Digitale Zukunft gestalten: Amanda Maiwald von Complori (#7)
Shownotes
Herzlich willkommen zu „Lifeline“ – dem Podcast, der die inspirierenden Lebensgeschichten außergewöhnlicher Persönlichkeiten beleuchtet. In dieser Episode spricht Host Sachar Klein mit Amanda Maiwald, Co-Gründerin von Complori, über ihre Mission, Kinder mit Future Skills auszustatten, um sie von Konsument:innen zu Gestalter:innen ihrer digitalen Welt zu machen.
Amanda erzählt von ihrer Kindheit in Berlin, ihrem frühen politischen Engagement und der prägenden Zeit in Australien, die ihre Selbstständigkeit und Entschlossenheit formte. Sie berichtet über ihren beruflichen Einstieg bei CleverShuttle und wie sie dort wertvolle Erfahrungen sammelte.
Ein Gespräch über Resilienz, Entdeckergeist und die Kraft der Bildung. Begleite uns auf dieser inspirierenden Reise und entdecke, was Amanda antreibt.
Amanda Maiwald bei LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/amanda-maiwald/
Mehr zu unserem Partner Complori: https://complori.com/
Abonniere unseren Newsletter: https://hypr.beehiiv.com/
Mehr zu hypr: https://www.hypr.partners/
Sachar Klein bei LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/sacharkriwoj/
Pia Hörlberger bei LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/pia-hörlberger/
hypr bei LinkedIn: https://www.linkedin.com/company/hypr-partners/
Transkript anzeigen
00:00:00: Und da kam natürlich nochmal ein Fokus drauf, durch die Lockdowns während der
00:00:04: Pandemie, dass man wirklich immer wieder gelesen und gehört hat,
00:00:07: die Schulen schaffen es nicht mehr, die Arbeitsplätze zu den Kindern nach Hause zu bekommen.
00:00:11: Und habe dann gemerkt, okay, das kann nicht sein, da müssen wir was tun.
00:00:16: Und ich glaube, so nach dem Glaubenssatz, den ich habe, nicht nur meckern,
00:00:20: sondern auch was machen,
00:00:21: war dann der Gedanke, ein Bildungsprodukt für Kinder zu bauen,
00:00:25: mit dem wir Kindern 21st Century Skills wie Programmieren beibringen,
00:00:29: hat sich dann sehr organisch, sehr natürlich angefühlt.
00:00:33: Music.
00:00:55: Herzlich Willkommen zu einer neuen Episode von Lifeline. Mein Name ist Sacha
00:00:59: Klein und ich bin Host dieses Podcasts und Geschäftsführer der Kommunikationsberatung Hyper.
00:01:04: Wir arbeiten für Menschen, die die Welt von morgen bauen. Und durch Lifeline,
00:01:10: einem Instrument, das wir in unserer Arbeit verwenden, lernen wir,
00:01:14: was diese Menschen antreibt und besonders macht.
00:01:17: Meine heutige Gästin heißt Amanda Maywald. Amanda ist Co-Gründerin und Co-Geschäftsführerin
00:01:24: des Bildungs-Startups Complori.
00:01:26: Mit Complori versucht sie Kindern, die Fertigkeiten der Zukunft zu vermitteln.
00:01:32: Und das ist, weiß Gott, nicht nur Coding und das Entwickeln von digitalen Anwendungen.
00:01:38: Und Amanda hat ein durchaus bewegtes Leben hinter sich, das sie letztlich in
00:01:46: die Lage versetzt hat, die Dinge, die sie sieht, nicht zu akzeptieren,
00:01:49: sondern sich immer die Frage stellt, geht es nicht besser?
00:01:52: Und vor allem, geht nicht, gibt es nicht.
00:01:55: Nur weil wir heute dafür noch keine Lösung haben, heißt nicht,
00:01:59: dass es dafür nicht auch eine Lösung gibt.
00:02:02: Music.
00:02:15: Gehörst zu diesen ganz, ganz wenigen Menschen im deutschen Digitaldschungel
00:02:21: und Startup-Ökosystem, die wirklich in Berlin geboren sind. Ist das die Möglichkeit?
00:02:28: Das ist die Möglichkeit, ja, Sacha. Ich erzähle das auch häufiger mal und die
00:02:33: Leute sagen in der Regel im Startup-System in Berlin, wow, ich habe noch nie
00:02:37: jemanden getroffen in der Gründerszene, der oder die aus Berlin wirklich kommen.
00:02:42: Ich fühle mich manchmal wie so ein buntes Schaf hier.
00:02:46: Wie konnte das passieren? Deine Eltern waren nicht nur auf der Durchreise, nehme ich an.
00:02:52: Nein, meine Eltern sind nach der Wende nach Berlin gezogen. Also ich bin Erstgeneration
00:02:57: Berlinerin, wenn du es so sehen willst.
00:02:59: Meine Eltern kommen nicht aus Berlin, sind aber nach der Wende nach Berlin gezogen.
00:03:04: Ich glaube, währenddessen eigentlich gerade im Ausland und haben dann gesagt,
00:03:07: es passiert gerade so viele Dinge in Berlin, da müssen wir hin.
00:03:10: Und deswegen bin ich in Berlin geboren und aufgewachsen. Cool.
00:03:14: Wie hast du Berlin erlebt als Heimatstadt, als Kind?
