ein schlechter

00:12:25: Schüler. Es gab wenige Fächer, die nicht geglänzt haben.

00:12:28: Englische Musik, Sport ging auch immer noch so. Alles andere war einfach nicht

00:12:32: interessant. Das lag nicht an den Themen, sondern es lag an der Vermittlung.

00:12:36: Welche Vermittlung? Was die Lehrer gemacht haben, wie der Unterricht war.

00:12:40: Ich hatte in der Oberstufe ein Semester Mathe bei einem echten Aushilfslehrer.

00:12:46: Witzigerweise kannte ich den noch aus meiner Chorzeit. Ich habe in der Kantorei

00:12:51: in Lübeck mitgesungen. Das war toll.

00:12:55: Und ich wäre auch fast mal Opernsinger geworden, aber ich habe leider verschlafen.

00:12:59: Und der hat Mathe so geil gemacht, dass ich elf Punkte hatte.

00:13:05: Davor, danach nie über vier Punkte.

00:13:09: Also fünf. Also eigentlich gar nicht. Aber der konnte aus Mathe ein Abenteuer

00:13:14: gemacht. Der hat Faxen gemacht damit.

00:13:17: Und das war toll. Und da war Mathe auch plötzlich ganz einfach.

00:13:21: Ich hatte einen Lehrer, der hat Chemie so toll unterrichtet,

00:13:25: dass selbst ich mich für den Chemieleistungskurs angemeldet hatte.

00:13:29: Ich habe auch die erste Stunde, die Einführungsstunde, die erste Stunde in dem

00:13:32: Kurs mitgemacht und mich direkt

00:13:33: umgemeldet zur Geschichte, weil das hat überhaupt gar keinen Sinn gehabt.

00:13:35: Weil die Leute, die da saßen, also die anderen Schüler.

00:13:41: Wussten sofort, wovon ich spreche. Ich habe nicht mal verstanden, was die vorhaben.

00:13:44: Also ich habe nicht ein Wort verstanden. Ich wusste überhaupt nicht,

00:13:47: wovon die reden. Das waren alles so Chemiendörse. Das klingt nach meinem Leben.

00:13:50: Das kannst du nur absaufen. Das hat überhaupt null Chance.

00:13:55: Keine Ahnung, aber ich habe mich sofort zur Geschichte gewechselt,

00:13:57: was nicht so viel besser war, aber da konnte ich mich wenigstens irgendwie rausquatschen.

00:14:01: Was haben deine Eltern dazu gesagt, dass du, naja, sagen wir mal...

00:14:06: Mit meinen Eltern war das zu der Zeit ein bisschen problematisch.

00:14:10: Also dafür konnten die aber nichts.

00:14:11: Meine Mutter, als ich so 12, 13 war, hatte ein schweres Aneurysma im Gehirn.

00:14:16: Das heißt, die war eine ganze Weile außer Gefecht gesetzt, hat sich aber am

00:14:19: Ende doch wieder leidlich berappelt, um dann am Ende...

00:14:23: Das war eine große, eine schwierige Zeit.

00:14:27: Und mein Vater hatte ein Restaurant mit Stern und allen.

00:14:31: Der war also so gut wie nie da, hat sich gemüht. Der hatte aber auch vier Kinder,

00:14:34: einen Haufen Schulden und ein Leben, das kein Mensch braucht.

00:14:37: Was mir damals nicht klar war.

00:14:40: Der hatte einfach Pech gehabt. Und so bin ich da mehr oder weniger freihändig durch.

00:14:45: Ich hatte keine große elterliche Aufsicht.

00:14:48: Und bei vier Geschwistern kommst du sowieso mal ganz gut durch.

00:14:51: Vor allem, wenn du zwei ältere Geschwister hast.

00:14:54: Die haben dann den ganzen Ärger abbekommen, so die ersten Kinder.

00:14:57: Und bei mir hat sich da eigentlich schon gar keiner mehr so richtig drum gekümmert.

00:15:00: Und da ich sonst nicht auffällig war, also ich bin wenig von der Polizei aufgesammelt

00:15:04: worden, ich habe wenig richtigen Ärger nach Hause gebracht.

00:15:07: Wenn du wenig sagst, dann heißt das, du bist von der Polizei aufgesammelt worden.

00:15:11: Ja, ja, ich habe mal mit einem Katapult Steine auf Autos geschossen,

00:15:15: weil ich so frustriert war, weil ich meinen Trompetenunterricht abgebrochen

00:15:20: hatte, weil wir da einfach mit der falschen Trompete die falsche Musik gemacht haben.

00:15:24: Und das laut der Gelangweiligkeit. und in den Auto gefahren,

00:15:27: hat angefangen, mich eingesammelt und zu 500 Metern fährt ein Polizeifahrer

00:15:31: gebracht. Da wusste mein Vater mich abbauen.

00:15:34: Hat dir jemand mal gesagt, dir fehlt so ein bisschen Gelassenheit im Leben?

00:15:38: Das war ehrlicherweise so ein bisschen ein Problem, weshalb ich dazu neige,

00:15:44: also den Gedanken immer bei mir habe, Leuten zu helfen, einfach mit Erfahrung,

00:15:49: also die Geschichten eben auch zu erzählen, dass mir das genauso ergangen ist.

00:15:52: Wenn Leute so in diese Richtung, wie würden sie sagen, abgriffen, aber WM,

00:15:56: möglicherweise Probleme haben. Nein, hatte ich nicht.

00:16:00: Es hat mir niemand gesagt. Es hat sich auch sonst niemand so wahnsinnig für

00:16:03: mich interessiert. Also ich bin, wie soll man das sagen, unbegleitet alt geworden.

00:16:08: Es war einfach keiner da. Also mir fehlte sowas wie der Mentor.

00:16:11: Mir fehlte das wie der Großvater, der Onkel, der Vater sowieso.

00:16:18: Irgendwer, der immer versucht hat, mir mal zu erklären, wie funktioniert das

00:16:22: mit dem Leben überhaupt.

00:16:23: Du musst halt alles selber rauskriegen. Das lehrt sehr, aber dabei gehen natürlich

00:16:28: potenziell auch Sachen schief.

00:16:31: Du hast gerade von deinem Vater erzählt, dass er ein Restaurant betrieben hat und nicht da war.

00:16:37: Das war, glaube ich, das Wort, das du verwendet hast.

00:16:40: Genau. Nachts wird gearbeitet, tagsüber muss er sich ausbauen oder den Laden vorbehalten.

00:16:44: Kein Vorwurf, ist einfach ein Schatzjob.

00:16:47: War das Thema Restaurant bei euch zu Hause, war es ein Thema?

00:16:50: Na klar. Musstet ihr Kinder auch mal mithelfen?

00:16:55: Mussten nicht, wir durften, wir konnten. Wir haben ein bisschen Taschengeld

00:16:58: dazu verdient mit Bonkontrolle oder für irgendwelche Aussendungen was einpacken

00:17:04: oder so, aber direkt im Restaurantbetrieb nicht.

00:17:07: Da hätten wir jetzt auch nicht so reingepasst.

00:17:10: Das war ein Sternrestaurant. Ja, ja, das verstehe ich. Da musst du dich schon

00:17:14: ordentlich benehmen können.

00:17:15: Mein ältester Bruder, der hat lange Jahre in der Dresden gearbeitet.

00:17:20: Was hat dir die 10. Klasse, also Also das Sitzenbleiben oder das nochmal Absolvieren der 10. Klasse.

00:17:28: Hat dich das in irgendeiner Weise irgendetwas gelehrt? Irgendeine Form der Angepasstheit?

00:17:34: Also ich war in der 9. Klasse schon gefährdet. Musste auch eine Nachprüfung

00:17:40: machen. Also den ganzen Sommer fern durchlernen und dann eine Prüfung machen.

00:17:44: Und am Ende der 10. Klasse bin ich sitzen geblieben, weil zwei damals relativ

00:17:49: junge Lehrer meinten, das wäre besser für mich.

00:17:53: Und habe mich dann mit drei Nebenfächern durchfahren lassen.

00:17:57: Und ich mochte die. Alle beide. Und es war wieder so eine Situation,

00:18:02: da sind die mir echt ins Kreuz gesprungen.

00:18:05: Haben mir auch nichts erklärt. Oder irgendwas daraus gemacht.

00:18:09: Also irgendwie, nee, einfach nur sitzen lassen. Punkt.

00:18:12: Und das fand ich schon wirklich krass. Das war eine ziemliche Enttäuschung.

00:18:17: Und was noch viel krasser war, alle die, mit denen ich bis dahin ja meine meine

00:18:22: Schulzeit verbracht hatte, waren weg. Waren weg.

00:18:25: Obgleich wir auf der gleichen Schule

00:18:26: waren. Aber die waren halt ein Jahr weiter, ich war ein Jahr zurück.

00:18:29: Die durften als dann ja Oberstufenschüler das Gelände verlassen und ich musste

00:18:34: dann mit diesen Kindern, diesen Jüngeren, die dann ja schon zwei Jahre jünger

00:18:39: waren, da irgendwie dieses Schuljahr durchbringen.

00:18:43: Und ja, das war das eigentliche Learning daraus.

00:18:49: Guck mal, wem du dich umgibst, weil weil da gibt es kein Selbstverständnis.

00:18:55: Und plötzlich sind sie alle weg.

00:18:58: Hattest du damals darüber nachgedacht, die Schule einfach sein zu lassen?

00:19:04: Geht so. Nee, eigentlich nicht. Also für mich war schon klar,

00:19:08: ich mache da weiter, aber ich hatte auch gar keine Alternative.

00:19:12: Also mir wäre nichts Besseres eingefallen.

00:19:15: Und sowas wie eine Lehre zu machen oder keine Ahnung, sowas kam mir überhaupt nicht in den Kopf.

00:19:19: Für mich war klar, ich mache Schule und dann bin ich irgendwann fertig und dann gucken wir mal.

00:19:24: Du hast dann aber tatsächlich eine Lehre gemacht, als du mit der Schule fertig gewesen bist.

00:19:29: Ja, aber da ging es nicht darum, die Lehre an sich zu machen.

00:19:32: Gleich im Nachhinein, das war eine meiner schlauesten Entscheidungen.

00:19:35: Und auch die Werkstätten, die ich das gemacht habe.

00:19:38: Da gab es genau zwei Spezialwerkzeuge, einen großen Hammer und eine große Zange. Der Rest war klar.

00:19:45: Das war aber auch eine Zeit, wo man Autos nur noch reparieren konnte.

00:19:47: R4, R5 und so weiter. Also du hast dann eine Lehre zum Kraftfahrtmechaniker. gemacht.

00:19:53: Ich hatte schon mit 18 Autos, war ja klar, also das war damals vollkommen klar. Das war das Auto?

00:20:00: Ein VW Kiefer für 50 Mark, also 25 Euro. Ausgebrannt.

00:20:05: Der Lehrer, der mich den abgekauft hatte, hat immer einen Heißluft da reingemacht,

00:20:09: damit das Ding morgens warm wird, weil ein VW Kiefer hat zwar eine theoretische

00:20:13: Heizung, aber keine praktische.

00:20:14: Und damit er nicht in der Kälte und dabei sind die Sitzfälle in Flammen geraten

00:20:20: und dann wollte das Ding loswerden und ich habe den dann abgekauft.

00:20:22: Das war lustigerweise einer der Lehrer, die mich haben sitzen lassen.

00:20:26: Also jetzt nicht deswegen, aber...

00:20:29: Und wir hatten danach auch endlos, ich weiß nicht, ich habe bestimmt so fast

00:20:33: 40 Autos gehabt in meinem Leben.

00:20:35: Aber immer so für 50 Mark, 100 Mark und dann noch ein halbes Jahr TÜV und noch

00:20:39: ein bisschen schummeln und musste natürlich ganz viel reparieren,

00:20:42: weil immer irgendwas kaputt war.

00:20:45: Und das ging damals eben noch. Das war natürlich alles völlig illegal.

00:20:49: Und habe dann mit Freunden zusammen eine eigene Werkstatt aufgemacht Dann haben

00:20:52: wir angefangen Autos zu kaufen, irgendwelche Schrottkisten, haben die irgendwie

00:20:56: mit ganz viel Spachtelmasse und Schweißgerät und sonst wie zurechtgefummelt

00:21:00: und dann wieder verkauft.

00:21:02: Das war bevor du die Lehre gemacht hast? Ja, ja.

00:21:05: Im Abitur habe ich ja erst tatsächlich

00:21:07: mit 20 gemacht. Da lachen die und wurde dann in dem Jahr noch 21.

00:21:13: Aber darüber lachen die ja heute alle. Die machen mit, was ist 18 oder so.

00:21:17: Aber durch eben dieses späte Einschulen und dann sitzen bleiben,

00:21:21: tada. kommst du so langsam in die Jahre.

00:21:24: Und dann dachte ich mir, mach mal einmal in deinem Leben was Vernünftiges,

00:21:28: weil mir war zwischenzeitlich klar, also das mit dem regulären Arbeiten,

00:21:33: so ein 9-to-5-Job, das wird in diesem Leben nichts.

00:21:36: Und inzwischen weiß ich, dass das ist in dieser Familie vollkommen üblich.

00:21:41: Über Generationen. Ich stelle mir das Wirken als Kfz-Mechaniker zumindest in

00:21:45: nicht deinem Betrieb tatsächlich relativ geregelt vor.

00:21:50: Das ist geregelt. Du fängst pünktlich an und du gehst pünktlich raus.

00:21:54: Da gibt es eine Stecho. Du hast noch Pause, da hupt es in der Werkstatt. Genau.

00:21:58: Und wenn die Werkstatt fertig ist, wenn die Pause fertig ist,

00:22:00: hupt es wieder und dann stehst du auf. Meinst du gerade, weil so ein 9-to-5-Job

00:22:04: für dich nicht in Frage kam?

00:22:05: Das war ja eine Ausbildung. Das war ja eine Lehre. Und das hatte ja einen Sinn.

00:22:09: Also ich habe das sozusagen durchgehalten, weil ich mir was davon versprochen habe.

00:22:13: Erstens, nach dem Abitur hätte ich als Investorstandlebender zur Bundeswehr

00:22:20: gemusst. Und da wollte ich auf gar keinen Fall hin.

00:22:23: Weil ich hatte nur Schlechtes davon gehört. Ich wollte zwar zur Armee. Also das war die Armee.

00:22:28: Waffen, Technik und so. Und keine Ahnung, Uniform. Das fand ich ganz spannend.

00:22:33: Aber nicht zur Bundeswehr. Weil das war alles nur, oh Gott, oh Gott,

00:22:36: die waren immer nur besoffen und das war immer so durch den Dreck rennen.

00:22:40: Ach, das fand ich ganz schrecklich.

00:22:41: Und die Lehre hatte eine aufschiebende Wirkung.

00:22:45: Alternativ hätte ich studieren können, aber ich hatte jetzt 14 Jahre Schule

00:22:47: und sitzen und lernen hinter mir. Also Studium war jetzt nicht so,

00:22:51: das war jetzt nicht so ein Träumchen.

00:22:53: Und dann war das eben so eine doppelte, so eine doppelte Lösung.

00:22:56: Ich habe die Ausbildung gemacht und ich habe sie auch tatsächlich zu Ende gemacht,

00:23:00: also ein bisschen geschummelt, aber ich habe sie zu Ende gemacht und habe,

00:23:03: irgendwo liegt auch noch die Urkunde, ich bin Kfz-Mechaniker allgemein,

00:23:07: also falls das hier mit den Pillen alles in die Grütze gehen sollte,

00:23:10: kann ich in eine Werkstatt für alte Autos sein.

00:23:13: Also da kann ich mitmachen, weil ich kann auch vergasen und sowas. Und.

00:23:19: Einen Zettel zu haben, also irgendwas, womit ich sagen kann,

00:23:23: hey, ich habe das mal gemacht.

00:23:24: Das dachte ich mir, das ist ganz schlau. Ohne irgendeine Idee davon zu haben,

00:23:29: was ich in Zukunft machen werde. Also ich bin ja bis Ende 20 planlos dagegen

00:23:35: gejuckelt und habe alles mögliche gemacht.

00:23:39: Was war zuerst? Die Lehre oder der Ersatzdienst?

00:23:44: Die Lehre. Und der Ersatzdienst, und das ist wieder so ein typisches Ding,

00:23:51: ein halbes Jahr bevor die Lehre zu Ende war, kam ein alter Schulfreund zu mir.

00:23:55: Und der hatte sein Ersatzdienst gemacht, der hat das ordentlich durchgefochten,

00:23:58: somit vor Gericht und Die Menschen, du sollst dich töten, und ich bin Christ und bla bla bla.

00:24:05: Was ich nie gekonnt hätte. Also niemand im Leben hätte mir geglaubt,

00:24:10: dass ich mental nicht dazu in der Lage bin.

00:24:13: Also ich kann nicht sagen, ob ich in der Lage wäre, aber dass ich aus was auch

00:24:17: immer fadenscheinigen Gründen das nicht kann, das hätte ich niemandem weismachen können.

00:24:21: Und das war ja mit ein Grund, warum ich erst eben die Lehre gemacht habe.

00:24:25: Und damit war die Bundeswehr ja nicht weg. Das hing ja hinten dran.

00:24:28: Ich habe es ja nur verzögert.

00:24:31: Und lustigerweise, kurz bevor der kam, gab es so ein halbes Jahr,

00:24:36: warum auch immer, das habe ich bis heute nicht rausgekriegt,

00:24:39: die Möglichkeit, den Bundeswehrdienst zu verweigern mit einer Postkarte.

00:24:46: Du musst jetzt nichts weiter tun, als eine Postkarte hinschicken.

00:24:49: Mein Name ist, alter Geburtstag, ich verweigere den Wehrdienst.

00:24:55: Und dann kriegst du irgendwann Bescheid vom Kreis für Ersatz an und dann sagst

00:24:58: du, okay hier ist die Liste, wo

00:25:00: sie sich bewerben müssen dann für den Ersatzdienst und dann kam Heinrich.

00:25:06: Und bot mir an, sein Nachfolger in einem pharmazeutischen Institut an der damals

00:25:12: noch medizinischen Hochschule, also jetzt Uniklinik Lübeck wo es darum ging

00:25:16: Computer zu programmieren, wir reden von Ende der 80er,

00:25:21: oder Mitte der 80er Was waren das für Computer damals?

00:25:24: Das war so die Gewichtsklasse Commodore C64 und ein bisschen höherwertiger,

00:25:30: mit ein bisschen erweiterten Möglichkeiten.

00:25:33: Also es war eigentlich Schule Packard, frage mich, was genau, das weiß ich nicht mehr.

00:25:37: Und das gab es eben eigentlich noch gar nicht. Es gab auch noch kein PC.

00:25:42: Am Ende meines Zivildienstes wurden die ersten IBM-PC in der Uni aufgebaut,

00:25:47: so ein Netzwerk, ein Togenring-Netzwerk. Ganz schick.

00:25:51: Und ich fand das total spannend. Technik hat mich schon immer fasziniert und

00:25:54: mit so neuen Sachen rumzuspielen.

00:25:56: Mein Bankkonto zum Beispiel, das habe ich seit ich, keine Ahnung,

00:26:00: 17 oder 18 bin, das habe ich damals nur aufgemacht, das Ding hieß damals die Verbraucherbank.

00:26:06: Die hatte keine wirkliche Filiale, die hatte nur einen Raum und da drin standen Terminals.

00:26:11: Und du kriegst so eine Plastikkarte, noch ohne Magnetstreifen,

00:26:14: keine Ahnung, wie die das gelöst haben.

00:26:16: Und damit konntest du in diesen Raum rein und dann konntest du dich da hinstellen

00:26:19: und an einem Computer deine Überweisung selber ausführen. Und das fand ich genial.

00:26:23: Also an so einer Tastatur, das war ja, oh Gott, ja, Hightech, Sondersgleichen.

00:26:29: Heute lachst du dich tot darüber. Aber damals war das total sexy.

00:26:32: Und dieses Konto, dieses Bankkonto, das habe ich heute noch.

00:26:36: Die Bank wurde, ich weiß nicht, mehrere Mal inzwischen verkauft.

00:26:39: Das ist jetzt eine Tochter der Deutschen Bank.

00:26:42: Aber das fand ich damals schon, das wusste der. Und deshalb hat er mich gefragt.

00:26:46: Klar, also, ja, und Programmier, das lernst du dann doch schon.

00:26:49: Und dann musste ich zu dem Professor und dann, ja, können Sie das denn auch?

00:26:54: Ja, ich habe auch schon mal am Computer selber gesessen, ich habe auch schon

00:26:57: mal ein Programm und so. Sagt er, ja super, dann fangen Sie mal an.

00:27:00: Meine Erfahrung war, ich hatte mal so eine quasi geliebene C64 und habe aus

00:27:05: dem Handbuch vier Zeilen Programmcode abgeschrieben, was dazu führte,

00:27:08: dass irgendein Punkt auf dem Fernseher hin und her flog.

00:27:11: Aber der Vorteil war halt, ich konnte immer schon super gut Englisch.

00:27:15: Und zwar lesen wie sprechen.

00:27:18: Und die Handbücher waren auf Englisch. Und das war eine extreme Hürde,

00:27:22: weil die meisten haben weder genug Englisch gesprochen, noch haben sie verstanden, worum es geht.

00:27:26: Und ich hatte die Zeit und Möglichkeit, mich da reinzufummeln.

00:27:28: Und es gab auch schon was.

00:27:30: Und das Listing, also Programmcode, wenn man den ausdruckt, entsteht auf so

00:27:35: Endlospapier lauter Zeilen. Und da steht dann drauf, was macht dieser Computer.

00:27:39: Und die habe ich mir dann tatsächlich ausgedruckt. mein ganzes Zimmer damit

00:27:42: tapeziere, mir einen Berg von Leuchtstift besorgte und mich dann tagelang davor

00:27:47: gesetzt und zu verstehen, was macht das Ding da?

00:27:50: Und so habe ich Programmieren gelernt. Mit dem Handbuch und einfach mal machen.

00:27:55: Und dann ganz viel Zeit auszuprobieren, weil ich hatte ja nichts Besseres zu

00:27:58: tun. Also mein Job bestand genau da drin.

00:28:01: Sein Ersatzdienst hat damals wahrscheinlich zwölf, dreizehn Monate gedauert, ne?

00:28:05: Ja, zwanzig Monate. Zwanzig, wow. Ja, ich glaube 18 Monate war 18 Monate war

00:28:12: Wehrdienst und 20 Monate Ersatzdienst.

00:28:14: Wow, okay. Lange Zeit.