00:03:24: Meine Kindheits- und Jugenderlebnisse von Berlin sind, glaube ich,
00:03:28: sehr anders als Menschen, die nach Berlin ziehen, es erwarten.
00:03:33: Ich bin im Tempelhof aufgewachsen, außerhalb vom Ring.
00:03:37: Meine Eltern hatten einen kleinen Garten und so einen Hof, wo die ganzen Nachbarskinder
00:03:43: immer zusammen gespielt haben.
00:03:45: Also ich bin sehr idyllisch aufgewachsen, so an der Endstation von der U6.
00:03:51: Und habe deswegen jetzt nicht, sage ich mal, mitten in Berlin im Asphalt-Jungle-Jungle
00:03:56: meine Kindheit verbracht.
00:03:59: Und als Kind, und das ist mir natürlich auch erst aufgefallen,
00:04:02: als ich dann erwachsen geworden bin und weiter ins Stadtzentrum gezogen bin,
00:04:07: aber als Kind verbringt man, wenn man nicht gerade in der Mitte von Berlin lebt,
00:04:13: auch sehr wenig Zeit wirklich im Stadtzentrum, weil man irgendwie an seinem
00:04:17: Wohnort ist Und man geht zur Schule und geht vielleicht noch zu seinem Sportverein
00:04:20: und das findet ja alles in so einem gewissen 2 Kilometer Radius um die eigene Wohnung statt.
00:04:25: Das heißt, ich bin meistens nur in die Stadt rein oder weiter ins Zentrum am
00:04:31: Wochenende, wenn wir irgendwie damals einen Ausflug zum Museum oder so gemacht haben mit der Familie.
00:04:37: Ich finde es auch so lustig, ich bin auch in Berlin aufgewachsen,
00:04:39: aber im Gegensatz zu dir tatsächlich nicht in Berlin geboren.
00:04:42: Ich bin erst mit vier, knapp fünf Jahren nach Berlin gezogen.
00:04:45: Und immer wenn Leute sagen, lass mal in der Stadt treffen, dann frage ich mich
00:04:49: in erster Linie und vor allem auch die Leute, ganz später umso mehr,
00:04:54: als Berlin ja auch immer gefühlt immer größer geworden ist.
00:04:59: In welcher Stadt meinst du, weil ich auch das Gefühl habe, dass jeder Bezirk
00:05:02: ja irgendwie auch sein eigenes Zentrum hat.
00:05:04: Ja, total. Ich merke das auch immer, dass ich glaube, ich war wahrscheinlich
00:05:08: so 17, als ich das erste Mal in Prenzlauer Berg war, weil es für mich nie einen
00:05:12: Grund gab, hinzufahren.
00:05:13: Und auch jetzt, wenn ich nach Prenzlberg fahre, fühlt es sich für mich nicht an wie Berlin.
00:05:17: Also es fühlt sich für mich an wie so eine nette, kleine, aufgeräumte,
00:05:21: kleine Stadt, aber nicht wie wirklich Berlin.
00:05:24: Und ich habe den Eindruck, dass die meisten, die nach Berlin ziehen,
00:05:27: tatsächlich nach Prenzlberg ziehen.
00:05:29: Das finde ich immer sehr spannend, wie groß die Unterschiede zwischen den Bezirken sind.
00:05:34: Ja, kann ich total bestehen. Für mich ist auch ein Ausflug nach Prenzlauer Berg,
00:05:38: also fast mit dem gleichen zeitlichen Aufwand verbunden, wie nach Magdeburg zu kommen.
00:05:42: Und es fühlt sich auch so ein bisschen wie Urlaub an.
00:05:45: Insofern kann ich das total nachvollziehen. Du hast gerade schon über deine
00:05:49: Eltern erzählt und dass sie im Ausland waren und nach der Wende nach Berlin
00:05:56: gezogen sind, du in Berlin geboren bist.
00:05:58: Kannst du uns ein bisschen was über deine Familie erzählen, deine Herkunft und
00:06:02: was für ein Umfeld du aufgewachsen bist?
00:06:06: Ja, total gerne. Ich bin in Altmariendorf in Tempelhof aufgewachsen.
00:06:11: Ich habe einen jüngeren Bruder.
00:06:14: Meine Eltern sind nach der Wende nach Berlin gezogen und ich bin in einem sehr,
00:06:18: ich glaube, idyllischen Familienleben aufgewachsen.
00:06:23: Bei, ich glaube, was meine Familie immer so ein bisschen unterschieden hat von
00:06:27: anderen Familien, mit denen ich damals aufgewachsen bin, dass es immer einen
00:06:30: sehr großen Hang zu Abenteuerreisen gab.
00:06:33: Also bei uns wurden Urlaub priorisiert über ein großes Auto oder so.
00:06:39: Also ich bin ohne Auto aufgewachsen, aber habe dafür schon als relativ kleines
00:06:43: Kind viele Fernreisen gemacht, weil die Welt entdecken immer ein großes Thema
00:06:48: war bei mir in der Familie.
00:06:51: Und gleichzeitig war auch viel politisches Interesse in meiner Familie.
00:06:56: Also am Abendtisch wurde irgendwie über politische Themen gesprochen.
00:07:00: Meine Eltern waren beide politisch engagiert gewesen.
00:07:04: Das heißt, ich habe da schon von Anfang an immer sehr viel politisches Interesse
00:07:08: auch mitgegeben bekommen.