00:28:16: Ja, aber für mich war das super. Ich habe dafür Geld bekommen.

00:28:20: Ich habe für das damalige Verhältnis oder für meine Situation super einkommen.

00:28:25: Also hier am Abend war kein Problem.

00:28:26: Und ich habe nebenbei noch angefangen bei einem Bekannten in einer Großbäckerei

00:28:30: auch solche Sachen zu programmieren mit einem anderen Schulkumpel zusammen.

00:28:34: Das war wirklich eine tolle Zeit. Viel geladen.

00:28:38: Hast du dir damals Gedanken gemacht, wie es für dich nach einem Ersatzdienst

00:28:41: weitergehen sollte? Ich meine, immerhin hast du, lernte Automechaniker.

00:28:45: Gar nicht. Also das mit dem Automechaniker, es war immer klar,

00:28:50: ich werde nie als Automechaniker arbeiten.

00:28:53: Also ich wollte auch nicht in so einer Werkstatt arbeiten.

00:28:55: Aber ich wollte mein Auto selber reparieren können, weil das ist viel billiger

00:28:58: als eine Werkstatt zu bringen. Außerdem hat mich ja immer Technik gereizt.

00:29:01: Das kann ich nicht so verstehen.

00:29:03: Du kennst ja diese blöde Frage, auf die man selten eine gute Antwort hat.

00:29:08: Was möchtest du später mal machen?

00:29:10: Und die hört ja nicht auf, wenn man die Schule beendet hat oder wenn man die Lehre absolviert hat.

00:29:18: In deinem Fall auch nicht nach dem Ersatzdienst.

00:29:20: Was war denn für dich so die Idee im Ersatzdienst, nach dem Ersatzdienst?

00:29:27: Das Einzige, was klar war, nach dem Ersatzdienst verschwinde ich aus der Stadt.

00:29:33: Also das hat jetzt echt gereicht, war lange genug da. Ich kannte jede Kneipe, ich kannte jeden Stein.

00:29:37: Die Leute kannte ich nicht mehr. Die, die ich überhaupt kannte,

00:29:39: waren ja alle abgehauen, wieder so verlassen werden.

00:29:41: Die sind alle studieren gegangen und dann hatten die ihr eigenes Leben und andere Sachen zu tun.

00:29:46: Und jetzt mit meiner neuen Kollegen-Schar in der Kfz-Mechaniker,

00:29:50: das war jetzt nicht so meins.

00:29:52: Also mit denen hatte ich jetzt nicht so engen privaten Kontakt.

00:29:57: Und da war einfach klar, ich muss hier raus. Wo ist das, wo du willst?

00:30:01: Na, für mich gab es im Grunde nur zwei Möglichkeiten. Entweder nach Köln oder

00:30:05: nach Berlin. Warum Köln?

00:30:08: Die einzig interessanten Städte, wo Irre irgendwie einen Platz finden.

00:30:12: Wo nichts normal ist, wo alles durchgeknallt ist, wo alles anders ist, wo die Enge...

00:30:18: Wo anders normal ist?

00:30:20: Wo anders einfach normal ist, genau. Wo du nicht auffällst, wenn du einfach

00:30:24: Sachen anders machen willst.

00:30:25: Auch die Möglichkeiten bestehen. Man muss ja mal rückblickend gucken,

00:30:29: also das, was heute ja viele nicht wirklich zu schätzen wissen oder sich das

00:30:35: gar nicht vorstellen können, dass du informationslos durchs Leben gehst.

00:30:39: Jeder hat ein Handy oder ich arbeite gerade immer mit meinem iPad.

00:30:44: Du hast das ganze Wissen der Welt, du kannst ja alles googeln.

00:30:47: Ist eine Erfindung Ende der 2000er Jahre.

00:30:51: Das gab es alles überhaupt nicht. Wenn du was wissen wolltest,

00:30:55: was Spezielles, dann musstest du in eine Bibliothek.

00:30:58: Du findest ja auch niemanden, der das alles schon weiß. Und dann hast du ja

00:31:02: immer nur noch dieses olle Wissen.

00:31:04: Also was in einem Buch steht, das ist ja schon veraltet, also weit veraltet.

00:31:08: Und ich hatte mir ausgemalt, also in Köln und in Berlin, da gibt es mehr Verrückte

00:31:13: und dann passe ich da bestimmt besser rein.

00:31:14: Und letztlich wurde es Berlin, Wien, weil mein Bruder da lebte.

00:31:17: Und da konnte ich erstmal...

00:31:19: Hast du dich in der Zeit auch schon als anders oder verrückt oder besonders

00:31:24: in irgendeiner Weise verortet? Das war mir völlig klar.

00:31:29: Ist das so? Ich passe ja nicht ins Bild.

00:31:33: Mich interessiert nichts von dir. Alle wussten immer so, ja,

00:31:36: dann mache ich so, dann mache ich dies, mache ich das.

00:31:38: Mir war völlig klar, das ist alles nichts für mich. Ich habe das,

00:31:40: wonach ich suche, noch bei weitem nicht gefunden. Und ich wusste ja auch nicht, wonach ich suche.

00:31:44: Also ich hatte ja nicht das konkrete Ziel. Also ich habe mich zwar beworben

00:31:47: an der Uni, an der HDK damals für Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation.

00:31:54: Weil mir hat mal irgendwer erzählt, das sei so der Job des Kontakters in der Werbeagentur.

00:31:59: Und ich mag diese Schnittstelle zwischen Fraktion, zwischen dem Grafiker und dem Kunden.

00:32:06: Beide Seiten verstehen darin, vermitteln zu können. Ich musste weder ganz genau

00:32:10: wissen, was der Kunde daran macht, noch musste ich wissen, was ein Grafiker

00:32:13: kann. Und schon gar nicht musste ich Grafik können.

00:32:16: Aber ich hatte eine gute Auffassungsgabe und ich habe Dinge immer bis zu einem

00:32:20: gewissen Grad und das sehr schnell verstanden.

00:32:22: Das könnte ein interessantes Feld sein, weil alles, was Ingenieur oder die meisten

00:32:27: haben, BWL, VWL, Jura und ganz viel, witzigerweise Zahnarzt studiert und sind

00:32:35: damit dann bestimmt auch hoffentlich glücklich geworden.

00:32:37: Aber das war mir klar, das ist alles überhaupt nicht meine Welt.

00:32:40: Das wäre viel zu langweilig. Also hast du es geschafft? Wurdest du für GWK angenommen?

00:32:44: Also mein NC war besser, als ich dachte. Ich dachte immer, ich hätte 3,6 gehabt.

00:32:48: Aber tatsächlich, ich musste es für meine Tochter herausfinden, waren es 3,4.

00:32:53: Aber damit brauchte ich nur noch etwas zu bewerben. Und der Anspruch war relativ

00:32:56: hoch. Aber es gab ja das Thema Wartesemester.

00:32:59: Und davon hatte ich dann eine Weile was. Also davon hatte ich schon einige zusammengesammelt.

00:33:02: Ich war ja schon vergleichsweise alt. Also in Berlin war ich, weiß ich nicht, 26.

00:33:08: Ja, da kommt ja was zusammen. Und das Blöde war nur, die Anforderungen stiegen

00:33:12: auch jedes Jahr um ein Semester.

00:33:14: Und damit hatte das dann, keine Ahnung, ich habe das dann von Berlin aus noch

00:33:19: eine Weile fortgeführt und dann einfach habe ich mich einfach nicht mehr beworben.

00:33:24: Weil ich habe dann ja inzwischen auch andere Sachen gemacht.

00:33:26: Ich habe ja, als ich nach Berlin kam, es gibt ja keine Zufälle.

00:33:30: Es gab hier damals diese alle zwei Wochen Veranstaltungszeitschrift Tip & City

00:33:36: und es gibt ja noch, die Welt teilt sich ja in die die Tipp-Fans und die City-Fans. Ich war Tipp-Fan.

00:33:40: Die lustigerweise im gleichen Verlag erscheinen.

00:33:43: Ja, inzwischen. Mittlerweile. Damals waren die sich spinnefein.

00:33:45: Damals hatten die aber auch eine unvorstellbare Auflage. Das ist ja als Geschichte.

00:33:50: Das war auf jeden Fall vor dem Internet. Ja, weit davor.

00:33:56: Damals hast du ja auch noch angestanden am Verlagshaus für die Zeitung mit den Immobilienanzeigen.

00:34:03: Wer hat die erste? Ganz schnell. Und dann musstest du in der Telefonzelle suchen.

00:34:08: Von dem ja heute kaum noch einer weiß, dass es sowas überhaupt gibt oder gab.

00:34:12: Jedenfalls hatte ich dann ja im Tipp eine Anzeige gesehen mit drei Jobausschreibungen

00:34:21: von irgendeiner Computerbude.

00:34:24: Techniker, Programmierer und Vertrieb.

00:34:28: Und da bin ich hin. Und du dachtest, kriege ich alles hin?

00:34:33: Vertrieb war überhaupt nicht meins. Weil ich komme aus dem Norden.

00:34:37: Also man kann sich das heute kaum vorstellen.

00:34:39: Aber ich war ausgesprochen wortkarg. Also ich war sehr nordisch.

00:34:44: Das kann man sich wirklich nur sehr, sehr schwer vorstellen.

00:34:46: Also mehr als drei Worte am Tag.

00:34:49: Und dann war es so ein bisschen breitsprechen, krisisierend auseinander.

00:34:52: Das ist jetzt nicht so. Mit Menschen wollte ich auch nicht so richtig viel zu tun haben.

00:34:57: Programmierer wäre gegangen, aber Techniker fand ich dann auch irgendwie interessanter.

00:35:01: Und dann bin ich da hin, an Kudamm, und da saßen halt zwei so eine Vögel,

00:35:07: Dagobert und den anderen habe ich vergessen.

00:35:10: Und die waren Überbleibsel von Siemens, hatten sich selbstständig gemacht und

00:35:16: haben für die Amerikaner gearbeitet.

00:35:19: Vorrangig. Ein bisschen auch für andere, aber ganz viel für die Amerikaner.

00:35:23: Und hatten halt so ein Spezialwissen, was in das passt. Und die brauchten jetzt

00:35:26: irgendwie so einen Doofen für die einfache, für das nächste Geschäftsfeld sozusagen.

00:35:32: Und das war die Technik.

00:35:35: Da mussten die aber los, haben mich da in ihrem Büro allein sitzen lassen.

00:35:39: Und ich sagte, hier, das sind ein paar Kartons, bau den Computer mal zusammen.

00:35:42: Wenn der wiederkommt und der läuft, dann hast du den Job. Aha. Super.

00:35:48: Erstmal schön viele Kartons ausgepackt, dann stand da irgendwann so ein zusammengestöpselter

00:35:51: Computer. Das war jetzt auch nicht so eine Herausforderung, das war alles gut bebildert.

00:35:55: Aber dann wusste ich halt auch nicht weiter. Keine Ahnung, wie bringe ich den

00:35:58: jetzt dazu, dass er tut, was er tun soll.

00:36:00: Und dann kam, könnte ich mich heute noch beäumen, dann kamen Techniker,

00:36:04: bei denen die Untermieter waren. Die waren Untermieter in einer anderen Computerfirma.

00:36:08: Und dann kam einer der Techniker rein, so poltert, so, sag mal, wo ist denn Dago?

00:36:11: Ich so, keine Ahnung, wer bist denn du? Ich bin hier neu und ich soll irgendwie

00:36:14: da Dinge zu laufen bringen.

00:36:16: Und zusammengesteckt ist er und leuchtet auch irgendwie, aber jetzt weiß ich

00:36:18: auch nicht. Naja, nimmst du hier, nimmst du hier Disketten, steckst einen nach

00:36:22: dem anderen rein und wenn er fertig ist, dann sagt der Piep und funktioniert, alles gut.

00:36:26: Aha, so hatte ich meinen Job.

00:36:28: Und natürlich musste ich dann lernen und wieder Handbücher lesen und alles ausprobieren.

00:36:33: Und mit denen habe ich eine ganze Weile das gemacht. Ich bin dann zu verschiedenen

00:36:36: Firmen, habe da immer aufgebaut, habe Netzwerke gebaut, was dann später viel interessanter wurde.

00:36:42: Ich übersetze es mal in einen heutigen Begriff, du warst ein IT-Administrator.

00:36:48: Ja, also mehr die technische Seite.

00:36:51: Also wie kriegt man Drucker daran, wie können Computer miteinander und so. Verstehe. Ja.

00:36:58: Und das waren halt alles nagelneue Berufe. Es gab da einfach niemanden.

00:37:02: Du konntest ja niemanden heilen. Es gab auch keine Ausbildung.

00:37:04: Es gab kein Studium dazu.

00:37:06: Das war alles nagelneu. Keiner wusste, wie es geht.

00:37:09: Und das ist natürlich für so einen Verrückten, der gerne Abenteuer macht,

00:37:12: also immer Neues ausprobiert, war das eine perfekte Zeit.

00:37:15: So ein Job wie den, den du hattest, der kann ja auch durchaus die Endhaltestelle sein.

00:37:23: Ist es für viele geworden, ja. Für mich nicht. Weil das hat bei mir dann immer

00:37:27: war so ein Jahr, anderthalb vielleicht gehalten.

00:37:30: Dann bin ich zunächst Bude gewechselt. Da kam dann ja Mauerfall, 89.

00:37:36: Und da hatte ich schon für den nächsten Verrückten, also der war wirklich durchgeknallt.

00:37:42: Schwere Alkoholiker und Vertriebler vor dem Herrn.

00:37:45: So ein Typ war das. Ganz nett, also irgendwie schon sympathisch,

00:37:49: aber war auch wirklich verrückt.

00:37:51: Und ich hab dann da auch Computer zusammengebaut und Netzwerke wieder, Ja, so das Übliche.

00:37:58: Und dann hatte sie einen Riesenauftrag, sich an Land geschummelt mit Mitropa.

00:38:05: Damals die Versorgungsgesellschaft für die Reichsbahn.

00:38:10: Da hatten sie auch irgendwie zwei gefunden, die dann für völlig überzogenes

00:38:13: Geld Computer haben wollten und verkauft haben und wie auch immer.

00:38:17: Die Buchhalter dazu möchte ich nicht sehen, aber es war klar,

00:38:20: das waren halt alles Devisen. Die mussten irgendwie weg, weil sonst landen die

00:38:23: im großen nutzlosen Topf. Und das haben die zu verhindern gewonnen?

00:38:28: Und der Auftrag war, in allen Niederlassungen der Mitropa ein Buchhaltungsnetzwerk aufzubauen.

00:38:36: Und dann sind damals Bekannte, also ich habe die das kennengelernt,

00:38:40: und ich von den Fahrern von Mitropa kreuz und quer durch die Republik gefahren

00:38:45: worden, von Sasses bis nach Suhl.

00:38:47: Alles rauf und runter, immer wieder in die Dinger da rein.

00:38:51: Und da haben wir die Geräte aufgebaut, sie hat die Software installiert,

00:38:54: hat es völlig nutzlos den Leuten erklärt, wie die funktioniert,

00:38:57: Das ist überholend, was wir von ihr wollen.

00:39:00: Und das war sehr abenteuerlich. Das hat große Freude gemacht.

00:39:04: Und es war auch für meine Verhältnisse super bezahlt. Ich habe damals sportlich Geld verdient.

00:39:09: Aber auch das wurde dann irgendwann so, ja, nee, weiß nicht.

00:39:14: Parallel hatte ich halt über meine Schwester, ich will nicht sagen Fotografien

00:39:17: gelernt, aber so ein bisschen von ihr inspiriert, habe ich auch angefangen als Fotograf zu arbeiten.

00:39:21: Das hat mir wirklich Freude gemacht. Das hat wirklich Spaß gemacht.

00:39:24: Rechnerisch völlig nutzlos. Also mit Tagespresse Geld zu verdienen,

00:39:28: das ist einfach von Arsch. Also das wird nichts.

00:39:31: Also es haben wenige das auf Dauer durchgehalten und davon ihr Leben fristen können.

00:39:35: Die meisten waren eher so eine Verrückten wie wir, die es einfach cool fanden,

00:39:38: mit einer Kamera rumzurennen.

00:39:41: Und das Ganze endete dann vergleichsweise abrupt, als wir meinem Bruder,

00:39:46: 92, helfen mussten mit seinem Labor in Singapur.

00:39:53: Okay, dein Bruder ich vermute mal, wir sprechen über einen älteren Bruder Ja,

00:39:59: vier Jahre älter Wie ist der nach Singapur gekommen und was hat er da in einem Labor gemacht?

00:40:06: Christoph war tatsächlich gelernter Zahntechniker, der konnte das richtig also

00:40:10: der wusste richtig, was er da tut und wie der das tut und mit einer Leidenschaft das war unglaublich,

00:40:16: und ich habe das ja vorhin schon mal so erwähnt Unsere Familie neigt dazu,

00:40:20: so ein bisschen abseits der Spur zu laufen.

00:40:23: Und wie ich dann viel später erfahren habe, das ist nichts Neues.

00:40:26: Das geht schon seit Generationen so. Diese väterliche Linie.

00:40:31: Mein Großvater ist mit meiner Großmutter, Gott hab sie selig,

00:40:36: nach Afrika ausgewandert, weil er beim Kartenspiel einen Job auf der Sisal-Farm

00:40:42: in Mosambik gewonnen hat.

00:40:44: Dazu muss man wissen, als sie geheiratet haben, war meine Mutter erst 20.

00:40:47: Und damals ging das erst mit 21 volljährig und entstammt, ihr Vater war ein

00:40:53: Pfarrer in seiner Pfarrersfamilie.

00:40:56: Auch meine Großmutter neigte zu einer gewissen Störrigkeit, also mit der hast

00:41:00: du dich nicht freiwillig angelegt. Wir sind super miteinander ausgekommen, aber,

00:41:05: Das war schon so. Und so zieht sich das durch das Leben mehrerer Generationen.

00:41:11: Auch mein Vater hatte ja letztlich, wie kann man auf die verrückte Idee kommen,

00:41:15: in einer Kleinstadt wie Lübeck ein Sternrestaurant aufzumachen.

00:41:20: Lübeck ist schon so ein bisschen provinziell. Also da gießt du lieber eine Ecke

00:41:24: Hose in Fischbrötchen, als das so für was ich mag. Aber das gibt ja auch in

00:41:27: der heutigen Zeit noch Sternerestaurants, die in kleineren Städten beinahe da sind als in Lübeck.

00:41:31: Ja, aber wenn du dir die genau anguckst, die finanzielle Lage ist meist ist

00:41:35: eher prekär, denn nur einen Stern zu haben, bringt dir kein Geld in die Kasse.

00:41:40: Okay, lass uns nach Singapur zurückkehren. Du bist 30 Jahre alt. 29.

00:41:45: 29, dein Bruder Köln braucht Hilfe.

00:41:48: Warum? Also, er hat eine bewegte Geschichte.

00:41:53: Er hat die Schule in der 10. Klasse abgebrochen, ist nach Hamburg gezogen,

00:41:57: hat ein Jahr lang in einem Wohnmobil bei seiner Freundin gewohnt und dort eine

00:42:01: Ausbildung zum Zahntechniker gemacht und hat dann angefangen,

00:42:04: erst mal da zu arbeiten und ist dann ein bisschen durch Deutschland getingelt,

00:42:07: was du als Zahntechniker gut kannst,

00:42:09: war dann im Ausland, ich glaube in Venezuela,

00:42:12: was weiß ich, wo überall.

00:42:13: Und irgendwie ist er im Zuge von damals, das kann man sich heute nicht mehr

00:42:17: vorstellen, von Entwicklungshilfe nach Singapur gespült worden.

00:42:21: Hamburger Zahntechniker, Zahntechniklabore, hatten da eine Dependance machen

00:42:25: wollen und die haben ihn engagiert.

00:42:28: Und da weltoffen und immer für Abenteuer zu haben war, ist er da hingezogen.

00:42:33: Hat dann für die gearbeitet, bis das dann irgendwie eingeschlafen ist oder keine Ahnung was.

00:42:39: Und hat dann sein erstes eigenes Labor aufgemacht. Da haben wir uns auch schon

00:42:43: mal versucht und das hat aber gar nicht geklappt. Und dann kam die Wende.

00:42:46: Und die Wende war halt für Zahntechniker goldene Zeiten.

00:42:50: Weil plötzlich wollten 16 Millionen Neudeutsche oder Neue Zähne haben.

00:42:56: Weil diese Technologien, Vollkeramik und Keramikzähne und so,

00:43:00: das gab es im Osten nicht.

00:43:02: Jetzt wollen die alle ja einen Gramm raus und neun Gramm rein haben.

00:43:06: Und das lief unfassbar gut, weil die, du lernst Zahntechniker nicht im Vorbeigehen.

00:43:13: Du machst deine Ausbildung und weißt im Prinzip, wie das ist,

00:43:16: aber das ist ein bisschen so, du hast gerade eine Führerscheinprüfung gemacht

00:43:19: und irgendwann willst du mal Formel 1 fahren.

00:43:22: Und dazwischen liegen Welten. Nur weil du weißt, wie es funktioniert,

00:43:25: heißt es nicht, dass du es kannst.

00:43:27: Und das lernst du nicht so mal eben nebenbei. Und dadurch entstand eine große

00:43:32: Lücke, die schwer zu füllen war.

00:43:34: Die Westlabore aus Westdeutschland und West-Berlin waren jetzt genötigt für

00:43:40: die Zahnärzte im Osten Zahnlaser zu herzustellen in einer unglaublichen Menge und,

00:43:45: was erschwerend hinzukam, aufgrund gesetzlicher Regelung zu einem verringerten Preis.

00:43:52: Das war jetzt einfach mal schwierig und da ist er reingerutscht,

00:43:56: weil er konnte in Singapur gar nicht so sehr wegen Ruhkosten,

00:43:58: sondern einfach wegen, weil er sein Labor anders gebaut hat.

00:44:01: Oder organisiert hat, konnte er reingrätschen. Und das hat er zusammen mit einem

00:44:06: Kumpel gemacht und der hat ihn hängen lassen.

00:44:08: Und dann haben die sich in die Haare bekommen, haben sich getrennt und das musste

00:44:11: er aber irgendwie ja Ersatz haben.

00:44:13: Und da fingen schlauerweise seine verblühten Brüder an. Ich wusste bis zum ersten

00:44:17: Tag, dass ich losgelatscht bin. Ich wusste überhaupt nicht, was das ist.

00:44:22: Ich wusste nicht, ich hatte keine Idee von Zahntechnik. Es war auch gar keine

00:44:26: Zeit, mir das jetzt groß beizubringen oder so.