00:07:10: Hast du ab irgendeinem Zeitpunkt auch mitdiskutiert oder hat man deinen Bruder
00:07:16: und dich auch in diese Diskussion mit eingebunden?
00:07:20: Ja, ich glaube, wir wurden schon sehr früh in Unterhaltung mit einbezogen von unseren Eltern.
00:07:26: Ich glaube, wir wurden schon als sehr junge Menschen irgendwie als mündige Menschen
00:07:31: behandelt und auch schon früh auf Demonstrationen mitgenommen.
00:07:37: Also diese politische Meinungsbildung hat bei mir schon sehr früh angefangen.
00:07:42: Hast du dann diese politische Meinung auch an anderen Orten zum Besten gegeben
00:07:48: und warst in der Schule in irgendeiner Weise politisch aktiv oder hast du dich da engagiert?
00:07:54: Ich glaube, ich war nicht so aktiv wie vielleicht andere, aber meine Schule
00:07:57: war schon relativ politisch, würde ich sagen, so allgemein. Also sehr viele
00:08:02: waren irgendwie engagiert in der einen oder anderen Form.
00:08:05: Ich glaube, woran ich mich noch am bildlichsten erinnere, ist,
00:08:08: dass wir eine Referendarin hatten, die ganz toll war und die wir alle behalten
00:08:13: wollten, aber die Schule wollte sie nicht behalten.
00:08:16: Und ich glaube, ich habe da so eine Unterschriftenaktion an meiner Schule gestartet,
00:08:19: um diese Referendarin zu behalten.
00:08:23: Das weiß ich noch.
00:08:28: Cool. Hat es geklappt? Nee, leider nicht.
00:08:34: Du hast dich davon wahrscheinlich trotzdem nicht entmutigen lassen und bist
00:08:37: wahrscheinlich sogar noch lauter geworden in deiner Stimme und in deinen Forderungen.
00:08:46: Ja, also ich meine, das ist ja auch schon eine Weile her, aber ja,
00:08:48: ich habe das, also ich glaube, so ein gewisses Einstellen zu,
00:08:53: also das kann ich, also geht nicht, gibt es nicht, so nach dem Motto,
00:08:59: so eine Einstellung, was dich stört, ändere das,
00:09:01: so die Mentalität, mit der ich aufgewachsen bin.
00:09:04: Und ich glaube, das ist auch so ein Moment, was ich sehr stark in Erinnerung
00:09:09: habe, dass es halt nicht okay war, einfach irgendwie zu Hause zu sitzen und
00:09:12: zu meckern, sondern man dann halt überlegen muss, okay, was kann ich jetzt daran
00:09:16: ändern, was kann ich beitragen, sodass die Situation besser wird.
00:09:20: Hast du für dich eine Erklärung, woher genau diese Beharrlichkeit herkommt?
00:09:27: Aus vielleicht auch der Berufswahl deiner Eltern oder aus irgendeinem Gespräch?
00:09:33: Gibt es da irgendetwas, woran du das festmachen kannst, dass dieses Geht-nicht-gibt's-nicht
00:09:37: in deinem Kopf so verankert ist?
00:09:43: Ich glaube, das kommt aus verschiedenen
00:09:46: Punkten, aber schon sehr stark aus meiner familiären Prägung.
00:09:50: Ich glaube, einerseits, weil ich glaube, besonders meine Mutter immer sehr stark
00:09:54: auch so diesen Glaubenssatz hat, kann ich nicht, heißt will ich nicht.
00:09:57: So ein Satz, der mir in Erinnerung sehr stark im Kopf ist.
00:10:02: Aber meine Mutter war auch sehr aktiv bei Greenpeace und dann auch eine Zeit
00:10:08: lang Aufsichtsratssprecherin von von Greenpeace Deutschland,
00:10:12: also sehr aktivistisch auch unterwegs und,
00:10:17: im Grunde was man so Aktionen von Greenpeace oder Organisationen wie Greenpeace ja tun,
00:10:23: sind ja im Grunde, naja, den Status Quo zu hinterfragen und Dinge einzufordern
00:10:29: und eben nicht zu akzeptieren, dass Dinge einfach so sind, wie sie sind und ich glaube,
00:10:34: das ist was, was mir schon sehr früh mitgegeben wurde. Hm.
00:10:40: Zumal Greenpeace ja auch tatsächlich eine Organisation war und ist,
00:10:44: die es ja auch immer wieder schafft,
00:10:46: Campaigning tatsächlich sehr wirkungsvoll stattfinden zu lassen und Forderungen
00:10:52: auch sehr visibel zu machen durch kluges Campaigning.
00:10:59: Du bist, als du zur Schule gegangen
00:11:02: bist, ja zu einem eigenen Abenteuer ausgeflogen, kann man ja fast sagen.
00:11:09: Und eben nicht nur die Reisen, die du mit deinen Eltern oder die ihr als Familie
00:11:14: bestritten habt, sondern du bist nach Australien gegangen und das ist etwas,
00:11:16: was dich so stark geprägt hat, dass du es eben auch als Lifeline-Station aufgeschrieben hast.
00:11:21: Was war das Besondere daran und wo genau warst du in Australien?
00:11:25: Ich war in der 11. Klasse ein halbes Jahr im Süden von Australien, in Adelaide. Ja.
00:11:32: Und das war natürlich eine total aufregende Zeit in meinem Leben,
00:11:36: weil das so das erste Mal war, dass ich aus dem Elternhaus ausgeflogen bin und
00:11:40: alleine nach Australien geflogen bin und dann da in einer fremden Familie wirklich
00:11:44: ein halbes Jahr lang gelebt habe.