00:44:29: Er hat mir erklärt, wenn du zu einem Zahnarzt hingehst und der fragt dich,

00:44:33: was macht ihr denn so? Dann sagst du einfach, alles außer KFO.

00:44:38: Die V-Opd, diese Brackets für

00:44:40: Kinder. Das ist das Einzige, was ich nicht mache, alles andere kann er.

00:44:44: Ich zu den Zahnärzten hin und dann, ja, Mensch, hier, wir sind ganz toll und

00:44:48: wir produzieren bla bla bla.

00:44:50: Was machen Sie denn da alles? Alles aus der KFO? Ah, okay.

00:44:53: Haben Sie eine Kiste dabei? Ich werde es nie vergessen. Dr. Schubert.

00:44:57: Mit seinem ausgestreckten Arm über den Tisch mit den Arbeiten.

00:45:00: Er nimmt so einen Karton.

00:45:02: Zack. Rein den ganzen Kram.

00:45:05: Und sagen Sie Bescheid, wenn es fertig ist. Er dreht sich um und geht weg.

00:45:10: Und ich stand da wie so ein Idiot, weil ich wusste überhaupt nicht,

00:45:12: okay, ich nehme das jetzt mal mit und dann fahre ich mal nach Hause.

00:45:17: Und das war damals ja alles noch in Ost-Berlin.

00:45:19: Also heute, ich weiß immer noch, wann ich in Ost-Berlin, also fast immer,

00:45:23: das weiß man ja heute nicht mehr.

00:45:26: Also Berlin ist Berlin, wenn du ein bisschen hinguckst, dann kannst du das erkennen,

00:45:29: aber die meisten interessiert das ja auch gar nicht.

00:45:31: Ich habe immer noch die Frage, in mir so ein bisschen, es ist sehr viel weniger

00:45:35: geworden, aber immer noch so ein bisschen in mir, wo ich meinen Ausweis mit habe. Oh, okay.

00:45:41: Also ich weiß immer noch ganz genau, wann ich in Ost-Berlin bin.

00:45:45: Der ja längst nicht mehr der schicke Osten von damals war. Aber ich schweife

00:45:50: ab und das kann nicht gut sein, bloß vorsichtig.

00:45:54: Und damit fing eine illustre Geschichte an, die gerade erst beendet hat,

00:45:59: weil wir haben ja zum Jahresende tatsächlich, also mein Bruder Matthias und

00:46:02: ich, das Labor verkauft.

00:46:06: Taka, über 30 Jahre hatten wir das in der Tat. Ich muss jetzt einmal fragen, also das war 1992. 92.

00:46:14: Und so wie ich jetzt schon rausführe, das war jetzt nicht irgendwie ein Job,

00:46:18: den du mal ein Jahr oder eineinhalb betrieben hast. Doch, doch, durchaus.

00:46:22: Also nein, betrieben habe ich ihn ganz lange. Wobei streng genommen gar nicht

00:46:26: so, also nicht so lange wie mein Bruder Matthias.

00:46:28: Weil ich bin dann ja irgendwann umgeschwenkt auf die kleinen weißen Drogen.

00:46:32: Gut, aber die sind ja zehn Jahre später erst gekommen.

00:46:35: Ja, ziemlich genau. Die erste Pille 2003.

00:46:40: Genau. Ich habe mich vorhin mit dem Thema beschäftigt, aber bis dahin bin ich

00:46:42: rumgerannt und ich war da.

00:46:43: Ich bin ja nicht als Unwissender geblieben.

00:46:48: Ich habe ganz viel gelernt. Ich bin der beste Verbaltechniker der Welt.

00:46:52: Du hast ja.

00:46:55: Und so ein bisschen durchgeführt, du hast programmiert, du hast als Fotograf

00:46:59: gearbeitet, Kfz war für dich keine Option.

00:47:02: Und eigentlich stand dir die Welt offen, beziehungsweise dort,

00:47:05: wo sie dir nicht offen stand, da hast du die Türen aufgerissen und geschaut,

00:47:08: ob du nicht trotzdem reinkommst.

00:47:09: Und jetzt auf einmal Zähne, was ich jetzt per se offen und ehrlich nicht so

00:47:16: wahnsinnig spannend finde, da bleibst du hängen. Wie kann das?

00:47:21: Also wie kam das, dass du nicht wieder in das nächste Abenteuer gestürzt bist?

00:47:25: Ich spreche noch nicht von den Zahnarzt-Tabletten. Dazu kommen wir gleich noch.

00:47:28: Aber in dem, was du bis dato gemacht hast.

00:47:31: Das hatte was mit Verantwortung zu tun. Für deine Familie? Ich konnte mehr für

00:47:36: die Mitarbeitenden, die wir dann mit der Zeit hatten.

00:47:39: Auch für meinen Bruder, und der hatte dann einen ganzen Stab von Leuten,

00:47:42: ich kann da nicht einfach einen Sack, also ich kann die ja nicht einfach hängen lassen.

00:47:46: Also sowieso nicht meinen Bruder, weil der hätte mich da vermöbelt,

00:47:50: das konnte der schon als Befinderer.

00:47:52: Aber einfach, das kannst du nicht machen. Du kannst nicht die Leute einfach hängen lassen.

00:47:57: Und es war ja auch nicht ohne Reiz. Also ich habe auch in der Zeit wahnsinnig viel gelernt.

00:48:02: Und es kam immer wieder irgendwas Neues dazu, sei es die Technik,

00:48:05: also wir haben uns ganz viel mit Implantologie beschäftigt, und dann und haben

00:48:09: Kurse und Seminare gemacht.

00:48:10: Ich habe dann Vorträge gehalten, da könnte ich mich heute noch über Tod lachen.

00:48:15: Wobei, der Unterschied zwischen Zahntechnik und Automechanik,

00:48:18: das ist gar nicht so groß.

00:48:20: Also es gibt da viele Parallelen. Das war einfach nur, die Dinger sind wahnsinnig klein.

00:48:24: Und ich durfte auch im Labor, Herr Kaiser, lassen Sie die Hände in den Taschen.

00:48:29: Fassen Sie hier nichts an.

00:48:31: Aber ich konnte ja nichts. Und immer wenn ich irgendwas angepasst habe,

00:48:35: habe ich es kaputt gemacht. Ich durfte nicht mal Gips anrühren.

00:48:38: Weil das eine hohe Kunst ist. Und ich mache da einfach irgendwo Pulver rein,

00:48:41: Wasser drauf und dann rühre ich so lange, bis das cool aussieht.

00:48:44: So funktioniert das aber nicht.

00:48:46: Und wir hatten in der Anfangsphase, also ganz am Anfang haben wir auch richtig

00:48:51: für unsere Verhältnisse wahnsinnig Geld verdient.

00:48:54: Dann kamen so Zusammenbrüche, weil, was weiß ich, die.

00:48:58: Die Gesetze sich geändert hatten und der Anteil im Osten für die Patienten sich erhöht hatte.

00:49:03: Und dann brach wieder alles zusammen und so aufs und abs und hin und her.

00:49:06: Und wir waren auch nicht besonders beliebt.

00:49:09: Die Zahnärzte, also unsere Kunden, die mochten uns im Prinzip,

00:49:13: haben aber auch nicht offen gesagt, dass sie bei uns produzieren lassen.

00:49:16: Weil die allgemeine Haltung war, also gerade in der Branche war,

00:49:20: wir sind die Preisbrecher, wir sind die Arschlöcher, wir sind die,

00:49:23: keine Ahnung, Verbrecher.

00:49:24: Die Zahntechnik in Indien hat sich jedes Jahr immer so kurz vor Weihnachten

00:49:27: was Neues einfallen lassen, wo man auf gar keinen Fall mit so jemandem wie uns

00:49:31: zusammenarbeiten dürfte.

00:49:32: Keine Ahnung, wir schmelzen Tütlingen ein und machen daraus Pathetik oder irgendeinen

00:49:37: Scheiß, was alles Quatsch ist. Also das geht technisch überhaupt nicht. Aber das war egal.

00:49:42: Wer als erstes auf der ersten Seite Bildsordnung steht, hat recht.

00:49:46: Und auch das war wieder so, also jetzt erst recht.

00:49:51: Also sag mir mal nicht, dass ich zu doof bin. Oder dass es falsch ist.

00:49:55: Das löst bei mir so einen gewissen Widerstand aus.

00:49:59: Manchmal schlau, manchmal auch nicht so schlau. Aber eben gerade auch,

00:50:05: dann hatten wir uns über die Zeit auch so ein bisschen verschuldet.

00:50:08: Also ich werde nie vergessen, wie unser Konto um 20.000 Mark überzogen war.

00:50:14: Und ich so, oh Gott, ich habe nicht geschlafen, weil das war richtig viel Geld.

00:50:18: Heute, ich habe für Personalaufwand bei Dentals keine Ahnung,

00:50:22: eine Million Euro verbrannt.

00:50:23: Das nervt mich so wahnsinnig. und die ärgern mich da über meine eigene,

00:50:27: also dass ich da so ins Klo gegriffen habe bei der Auswahl der Leute,

00:50:31: das ist schon echt ärgerlich.

00:50:32: Aber das macht mir jetzt keine schlaflosen Nächte.

00:50:36: Damals war das anders, weil ich kam von liege Tasche, rechte Tasche.

00:50:39: Das kannte ich und alles, was da drüber war, kannte ich nicht.

00:50:42: Und das hat mir auch wahnsinnig Angst gemacht.

00:50:45: Was mache ich denn, wenn das schief

00:50:47: geht? Wie soll ich das denn jemals zurückzahlen? Das geht ja gar nicht so.

00:50:50: Und insofern war das auch ein spannendes Metier und es kamen auch immer neue

00:50:54: Themen, dazu und ich bin oft nach Singapur geflogen.

00:50:57: Manchmal mit Zahnärzten. Wir haben Weihnachtsfeier mit Zahnärzten in Singapur

00:51:00: gemacht. Das war so lustig.

00:51:02: Mach mal so einen Ausflug, so einen Stadtausflug mit Zahnärzten.

00:51:07: Ey, Kinder gar kein Problem. Zahnärzte, die sind schlimmer als ein Sack Flöhe.

00:51:13: Die sind alle überall, nur nie da, wo du sie haben willst. Und dann gehen sie verloren.

00:51:16: Und dann, oh Gott, oh Gott, oh Gott. Das war schon witzig.

00:51:20: Ja, die Zahnärzte, von denen hast du auch gelernt, was was gut für die Zähne

00:51:25: ist und was nicht gut für die Zähne ist. So wie alle.

00:51:29: Und hast irgendwann entdeckt, hm.

00:51:41: Das kann es nicht sein, sondern eigentlich sollten wir uns die Zähne mit anderen,

00:51:46: Mitteln sauber halten und bist dann auf die Zahnputztablette gekommen. Eigentlich nicht.

00:51:54: Eigentlich nicht. Der Weg war ganz anders. Dentabs sind streng genommen keine Erfindung.

00:52:00: Also das, was ich heute alles darüber erzählen kann, das war gar nicht der Punkt.

00:52:05: Die Entstehung von Zahnputztabletten, also von Dentabs, hatte nicht mal was mit den Zähnen zu tun.

00:52:12: Sondern Professor Gengler, damals der Kahn und Wittenherdiger,

00:52:16: hat bei Überarbeitung seiner Lehrbücher festgestellt, oh, Zahnpasta,

00:52:21: ja, wenn man da mal genau hinguckt, sind da lauter interessante Sachen drin.

00:52:27: Und ich weiß ja nicht, wie deine Drogenkarriere ist, aber wenn du jemanden kennst,

00:52:32: der sich schon mal mit Koksum beschäftigt hat, dann weißt du,

00:52:36: dass wenn man das übertrieben hat, ist immer die Nasenscheide weiter im Arsch,

00:52:40: dann funktioniert das nicht mehr.

00:52:41: Dann schmierst du dir das aufs Zahnfleisch.

00:52:45: Hättest du auch von Anfang an machen können, geht nämlich viel besser.

00:52:47: Alles, was du auf das Zahnfleisch oder die Schlammhaut der Mundhülle aufbringst,

00:52:52: gedruckt, zuckt ins Blut.

00:52:53: Wir haben neulich einen Versuch mit Nikotin gemacht, ich bin geläutert.

00:52:57: Mir war nicht klar, wie schnell das geht.

00:53:00: Und das war sein Ansatz, weil diese vielen, sagen wir mal, potenziell problematischen

00:53:06: Inhaltsstoffe, Stabilisatoren, Keimheimer, Konsistenzgeber, über all die Dinge,

00:53:10: die du brauchst, oben aus Wasser überhaupt erstmal eine Paste zu machen.

00:53:14: Da sind wir noch gar nicht bei Zahnpflege. Das ist einfach nur eine Paste,

00:53:16: mit der man bestimmte Bedingungen erfüllt.

00:53:20: Die haben das Potenzial, über die Schlamme ins Blut zu gehen.

00:53:23: Und wenn du das lange genug machst, und für jeden ein bisschen anders,

00:53:27: aber grundsätzlich können manche Stoffe nicht verstoffwechselt und nicht ausgeschieden werden.

00:53:33: Das heißt, der Körper lagert sie irgendwo hin.

00:53:36: Und irgendwann ist irgendein Schrank mal voll, Und dann kriegst du ein Problem,

00:53:41: von dem du überhaupt nicht nachverfolgen kannst, dass es mit Zahnpasta zu tun

00:53:46: hat. Das kriegst du nicht raus.

00:53:48: Also das ist wissenschaftlich im Grunde nicht machbar.

00:53:51: Und selbst wenn du es wüsstest, ist es schwierig dagegen was zu unternehmen.

00:53:56: Du hast dann das Problem, lebe damit oder stirb daran.

00:53:59: Und so entstand die Aufgabe für eine Doktorarbeit, die einer unserer Zahnärzte

00:54:03: geschrieben hat, ein wasserfreies Zahnputzmittel zu bauen. zu bauen.

00:54:08: Und das war tatsächlich dann ein Granulat.

00:54:13: Das war knochentrocken. Da brauchst du keine Stabilisatoren,

00:54:16: Keimhemmer oder irgendwas.

00:54:17: Habe ich so verstanden, das war eine Auftragsarbeit? Eine Doktorarbeit. Okay.

00:54:22: Also der Doktorand schreibt im Auftrage eines Vessels so und dann verteidigt

00:54:28: er das und dann heißt der Doktor vor. Nicht mehr nur Herr.

00:54:34: Und bei dieser Arbeit hat mich dem Zahnarzt geholfen.

00:54:39: Also einfach, weil es witzig war. und weil es auch mal wieder was Neues war,

00:54:43: was anders war und mit dem Kittel und durch so ein Labor rennen,

00:54:46: also so ein Pharma-Labor, mit einem Professor sprechen und noch mit einem anderen

00:54:51: Professor und ach, was weiß ich, das war alles schick und wichtig.

00:54:56: Und als er mit seiner Doktorarbeit fertig war, hat mich die Idee,

00:54:59: so grundsätzlich, aber nicht in Ruhe gelassen, dass irgendwie,

00:55:02: ja, nee, hm, da war ich noch gar nicht so angefressen.

00:55:06: Da war das eher so der Gedanke des Neueren, des Besseren.

00:55:10: Kritischer wurde es erst, als wir dann über einen Lohnhersteller,

00:55:14: mit dem ich heute noch, der hatte gestern gerade Geburtstag,

00:55:16: wir hatten schon telefoniert, dann gehen wir jetzt mal wieder Bier trinken,

00:55:20: gefunden haben, wo ich mich mit dem damaligen Geschäftsführer so ein bisschen

00:55:23: angefreundet hatte und ihn irgendwie dazu gebracht habe, obgleich er eigentlich für sowas gar nicht

00:55:29: geil, also er findet sowas einfach langweilig, also andauernd kommt bei ihm

00:55:33: einer vorbei, aber irgendwie konnte ich ihn dazu kriegen, dass wir damit weiterspielen und die konnten,

00:55:39: vorgängig Feststoffe, also Tabletten.

00:55:41: Das wäre deren Metier. Und so wurde irgendwann aus dem Granulat eine Tablette.

00:55:47: Und noch immer der Gedanke, wir putzen die Zähne, wir reinigen sie,

00:55:51: wir befreien sie von Belegen, aber nicht mit einem wasserbasierten,

00:55:53: sondern einem Trockenpapier.

00:55:55: Und diese Tabletten, die schon interessant schmecken, also wir haben noch welche

00:56:00: davon, kannst du gerne mal ausprobieren.

00:56:02: Da musstest du schon so eine gewisse innere Überzeugung haben,

00:56:05: um das durchzustehen, bis du dich irgendwann gewöhnt hast und dann stört es

00:56:08: sich nicht mehr, aber am Anfang war das schon herausfordernd.

00:56:12: Und wir hatten einen guten Zugang zu einer Hochschule hier in Berlin und haben

00:56:16: dadurch ganz viele Studenten bekommen, die alle ihre Diplomarbeiten geschrieben

00:56:21: haben bei uns, zu irgendeinem Teilthema.

00:56:23: Und am Ende hatten wir ein fertiges Produkt in einer fertigen Verpackung,

00:56:27: mit Namen, regulatorisch, haben wir das alles völlig missachtet,

00:56:30: also völlig dilettantisch und, ich will nicht sagen illegal,

00:56:32: aber so ein bisschen einfach gemacht und dann verkauft.

00:56:37: Wir haben Leute gefunden, die uns nicht weiter kannten, die haben die bestellt,

00:56:41: bekommen, haben sie benutzt und dann fingen die an Fragen zu stellen.

00:56:45: Wir kommen ja nur von einer im Grunde nicht beweisbaren Theorie,

00:56:49: es hat schon eine gewisse Logik, aber beweisen lässt es sich nicht und fragten

00:56:56: dann so Sachen wie, wo sind die Flecken auf meinen Zähnen, wieso habe ich keine Belege mehr?

00:57:02: Wo ist mein Zahnfleischbluten? Ich habe immer Zahnfleischbluten gehabt.

00:57:04: Nicht doll, aber schon. Habe ich nicht mehr.

00:57:07: Wieso brauche ich keine Spezialzahnpasta mehr? Ich habe immer empfindliche Zähne.

00:57:11: Aber jetzt brauche ich die nicht mehr.

00:57:14: Achso. Ich habe keine Ahnung von dir. Entschuldige. Ich bin gelernter Automechaniker.

00:57:18: Und mache jetzt zufällig hier einen in Zähne. Aber wir wissen das schlicht nicht.

00:57:23: Und dann haben wir angefangen, gerade auch mit Professor Gengler,

00:57:27: ganz viel zu untersuchen und zu forschen und zu belegen, wo könnte das denn

00:57:30: liegen? und stellt sich heraus, alles was wir über Zahnpflege wissen,

00:57:33: ist und war schon immer Schwachsinn.

00:57:35: Es ist komplett falsch.

00:57:37: Alles daran, dieser ganze Gedanke ist falsch.

00:57:42: Und als das raus ist, also ich kann das jetzt so locker vor mich hin erzählen,

00:57:45: ich habe das ungefähr schon 25 Millionen Mal gemacht und ich mache das auch

00:57:49: schon so lange, deshalb geht mir das so locker über die Lippen,

00:57:52: aber damals war das eine völlige Unvorstellbarkeit.

00:57:56: Was für ein Albtraum. Oh Gott, vielleicht ruft keiner die Polizei. Ja, es war ganz schlimm.

00:58:03: Und dann auch noch, unser Geschäftsmodell, Dentallabor, lebt genau davon.

00:58:10: Unser bester Freund ist Karies.

00:58:13: Über 90% dessen, was so ein Dentallabor macht, hat am Ende Karies als Ursache.

00:58:18: Ohne Karies gäbe es uns gar nicht.

00:58:21: Also uns gäbe es nicht, also andere Labore gäbe es, aber nur ganz klein,

00:58:26: ganz wenig. Weil natürlicherweise hält der Zahn einfach durch.

00:58:30: Der ist besser. Der ist so gebaut.

00:58:34: Und das war schon wirklich krass und ich fühlte mich schon wieder so echt angepisst.

00:58:40: A, weil mir alle dummes Zeug erzählt haben und es ja nun klar ist,

00:58:45: dass es falsch ist, darauf hätte ja auch einer mal mit Absicht kommen können,

00:58:47: also im Nachhinein, das ist wirklich die Frage, wieso sich niemand die Frage

00:58:51: gestellt hat, warum wir so viel Ärger haben rund um die Zähne und das geht ja alles noch viel,

00:58:55: viel, viel, viel weiter inzwischen, bis hin zu Alzheimer.

00:58:59: Da hätte mal einer drauf kommen können. Damit hätte man sich wirklich mal beschäftigen können.

00:59:04: Und dann hätte das auch mal einer rausbekommen. Haben sie aber nicht.

00:59:07: Ich muss dich insofern kurz bremsen, weil ich mir die ganze Zeit die Frage stelle.

00:59:12: Du bist zur Zahnputztablette gekommen, da warst du roundabout 40 Jahre alt.

00:59:18: Die erste Tablette kam in die Welt, da wurde ich 40, das stimmt, 2003.

00:59:23: Nee, 41, wie auch immer. Aber ich hatte das ja schon ein paar Jahre vorher angefangen.

00:59:29: Das hat alles eine Weile gedauert. 97, glaube ich, war die Verteidigung oder so.

00:59:34: Du machst Stand-Ups jetzt seit 20 Jahren.

00:59:38: Die Geschichte, die du mir gerade erzählt hast, und ich meine nicht die Geschichte,

00:59:41: sondern deine Entrüstung über, warum die Menschen nicht verstehen,

00:59:45: dass sie sich etwas Furchtbares antun, wenn sie mit viel einfacheren Mitteln

00:59:50: sich was wirklich Gutes antun könnten.

00:59:53: Die hast du wahrscheinlich seitdem, naja, sagen wir mal 10.000 Mal erzählt.

00:59:58: Und ich würde behaupten, dass du es mit einer sehr hohen Intensität und einer

01:00:02: sehr hohen Leidenschaft nicht müde wirst zu erzählen, weil es etwas ist,

01:00:06: woran du ja wirklich glaubst. Ja.

01:00:09: Du musstest 40 Jahre alt werden, um etwas zu finden, was sich nicht mehr loslässt.

01:00:15: Und mich den Rest meines Lebens wahrscheinlich begleiten wird, ja.