00:11:47: Und ich glaube, das hat mich einen Riesensprung vorangebracht in meiner Selbstständigkeit
00:11:50: und auch in meiner Selbstsicherheit mit mir selber.
00:11:56: Ich habe unglaublich viel davon selber organisiert. Also in der 11.
00:12:00: Klasse ins Ausland zu gehen, ist ja was, was viele Kinder und Jugendliche mittlerweile machen.
00:12:06: Und ich bin auch sehr happy, dass ich das Privileg dazu hatte,
00:12:09: das tun zu können. Das ist ja auch nicht selbstverständlich und kostet auch
00:12:12: eine gewisse Menge Geld.
00:12:14: Aber ich habe sehr viel davon selber organisiert, während andere Kids irgendwie
00:12:17: mit so Organisationen ins Ausland gegangen sind, wo man dann so eine komplette
00:12:21: Betreuung hatte und irgendwie noch gebrandete Sachen von der Organisation bekommen
00:12:25: hat, habe ich das im Grunde,
00:12:27: wo es über die Schule in Australien selber organisiert.
00:12:31: Also das heißt, wir haben so die ganze Organisation, die Handhelden,
00:12:34: das organisiert, ausgelassen und haben das quasi selber organisiert.
00:12:39: Und ich habe das im Grunde mit 15, 16 sehr viel eigenständig gemacht in der
00:12:45: Vorbereitung und bin dann hin und hatte da auch irgendwie überhaupt keine Zweifel,
00:12:49: dass das irgendwie schief gehen könnte.
00:12:51: Also ich war da von Anfang an, bin ich manchmal ein bisschen überrascht,
00:12:53: dass ich da einfach so hingefahren bin und irgendwie überhaupt nicht aufgeregt
00:12:56: war, dass es jetzt irgendwie blöd werden könnte und war dann in Australien auch
00:13:00: sehr eigenständig unterwegs, dadurch, dass die Gastfamilien, in denen ich war,
00:13:06: eine Familie war, die keine eigenen Kinder mehr hatte in meinem Alter,
00:13:09: sondern die Kinder waren schon aus dem Haus.
00:13:12: Und es war im Grunde niemand in meinem Alter da, musste ich so ein bisschen
00:13:16: mich auch dann alleine durchkämpfen an der Schule und was ich jeden Tag mache und,
00:13:22: gleichzeitig ist das Schulsystem auch in Australien so, dass man sehr selbstständig
00:13:25: sein muss und es sehr viel Eigenwahl gibt in Fächern und was man tut.
00:13:30: Und ich war dann im Grunde ein halbes Jahr ziemlich, ja, ziemlich viel alleine
00:13:34: gemacht, umgesetzt, irgendwie mir neue Hobbys gesucht, da Leute kennengelernt.
00:13:40: Also es war wirklich, ich glaube, ein ziemlicher Entwicklungssprung, den man da gemacht hat.
00:13:44: Und ich habe damals, ich glaube, das war auch der Punkt, wo ich so für mich gemerkt habe,
00:13:48: dass ich gut darin bin, mir selber Dinge beizubringen, weil in Australien,
00:13:52: das erinnere ich mich noch dran, dass der Matheunterricht zum Beispiel so war,
00:13:55: dass da gar nichts erklärt wurde,
00:13:56: sondern man eigenständig im Grunde das Mathebuch durchgearbeitet hat.
00:14:00: Und das war so ein Punkt, glaube ich, der bei mir Klick gemacht hat.
00:14:03: Aha, ich kann mir richtig krass viel selber beibringen. Ich brauche nicht unbedingt
00:14:06: jemanden, der vorne an der Tafel steht.
00:14:08: Und ich glaube, das ist auch so ein Punkt, den ich mitgenommen habe.
00:14:10: Im Grunde kann ich mir alles selber beibringen, Mentalität.
00:14:15: Gab es bei euch zu Hause im Vorfeld Gespräche darüber, warum es ausgerechnet Australien sein muss?
00:14:22: Ich überlege jetzt einfach nur mal so neun Jahre in die Zukunft gedacht,
00:14:26: wenn mein Sohn in dem Alter sein wird, dass er dann auch ins Ausland gehen könnte.
00:14:32: Und wir das, glaube ich, auch per se gutheißen würden, eben aufgrund der Entwicklung,
00:14:36: die er dann nehmen könnte und auch aufgrund der Tatsache, dass er eben noch
00:14:39: ein anderes Land, vielleicht auch eine andere Kultur kennenlernt.
00:14:42: Gleichzeitig ist es so, dass ich denke, Australien, das ist ja schon buchstäblich
00:14:46: das andere Ende der Welt.
00:14:48: Und du kannst einfach mal nicht, wenn irgendetwas ist, kurz mal vorbeischauen
00:14:51: und dich vergewissern, dass alles in Ordnung ist.
00:14:56: Haben deine Eltern versucht zu sagen, du, es ist zwar super,
00:14:59: dass du dein Englisch irgendwie nochmal aufmöbeln möchtest, aber geht das nicht
00:15:02: auch irgendwie in England?
00:15:03: Oder wenn es ein bisschen waghaltiger ist, vielleicht sogar in Schottland oder sowas?
00:15:08: Also haben sie dich einfach gehen lassen?