01:00:18: Wie kommt das? Also du hast ja wahrscheinlich nicht irgendwie ein Leben lang

01:00:22: in den Spiegel geschaut und deine Zähne betrachtet und dachtest,

01:00:26: man müsste da was tun, sondern es war ja fast so ein, ich würde behaupten,

01:00:30: fast so ein Moment wie damals in der dritten Klasse, als du das Tadel bekommen

01:00:34: hast und beschlossen hast, nee, ich werde nie wieder jemanden schlagen.

01:00:38: Hatten. Und die Entscheidung, ich werde nicht mehr aufhören,

01:00:42: etwas anderes zu machen, bis die Menschen verstehen, dass Anpasta einfach falsch

01:00:47: ist. Das ist die Mission.

01:00:48: Die hat sich über die Zeit so ein bisschen immer mal variiert.

01:00:51: Also ursprünglich wollte ich nur, dass Dentops in die Welt kommt und nicht mehr,

01:00:55: weggekickt werden kann. Das habe ich längst erreicht.

01:00:57: Also es gab eine Zeit über 100

01:00:59: Nachahmer und so. Also die Kategorie kriegt keiner mehr so weggewischt.

01:01:04: Das kriegst du nicht mehr aus der Welt. Dafür sind inzwischen zu viele Leute damit beschäftigt.

01:01:08: Das nächste größere Ziel, also das, was jetzt, und dann höre ich auch wirklich

01:01:11: auf, Zahnpasta aus der Welt zu kriegen.

01:01:14: Also ich bestehe darauf, dass die Kategorie Zahnpasta abgeschafft wird.

01:01:17: Das verstehe ich. Warum ist das so schwer?

01:01:20: Warum tun sich die Menschen, die Industrie, warum sind die da so resistent? Guck dich selber an.

01:01:31: Du bist genauso. Ich auch.

01:01:34: Nach der Geburt kommt die Windel.

01:01:38: Eine Weile, dann macht sie Pause. Im Alter vielleicht wieder.

01:01:43: Direkt nach der Windel kommt die Zahnpasta. Es gibt nichts, was du länger machst.

01:01:47: Zivilisatorisch. Und jeder, dem du über den Weg läufst, also wenig,

01:01:53: also das musst du machen.

01:01:54: Das ist so in dein Gehirn eingebrannt. Das ist unvorstellbar,

01:01:59: was das für eine Wirkung hat.

01:02:00: Ja, ich kann Leuten problemlos auch in ein paar Minuten erklären,

01:02:03: warum das, was wir hier machen, warum Dentabs wichtig ist, warum alles andere Schwachsinn ist.

01:02:07: Ja, es ist nicht nur nutzlos, es richtet Schaden an. Und zwar Kapitalschaden.

01:02:13: Im Menschen, in der Natur auch.

01:02:15: Wobei, das kam ja erst ganz spät. Das ist ja eher so ein nachrangiges Thema gewesen.

01:02:20: Das hat uns eigentlich überhaupt nicht interessiert. Das kam erst durch diese Welle.

01:02:26: Und trotzdem machst du es nicht.

01:02:30: Wobei man dazu sagen muss, das stimmt ja nicht. Also es ist ja nicht so,

01:02:33: dass es die Menschen nicht tun würden, weil eine ganze Menge Menschen nutzen

01:02:38: ja Dentabs oder vielleicht ja auch irgendwelche Nachahmerprodukte.

01:02:42: Also trotz allem, wenn wir in den Supermarkt gehen oder in die Drogerie gehen

01:02:46: und in die Ecke mit den Zahnpflegeprodukten gehen, sehen wir vor allem Zahnpasta.

01:02:52: Was ist an der Industrie das Problem?

01:02:59: Die Industrie ist eigentlich nicht das Problem. Und wenn du sagst,

01:03:03: gibt es ja schon, ja, wir sind relativ bekannt.

01:03:05: Also manche haben den Eindruck, so von außen, wir sind ein Millionenkonzern.

01:03:09: Also wir sind eine richtig große Nummer.

01:03:11: Wir sitzen im Wendiger Hinterhof in einer zusammengefriebenen Spammelbude.

01:03:14: Also ganz klassisch, richtig schön so im Hinterhof.

01:03:18: Und wir haben ja für 2022 ausgerechnet, wenn man all die Tabletten,

01:03:21: die wir in 2022 produziert und verkauft haben, zusammenrechnet und umlegt auf

01:03:26: äquivalent zahmen Pasta-Tuben, dann waren das 1,5 Millionen.

01:03:32: Das klingt so als Zahl ja ganz beeindruckend, aber alleine in Deutschland werden

01:03:38: pro Monat 40 Millionen vertickt.

01:03:43: Wir sind die Größten, wir sind Weltmarktführer, wir sind schon richtig im Geschäft irgendwie.

01:03:48: Nimm alle anderen zusammen und keine Ahnung, dann haben wir nicht 1,5,

01:03:51: dann haben wir 5 Millionen. Lass es 10 Millionen sein, weltweit.

01:03:56: Die meisten Nachahmer sitzen nicht in Deutschland.

01:03:59: Pro Monat werden weltweit zwischen 1 und 1,5 Milliarden Tuben vertickt.

01:04:05: Wir sind vollkommen egal. Wir haben null Impact, wir sind ohne Bedeutung.

01:04:11: Wir sind, ich weiß nicht, wie viele Nullen zwischen dem Komma und der ersten

01:04:15: Eins kommen, wenn es darum geht, über Marktanteile zu reden.

01:04:19: Das ist auch nicht so schlimm.

01:04:21: Ich bin sehr beeindruckt und zufrieden mit dem, was wir schon erreicht haben.

01:04:25: Ist schon so. Wir sind in den Regalen.

01:04:28: Wir haben irgendwie so rund 7.000 Regalplätze, also Drogeriemärkte.

01:04:32: Wir haben super stolz, also richtig, richtig beeindruckt.

01:04:36: Wir machen die Eigenmarke für DM. und, was das Verrückte ist,

01:04:39: wir dürfen es sogar in der Öffentlichkeit sagen.

01:04:41: Also wir dürfen sagen, dass die Donut- und Zahnpilzerblenden von uns gemacht werden.

01:04:44: Das ist schon, also Das ist schon was. Der Scheiß ist aus Bundesverdienstkreuz.

01:04:49: Also das finde ich viel interessanter.

01:04:51: Ja, weil es ja so, das hat eine, dass die das gemacht haben und dass sie es

01:04:56: dann auch mit uns gemacht haben und das war kein einfacher Weg.

01:04:59: Ja, also die hatten ein Anforderungsprofil, das können, wollen und werden wir auch niemals erfüllen.

01:05:05: Und es hat dann mit hin und her und die haben es auch ausprobiert,

01:05:08: ja, aber die anderen waren dann noch schwieriger als ich und am Ende machen

01:05:12: sie es mit uns und das ist schon wirklich, das hat was.

01:05:15: Also das ist mit das Stolz, das worauf ich am stolzsten bin,

01:05:19: wenn man überhaupt darüber reden kann.

01:05:21: Aber marktbedeutend ist es immer noch nicht. Das ändert sich jetzt gerade,

01:05:25: wir haben da eine ganz coole Agentur, mit der wir immer mehr in die Breite der

01:05:29: Öffentlichkeit kommen.

01:05:30: Also ganz viel Pressearbeit, ganz viel Aufklärung, weil Werbung.

01:05:36: Das nützt dir nicht wirklich was. Und schon gar nicht, wenn du das über einen

01:05:39: langen Zeitraum machen kannst und ordentlich durchhalten kannst,

01:05:43: weil du brauchst wahnsinnig viel Geld dafür.

01:05:45: Und am Ende will ich auch gar nicht, dass die Leute auf unsere Werbung mehr

01:05:48: reinfallen, als auf die der anderen.

01:05:50: Sowieso kriegst du aber diese Problematik nicht transportiert,

01:05:52: weil ich muss ja in dein Gehirn rein.

01:05:54: Ich muss dir ja die Chance geben, etwas so Eingebranntes in deinem Gehirn selber wegzunehmen.

01:06:04: Das ist krass. Benutzt du den Tabs? Klar.

01:06:09: Wie lange hältst du das? Ein Jahr? Sagen wir mal halbes. Eineinhalb Jahre.

01:06:13: Ja, reicht. Hast du noch eine Tube Zahnpasta?

01:06:16: Irgendwo versteckt? Irgendwo, ja. Find sie mal. Und dann gehst du zu der Mülleimer,

01:06:22: also draußen, das schwarze Ding mit der Klappe.

01:06:25: Machst es auf. Hältst die Zahnpastatube da drüber.

01:06:29: Und verabschiedest dich auf gar keinen Fall jemals wieder. Und lässt das Ding fallen.

01:06:35: In dem Augenblick geht ein Sturm in deinem Gehirn los.

01:06:40: Das ist irre. Das ist absolut irre. Und neue Leute können dir das gut erklären.

01:06:45: Weil das so tief da drin ist, weil das schon immer unumstößlich richtig war.

01:06:50: Und wenn du das nicht machst, kommst du mindestens ins Fegefeuer.

01:06:54: Oder in die Hölle. Oder noch viel schlimmer, zum Zahnarzt auf den Stuhl.

01:06:58: Und immer dieser Anschiss, den du kriegst, wenn du zum Zahnarzt gehst,

01:07:01: da musst du immer ein bisschen mehr. Nimm mal hier, ich habe hier eine elektrische Zahnbürste.

01:07:05: Und jetzt gehst du hin, gerade wenn du ein Einsteiger bist, und der wird dich

01:07:13: fragen, wo du gewesen bist.

01:07:16: Weil der hat ja ein Erwartungsbild. Und das erfüllst du nicht mehr,

01:07:20: weil deine Zähne einfach zu gut aussehen. Da ist nichts mehr.

01:07:24: Einfach glatte Zähne. Wenn Zähne glatt sind, hast du kaum Belege.

01:07:28: Du hast keinen Zahnstein mehr. So was alles. Ganz normal.

01:07:33: Das geht mit Zahnpässe nicht. und das weißt du alles und das hast du alles durchlebt

01:07:36: und du freust dich auch total darüber, aber in dem Augenblick,

01:07:39: wo du sagst, ich schmeiße meine letzte Zahnpasta Müll, ich werde das Zeug nie

01:07:41: wieder anfassen, geht trotzdem die Revolution im Gehirn los.

01:07:45: Du bist nicht rückfällig, aber es ist total interessant, das zu beobachten.

01:07:49: Was im Umkehrschluss fast noch spannender ist, wenn du diesen Erfolgsprozess durchlebt hast.

01:07:58: Fängst du automatisch an, weiterzusuchen. Weil dieses Erfolgserlebnis löst im Gehirn Endorphine aus.

01:08:06: Und es gibt für das Gehirn nichts Geileres als Endorphine.

01:08:10: Und diese Endorphine hast du bekommen, weil du dich gegen etwas gewehrt hast,

01:08:14: was schon immer richtig war.

01:08:15: Da habe ich meinen Lieblings, habe ich auch selber ausgedacht,

01:08:17: versteckt, wenn richtig schon immer falsch war.

01:08:20: Und du wirst anfangen, automatisch, ob du das willst oder nicht,

01:08:25: anzufangen, anfangen, ist das wirklich richtig, was ich hier tue?

01:08:30: Das habe ich schon immer so gemacht. Das war ja nicht die Frage.

01:08:33: Die Frage ist ja, ist das richtig, was ich hier tue?

01:08:37: Und Automechaniker, Sprit und Blut, 50 Autos, 40 Autos.

01:08:42: Wie selbstverständlich. Mein letztes jetzt noch Auto hat einen Kapitalmotorschall.

01:08:47: Wir sind uns noch nicht sicher, ob wir ihn wirklich reparieren lassen,

01:08:49: weil ich brauche für nichts ein Auto.

01:08:52: Ich habe festgestellt, so viel, wie ich nicht mehr Autofahrer fällt es mir inzwischen

01:08:56: schwer in Berlin ein Hauptauto zu fahren.

01:08:59: Also technisch. Ich komme mir vor wie vom Dorf.

01:09:04: Ich habe einen Brompton Club-Brand. Geilstes Ding der Welt.

01:09:09: Kombiniert mit einer BahnCard 100. Ich steige überall ein, ist mir vollkommen egal.

01:09:14: Ich muss nicht nachdenken. Ich bin gestern von Bremen zurück nach Hannover nach Berlin gekommen.

01:09:18: Ich habe bis heute nicht so ganz verstanden, was ich da eigentlich gemacht habe.

01:09:21: Ich bin einfach in die Züge eingestiegen.

01:09:23: Das ist so geil. Ich muss mich nicht Nicht mehr mit Autoverkehr umplanen,

01:09:27: mit Parken, mit Auto kaputt. Ich muss nicht tanken. Brauche ich alles nicht.

01:09:31: Über Axel. Ich würde dir gerne abschließend eine Frage noch stellen.

01:09:36: Und zwar, wenn du der Axel in 20 Jahren dir den mal vorstellst,

01:09:44: wie wird er über den Axel in 5 Jahren denken?

01:09:50: Alles richtig gemacht. Alle Fehler gemacht.

01:09:56: Aber die Grundhaltung war immer richtig. An der zweifle ich auch nicht.

01:10:00: Genervt bin ich von meiner eigenen Unfähigkeit.

01:10:04: Es gibt halt Sachen, die ich nicht kann. Ich bin zum Beispiel kein,

01:10:08: ich bin nicht gut in Menschenführung. Ich bin kein guter Unternehmer.

01:10:11: Also das sagt man immer so, ja, aber das ist doch toll, ein guter Unternehmer.

01:10:14: Ja, aber so meine Position als Geschäftsführer in einem Unternehmen,

01:10:17: also ich würde mich nicht einstellen. Ich bin das nur, weil wir noch keinen

01:10:20: anderen gefunden haben.

01:10:22: Das sind alles, das ist nicht meine Welt. Das ist eine Zwangsläufigkeit.

01:10:27: Aber im Prinzip, im Grunde alles richtig.

01:10:30: Und wahrscheinlich, keine Ahnung, also ich werde aus dem Grab wahrscheinlich

01:10:33: noch irgendwen mit hinterzuwerfen.

01:10:35: Falls wir dann nicht irgendwann diesen Durchbruch gehabt haben.

01:10:38: Ich gehe ja davon aus, dass es jetzt irgendwann mal klappt.

01:10:42: Und dann kommt auch die Industrie. Also allein die Tatsache,

01:10:46: dass wir nach so langer Zeit und so einer hat doch zwar nicht Anteilspräsenz,

01:10:51: aber Marktpräsenz und Öffentlichkeitspräsenz,

01:10:55: die großen Player mich immer noch entspannt gewähren lassen,

01:10:58: also nichts sagen, also einfach gar nichts,

01:11:01: zeigt mir, dass die wissen ganz genau, was ich tue, die sind echt blöd.

01:11:05: Und im Grunde genommen sind sie ein bisschen neidisch. Weil sie können das nicht machen.

01:11:11: Die können nicht einfach Zahnpflanzerblätten machen. Und was sie machen müssen,

01:11:14: wäre wäre die komplette Umstellung innerhalb relativ kurzer Zeit,

01:11:17: also wir reden hier so von zwei, drei Jahren.

01:11:19: Um dann die neue Strukturen aufzubauen und dann können sie es auch machen.

01:11:22: Weil aus deren Sicht sind die Tabletten ja ein blanker Traum.

01:11:26: Ja, die sind klein, leicht, unkompliziert herzustellen, ewig haltbar,

01:11:30: haben echte Auswirkungen, kannst du richtig was, also da kannst du richtig Werbung für Dinge machen.

01:11:36: Nur sie können nicht beides gleichzeitig machen. Weil wenn du weißt,

01:11:39: was Dentabs sind und sagst, tada, wir machen auch Zahnpulver,

01:11:42: wir machen Dentabs, dann weißt du das ja.

01:11:45: Dann weißt du auch, dass das, was du ansonsten machst, deutlich diskutabel ist.

01:11:51: Ich bin ein bisschen verblüfft, dass die Amerikaner, also die amerikanischen

01:11:56: Zahnpasta-Unternehmen da nicht ein bisschen vorsichtiger sind und ein bisschen

01:11:59: schneller regieren oder sich ein bisschen schneller darauf vorbereiten,

01:12:03: weil in Amerika kannst du für sowas natürlich hemmungslos verklagt werden.

01:12:08: Also wir haben Schäden an Menschen feststellen können.

01:12:13: Wir stellen nicht die Schäden fest, sondern wir stellen die Lösung fest.

01:12:16: Also wenn jemand, keine Ahnung, plötzlich kein Zahnarzt-Test mehr hat,

01:12:20: keine Parodontitis mehr hat oder auch Erscheinungen außerhalb der Mundhöhle wegfallen,

01:12:26: nachdem sie umgestellt haben, dann deutet das sehr stark darauf hin,

01:12:30: dass Zahnpasta die eigentliche Ursache für ein Problem ist.

01:12:33: Und wenn du das weißt und es trotzdem weiter verkaufst, dann läufst du Gefahr,

01:12:37: dass irgendwelche Anwaltskanzleien ein cooles Geschäft verstehen.

01:12:43: Ich bin ein bisschen erstaunt, aber so hektisch ist es nicht.

01:12:47: Es wird schon. Die werden schon noch kommen.

01:12:49: Und einer der Großen hat ja schon eigene Experimente gemacht.

01:12:52: Die haben einen Marktbeteiligten von uns gekauft. Wir haben ein bisschen rumgespielt und so. Wird schon.

01:12:59: Ich sehe schon, man könnte dich auch um 2.21 Uhr wecken und sagen,

01:13:04: Zahnputztablette und du würdest einfach anfangen.

01:13:06: Wenn du mir netterweise einen Kaffee und eine Zigarette gibst,

01:13:09: weil das ist so meine Nach- und Aufstimmprozedur, aber ansonsten, ja klar.

01:13:13: Es ist nerdy, aber ich mache ja eben auch einfach nichts anderes.

01:13:17: Also ich habe den ganzen Tag damit zu tun, den ganzen Tag immer den Leuten erklären

01:13:22: und ich mache das wirklich gerne. Also nicht missverstehend.

01:13:27: Weil es halt von einer unfassbaren Relevanz ist und weil es gerade jetzt,

01:13:32: wo Transformation das Lieblingsthema für alle ist, ein super Einstieg ist.

01:13:39: Es ist ein super Einstieg in das Verständnis, Transformation ist gut.

01:13:43: Ich verzichte nicht auf das Autofahren. Ich bin froh, dass ich diese Scheiße los bin.

01:13:48: Ich kann ja Auto fahren. Ich kann mir auch einen Porsche leasen oder so.

01:13:51: Also technisch ein cooles Auto, also sensationell.

01:13:55: Aber sowas von unbequem. Außerdem bist du einfach mit einem schnelleren Auto

01:13:58: im Town nicht schneller. Das ist wahr.

01:14:03: Lieber Axel, wir könnten wahrscheinlich noch einige Stunden darüber reden.

01:14:09: Die Frage ist, wie lange man uns zuhören würde.

01:14:12: Ich will es nicht riskieren, aber es war mir trotzdem eine sehr, sehr große Freude.

01:14:16: Und ich würde mich freuen, wenn wir uns bald mal wieder sehen.

01:14:19: Und zumindest bis dahin, als gute Fahrt, ob mit dem Fahrrad oder mit der Deutschen Bahn.

01:14:26: Ich denke, du wirst heute wahrscheinlich wieder ein paar Menschen dazu bekehrt

01:14:30: haben, ihre Zahnpasta über den Mülleimer zu halten und hoffentlich reinzuschmeißen.

01:14:35: Sie werden nicht zurückkommen, sie werden es nicht vermissen und ihre Zähne

01:14:39: werden sie ihnen danken.

01:14:40: Auf jeden Fall. Und wenn irgendwelche Fragen sind, ich bin dir immer ansprechbar.

01:14:45: Ich liebe das, mit Leuten darüber zu sprechen, diese Überzeugungsarbeit zu leisten. Macht Spaß.

01:14:51: Vielen Dank für alles, was ihr auch als Agentur für uns tut und auch für den

01:14:54: Podcast. Ich finde das super interessant. Und die Vorbereitung war nicht ganz einfach.

01:14:59: Also jetzt nicht technisch, das war jetzt keine Herausforderung.

01:15:01: Aber so zu überlegen, okay, was war denn da in der dritten Klasse?

01:15:05: Mich also selber nochmal in diese Zeit zurückzubringen. Wie gehe ich denn heute

01:15:08: damit um? Das war super interessant.

01:15:11: Dankeschön.

01:15:11: Music.

01:15:36: Habe jetzt meinen Kollegen Marc dabei. Hallo Marc. Hallo Sacha.

01:15:41: Du kennst Axel besser und hast auch das Interview eben sehr aufmerksam angehört.

01:15:49: Du hast dich dahingehend mit seinen Motivatoren und Treibern beschäftigt und

01:15:55: versucht so ein bisschen zu destillieren, wer Axel als Mensch ist,

01:16:00: wenn man das versuchen würde, auf zwei, drei Attribute zurückzuführen.

01:16:04: Deswegen, was hast du rausgefunden? Wer ist Axel Kaiser?

01:16:10: Ich würde sagen, Axel ist ein sehr facettenreicher Mensch, aber wenn ich mich

01:16:14: auf drei Treiber fokussieren müsste, dann würde ich sagen, in der Reihenfolge,

01:16:22: Gerechtigkeit, Unabhängigkeit und Neugier.

01:16:26: Gerechtigkeit, Unabhängigkeit und Neugier. Du hast gesagt, in dieser Reihenfolge,

01:16:29: dann lass uns auch in dieser Reihenfolge bleiben.

01:16:32: Warum Gerechtigkeit? Wie macht sich das deiner Meinung nach bemerkbar.

01:16:38: Egal, wann man mit Axel spricht, man spürt immer, dass er für Gerechtigkeit

01:16:44: brennt, dass er einen sehr stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn hat.

01:16:48: Und das hat sich auch in eurem Gespräch sehr deutlich gezeigt.

01:16:53: Er sprach von seinem besten Freund, der ihm die Freundin ausgespannt hat.

01:16:58: Das war vielleicht so ein ganz frühes Beispiel dafür.

01:17:02: Er hat danach auch nie wieder mit dem Menschen gesprochen. Das ist auch so ein

01:17:05: bisschen Ausdruck seiner Burheit, die ich da auch so ein bisschen mit dabei sehen würde.

01:17:13: Oder auch, als er bestraft wurde, dass er einem Klassenkameraden geholfen hat,

01:17:18: indem er sich geprügelt hat.

01:17:20: Das ist auch für mich ein Indiz zu sagen, also Gerechtigkeit.

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