00:15:13: Ja, sie haben mich einfach gehen lassen. Also ich glaube, der Abschied dann
00:15:17: tatsächlich am Flughafen war schon hart.
00:15:19: Aber es gab da überhaupt gar keine Diskussionen drum, weil es im Grunde alles
00:15:24: von meinen Eltern von Anfang an angestiftet wurde.
00:15:28: Meine Eltern waren für damalige Verhältnisse sehr abenteuerlustig.
00:15:32: Also die haben irgendwie Anfang der 90er zwei Jahre lang in Japan gelebt und
00:15:39: sind dann, als ich klein war, als mein Bruder und ich klein waren,
00:15:43: waren dreimal mit uns in Australien gewesen, jeweils für so zwei bis drei Monate.
00:15:48: Und sie haben dann mit uns so zwei bis drei Monate lang Camping,
00:15:53: Outdoor, Urlaub in Australien gemacht.
00:15:55: Das heißt, ich bin schon so mit diesen Erinnerungen und Familienfotos aus Australien
00:16:00: aufgewachsen. Mein kleiner Bruder hat in Australien laufen gelernt.
00:16:04: Und deswegen konnten sie da sehr schlecht für argumentieren,
00:16:08: nicht so weit zu fahren, weil das ja genau das ist, womit sie mich aufgezogen haben.
00:16:12: Und für mich stand es auch überhaupt nicht in irgendeiner Form zur Debatte,
00:16:16: dass ich irgendwo anders hingehen könnte als Australien.
00:16:19: Also es war irgendwie gar nicht auf dem Tisch von möglichen Optionen,
00:16:23: die ich mir angeguckt hätte.
00:16:26: Ja, für mich ist Australien auch so ein Sehnsuchtsort, in dem ich mit meiner
00:16:32: Frau vor jetzt siebeneinhalb Jahren gewesen bin und tatsächlich wir auch eine
00:16:39: Station in Adelaide hatten und ich seitdem mein großartiges, unnützes Wissen habe,
00:16:44: dass Adelaide eine Stadt ist, die von Deutschen gegründet wurde und ursprünglich
00:16:48: nach einer Adelheit benannt wurde.
00:16:51: Und aus Adelheit eben auf diese Art und Weise Adelaide geworden ist.
00:16:56: Deswegen, falls irgendjemand von euch da draußen mal einen Telefonjoker sucht
00:17:01: für Adelaide, jetzt braucht ihr ihn nicht mehr. Und wir haben dieses Wissen weitergegeben.
00:17:06: Du bist dann allerdings nicht in Australien geblieben, sondern du bist nach
00:17:11: Berlin und Deutschland zurückgekommen,
00:17:12: du hast die Schule beendet und irgendwann hat es dich dann tatsächlich auch
00:17:18: ins Startup-Ökosystem verschlagen und du hattest deine ersten beruflichen Schritte bei Clevershuttle.
00:17:27: Und zwar jetzt auch nicht nur deine ersten beruflichen Schritte,
00:17:30: sondern auch für Clevershuttle warst du eine sehr besondere Person,
00:17:33: weil du ja tatsächlich auch eine der ersten Mitarbeitenden warst.
00:17:36: Vielleicht kannst du uns ein bisschen berichten, wie das war,
00:17:39: in einem recht kleinen, übersichtlichen Unternehmen zu arbeiten.
00:17:43: Und ich nehme einfach mal an, dass du wahrscheinlich auch noch nicht so wahnsinnig
00:17:47: versiert warst und nicht wusstest, was du groß tun wirst.
00:17:51: Es war wieder ein großes Abenteuer.
00:17:54: Ja, schon. Also das war so eine Zeit, mein Klammer-Shuttle war auf jeden Fall sehr prägend.
00:18:00: Ich bin da reingekommen über ein Praktikum.
00:18:03: Eine Kommilitonin von mir hat da schon gearbeitet und ich fand das klang super
00:18:07: cool und ich wollte auch mit rein und dann habe ich mich im Grunde für ein Praktikum beworben.
00:18:11: Und mein Gründer und dann mein späterer Chef meinte dann erst,
00:18:16: sie besuchen gar keine Praktikantin, aber ich könnte ja mal vorbeikommen und
00:18:19: der kann mir irgendwie Feedback auf meinen Lebenslauf geben.
00:18:22: Und irgendwie habe ich mich dann doch irgendwie geschafft, mir einen Praktikumsplatz
00:18:27: dazu zu schnappen, obwohl es eigentlich gar keinen gab.
00:18:32: Und ich glaube, die ersten im Marketing, also im Sommer, und ich glaube,
00:18:37: eine der Fragen war, hast du einen Führerschein?
00:18:41: Im Gespräch, was darum ging, auch in Leipzig und so weiter, irgendwie Aktionen
00:18:46: vor Ort zu machen, woraufhin ich erstmal Ja gesagt habe und ich hatte auch einen
00:18:49: Führerschein, aber ich bin mit diesem Führerschein bis zu diesem Zeitpunkt nur
00:18:51: in Australien mit dem Outback gefahren und war schon,
00:18:54: während ich das gesagt habe, super gestresst, aber hab einfach gesagt,
00:18:57: okay gut, ich brauche ja einen für diese Stelle, also sag ich jetzt Ja und hab
00:19:01: dann auch so Last-Minute quasi wieder so Fahrübungen.
00:19:05: Gemacht in Berlin, um dann irgendwie nach Leipzig zu fahren für dieses Praktikum.
00:19:11: Genau, und bin dann quasi vom Praktikum dann weiter in eine Werkstudentenstelle
00:19:14: und war dann im Endeffekt vier Jahre.
00:19:17: Und ja, es war für mich total die augenöffnende Zeit, weil ich immer gedacht
00:19:24: habe, dass ich total die Generalistin bin und mir nicht so ganz klar war,
00:19:27: wo ich in diesem Generalistentum eigentlich später mal landen kann und möchte.
00:19:32: Und gleichzeitig war das eine Zeit, die total selbstwirksam für mich war,
00:19:36: weil man sofort gesehen hat, was die Arbeit tatsächlich tut.
00:19:40: Gut, also als ich bei Clevershuttle gestartet habe, Clevershuttle ist ein Mobilitäts-Startup gewesen,
00:19:46: gab es gewisse Städte, in denen die aktiv waren, aber Berlin war zum Beispiel
00:19:51: noch nicht aktiv und während wir da waren, haben wir dann Berlin gelauncht und
00:19:54: auf einmal flohen in ganz Berlin die Autos von Clevershuttle rum.
00:19:56: Und das war natürlich mega cool zu sehen, dass man irgendwie vor einem halben
00:20:00: Jahr hat man noch das in der Theorie geplant und sechs Monate später fährt man
00:20:04: in den gebrandeten Autos durch die Stadt.
00:20:09: Und das hat mich, glaube ich, so das erste Mal, diese Option für mich aufgemacht,
00:20:13: selber was zu gründen, weil ich auch die Gründer dann gut kannte und ich mir
00:20:17: gedacht habe, na gut, wenn die das können, dann kann ich das auch.
00:20:21: Und das war, glaube ich, so der Punkt, wo so das Thema selber in einem Startup
00:20:25: für mich das erste Mal wirklich als Option auf dem Tisch lag.
00:20:33: Hattest du da schon irgendeine Idee, was so eine Gründung für dich inhaltlich
00:20:38: bedeuten könnte, also in welche Richtung es gehen könnte?
00:20:41: Oder war das erstmal überhaupt nur so der Gedanke, ja, vielleicht schaffe ich
00:20:45: das ja auch selbst, mein Unternehmen zu gründen oder vielleicht auch mehr als
00:20:48: nur vielleicht? reicht.
00:20:51: Damals gab es da inhaltlich noch gar keine Ausrichtung. Also ich hatte so den
00:20:56: Gedanken, hey, das würde ich auch gerne mal machen, ohne jetzt einen Fokus zu
00:21:00: haben auf wann, in welchem Setup, mit welchem Thema, sondern wirklich einfach nur,
00:21:05: so das Gefühl, dass ich mich da im richtigen Umfeld mitbewege,
00:21:10: mit meinen Fähigkeiten und Stärken und meinen Interessen,
00:21:14: und habe das dann einfach so für mich im Kopf, im Hinterkopf,
00:21:16: sage ich mal, abgespeichert.
00:21:20: Du hast gerade diese Fähigkeiten angesprochen, von denen du dachtest,
00:21:23: die könnten dich prädestinieren für eine Gründung.
00:21:26: Und ich weiß, es ist immer ein bisschen schwer, über sich selbst zu sprechen,
00:21:29: was man kann oder was man vielleicht auch nicht kann.
00:21:32: Aber kannst du beschreiben, was du an deinem Verhalten, was du an deinen Fähigkeiten
00:21:38: wahrgenommen hast, wovon du dachtest, das passt gut in so ein Skillset einer Gründerin?
00:21:48: Ja, also was passt für meine Fähigkeiten gut?
00:21:51: Ich glaube, das sind viele, viele Fähigkeiten, die man so ein bisschen,
00:21:55: die einem so top auch meint, auch kommen.
00:21:57: Also ich bin einerseits sehr generalistisch unterwegs, kann viele Dinge so zu 80 Prozent.
00:22:04: Habe eine Abenteurer- und Entdecker-Tendenz und probiere gerne Dinge aus und habe,
00:22:12: ich glaube, keine wenig Hemmungen, Dinge zu tun, die ich noch nicht gemacht
00:22:16: habe Oder wo ich keine Expertin drin bin. Also so diesen Trial-and-Error-Approach.
00:22:22: Und habe sehr viel Freude daran, Initiativen zu pushen oder wie so Bötchen ins
00:22:30: Rennen zu setzen und dann zu gucken, wo landen die denn.
00:22:33: Also die Wahrscheinlichkeit für glückliche Zufälle zu erhöhen,
00:22:38: indem man sich öffnet zu verschiedenen Möglichkeiten.
00:22:43: Und ich glaube, dann so eine gewisse Risikobereitschaft gehört natürlich auch dazu.
00:22:47: Also nicht so ein hohes, ich glaube, ich habe in mir drinnen ein sehr hohes
00:22:52: Sicherheitsgefühl und brauche deswegen nicht von außen so ein sehr sicheres Grundsetting,
00:22:57: sondern komme aus einer sehr großen inneren Selbstsicherheit und fühle mich
00:23:05: deswegen wohl in einer Umgebung, die sich sehr schnell ändert,
00:23:07: wo sich sehr schnell Dinge ändern,
00:23:09: wo man auch viel Neues hat und sehr viele Höhen und aber auch Tiefen hat.
00:23:14: Also auch diese Abwechslung und diese schnellen Richtungswechsel sind Dinge.
00:23:20: In denen ich mich gut wohlfühle, würde ich sagen. Ja, du hast parallel zu deiner
00:23:25: Zeit bei Clevershuttle ja auch noch einen Master gemacht.
00:23:32: Und der lief ja, glaube ich, auch tatsächlich nicht so ab, wie du ihn dir ursprünglich
00:23:36: mal ausgemalt hast, weil du gerade das Thema Wechsel angesprochen hast.
00:23:39: Also du hast den Master in Wirtschaftsinformatik gemacht und eben,
00:23:42: glaube ich, war das zumindest nicht dein ursprüngliches Ziel, diese Fachlichkeit.
00:23:52: Also, nein. Es war mein Ziel, einen Master in Wirtschaftsinformatik zu machen,
00:23:57: aber das war nicht mein Ziel, als ich meinen Bachelor angefangen habe.
00:24:00: Ich habe meinen Bachelor nämlich in nachhaltigem Management gemacht an der TU Berlin.
00:24:04: Das ist ein Bachelor in BWL mit sozial-ökologischem Schwerpunkt und habe dann
00:24:10: während des Bachelors gemerkt,
00:24:12: weil ich mich in Informatikvorlesungen aus Interesse gesetzt habe und ich bei
00:24:17: Clevershuttle die Entwickler und Entwicklerinnen kennengelernt habe und mir
00:24:20: dachte, was machen die eigentlich den ganzen Tag.
00:24:22: Habe ich das in der TU Berlin ausprobieren können und habe dann gemerkt,
00:24:26: dass ich das super spannend finde, programmieren zu können, weil man damit im
00:24:31: Grunde Dinge von Null aufbauen kann.
00:24:35: Und habe dann im Grunde nach dem Bachelor ein Jahr lang einfach Informatikvorlesungen
00:24:41: besucht in der TU Berlin, um
00:24:43: die Grundlagen aufzubauen und die Voraussetzungen für den Master zu haben.
00:24:48: Aber ohne, entschuldige, dass ich dich unterbreche, aber ohne,
00:24:52: dass du da in irgendeiner Weise quasi den Auftrag hattest aus deinem Studium
00:24:56: heraus, sondern aus purem Interesse.
00:25:00: Ja, also genau, aus Interesse. Und ich habe mir dann zu Ende des Bachelors überlegt,
00:25:04: dass ich einen Master in Wirtschaftsinformatik machen möchte.
00:25:07: Und da war mir klar, okay, ich muss jetzt noch ein paar Grundlagen aufbauen.
00:25:10: Und habe dann diese ganzen Grundlagenfächer belegt, im Grunde für über ein Jahr.
00:25:15: Ja, die TU Berlin hat da den Vorteil, die ist sehr locker in ihrer Einschreibesystem.
00:25:22: Das heißt, ich war offiziell noch in meinen Bachelor eingeschrieben und hatte
00:25:26: dann einfach ein Jahr lang Zeit, um die ganzen Module zu machen,
00:25:29: die ich gebraucht habe, um dieses Grundlagenwissen aufzubauen,
00:25:33: um dann einen Master Wirtschaftsinformatik zu machen.
00:25:42: Als du dich auf Wirtschaftsinformatik mit dir selber verständigt hast und gesagt
00:25:49: hast, das ist das, was ich jetzt machen werde in meinem Master,
00:25:52: hattest du da irgendetwas vor Augen, naja, was dir das bringen soll,
00:25:58: um es mal so altdeutsch zu sagen.
00:26:00: Also wir wurden ja als Kinder immer noch gefragt, was möchtest du später werden, wenn du groß bist?
00:26:04: Und wenn man dann irgendwie gesagt hat, dies und das, dann hat man gesagt,
00:26:07: ja, dann musst du das und das studieren oder da und da eine Ausbildung machen.
00:26:11: Hattest du irgendetwas vor Augen, was die Wirtschaftsinformatik bringen soll
00:26:14: oder bist du deiner Passion, deiner Leidenschaft, deiner Neugierde gefolgt?
00:26:21: Ich fand es total spannend zu sehen, dass im Grunde die Entwickler bei Clever
00:26:27: Shuttle eine App von Scratch gebaut haben und fand es total schön,
00:26:32: auch diese Fähigkeit zu haben,
00:26:35: im Grunde Dinge zu bauen, Apps zu bauen. Und das war, glaube ich,
00:26:38: immer das Spannende an Informatik.
00:26:39: Für mich einerseits, sage ich mal, Apps zu bauen und quasi neue Dinge in die Welt zu setzen.
00:26:49: Und da, sage ich mal, so sehr auch eigenständig zu sein.
00:26:53: Im Grunde kann ja jeder von irgendwo eine App programmieren,
00:26:55: die in den App Store bringen und damit andere Menschen glücklich machen,
00:27:00: weil die App vielleicht genau das Problem löst, was sie haben.
00:27:03: Deswegen hatte ich da schon einen sehr klaren Grund, ein klares Ziel.
00:27:08: Es war jetzt keine reine akademische Neugierde, sondern wirklich diese Freude
00:27:13: daran. Und ich glaube, das ist auch das, was,
00:27:16: sehr inhärent in mir drin ist, dieser Spaß, Dinge zu bauen, Dinge von Null auf Eins zu bauen.
00:27:22: Und das hat man im Gründen und im Unternehmen zu aufbauen. Das hat man aber
00:27:24: auch, wenn man eine App programmiert, eine App entwickelt.
00:27:28: Und deswegen hatte ich das schon relativ klar vor Augen, dass ich diese Fähigkeiten
00:27:32: gerne hätte und habe deswegen dann das Studium nochmal umgeändert.
00:27:38: Und ich hatte auch nach dem Bachelor das Gefühl, okay, ich habe jetzt einen
00:27:42: Bachelor in Betriebswirtschaftslehre gemacht und habe aber auch gleichzeitig gemerkt,
00:27:46: in der Praxis ist das nochmal was ganz anderes und mir war dann irgendwie auch
00:27:49: klar, okay, es muss jetzt nicht noch ein Master in BWL obendrauf,
00:27:53: das bringt mir für die Praxis nicht so richtig was und habe dann gesagt,
00:27:57: okay, Wirtschaftsinformatik ist eigentlich viel anwendungsorientierter.
00:28:03: Dein Leben, wie du es bisher beschrieben hast, ist finde ich vor allem,
00:28:08: wie du es ja auch letztlich gesagt hast, von vielen Abenteuern gezeichnet gewesen
00:28:13: und hört sich ja auch sehr nachahmenswert an und sehr, sehr positiv.
00:28:20: Und dann kommt jetzt tatsächlich diese eine Station oder dieses eine Ereignis,
00:28:26: von dem man irgendwie hofft, dass es nie kommt oder möglichst weit in der Ferne
00:28:32: liegt, nämlich der Tod eines Elternteils.
00:28:34: Und bei dir war es eben die Mutter, die verstorben ist.
00:28:39: Wie hast du das erlebt? Wie hat dich das geprägt? Mhm.
00:28:45: Meine Mama ist gestorben, als ich 25 war, an Krebs.
00:28:53: Und das war eine unglaublich schwierige Zeit.
00:28:57: Wir haben ein sehr enges familiäres Verhältnis und ich war immer unglaublich stolz auf meine Mutter.
00:29:04: Und sie dann mit 25 zu verlieren war die härteste Zeit meines Lebens.
00:29:10: Das ist auch unglaublich schnell passiert und unglaublich schnell im Endeffekt
00:29:16: eskaliert die Situation.
00:29:19: Und im Endeffekt ist meine Mutter dann gestorben, als ich 25 war und im Master war.
00:29:23: Und es war natürlich ein krasser Schock für mich, für meinen Vater,
00:29:27: für meinen Bruder, mit dem ich dann erstmal,
00:29:31: wo ich erstmal diesen immediate Schock verarbeiten musste, aber dann natürlich
00:29:36: auch ich und meine Familie dann lernen mussten, mit dieser neuen Situation zu
00:29:41: leben, mit diesem neuen Normal.
00:29:44: Mal, was glaube ich für jeden schwierig ist, wenn man jemanden verliert, der einem so nahe steht.
00:29:50: Das hat dann glaube ich sehr viele Auswirkungen auf mich gehabt und glaube ich
00:29:56: eine sehr grundlegende,
00:29:57: aber ich glaube ein Punkt, der für mich da sehr klar geworden ist,
00:30:01: der jetzt eigentlich nicht überraschend ist, den wir aber alle irgendwie ganz
00:30:04: gerne verdrängen in unserem Alltag, ist, dass das Leben wirklich sehr endlich
00:30:08: ist und man halt keine Garantie darauf hat, x Jahre seines Lebens zu haben.
00:30:15: Für mich war das mit 25 extrem früh, mir kam es extrem früh vor,
00:30:20: dass meine Mutter gestorben ist und mir wurde dann auf einmal sehr,
00:30:24: präsent und ich glaube, das hat man mit meinen Jungen nicht so sehr,
00:30:26: dass man keine Garantie auf 70 Jahre, 80 Jahre gesundes, schönes Leben hat und
00:30:32: hat für mich dann nochmal sehr,
00:30:35: ich habe dann einfach sehr viel Zeit mit Nachdenken verbracht darüber,
00:30:38: wie ich mein Leben wie ich mein Leben verbringen möchte und wie ich meine Zeit
00:30:40: verbringen möchte und habe dann für mich gemerkt, dass ich im Grunde jedes Jahr so leben möchte,
00:30:50: dass ich sagen kann, okay, das war jetzt ein bestmöglich verbrachtes Jahr und ich dann gemerkt habe,
00:30:56: okay, dann muss ich mein Leben auch dementsprechend leben und ich glaube,
00:31:01: bis zu dem Zeitpunkt bin ich immer sehr so regelkonform, sage ich mal.
00:31:09: Sehr klassisch in meiner Planung gewesen, was ich mache. Also Schule beenden,
00:31:15: ein Jahr Work and Travel, dann studieren.
00:31:17: Und dann war eigentlich vorher mein Gedanke, okay, ich mache ein bis zwei Jahre
00:31:23: in der Beratung und dann gründe ich vielleicht.
00:31:25: Also irgendwie so ein klassischer BWLer-Weg.
00:31:30: Und habe dann aber gemerkt, ich werde jetzt nicht zwei Jahre in eine Unternehmensberatung
00:31:35: gehen und da PowerPoints für Corporates bauen,
00:31:40: 90 Stunden die Woche, weil das ist not time well spent und hab dann,
00:31:48: gemerkt, okay, mir ist es wichtig, mein Leben sehr selbstbestimmt zu leben und
00:31:53: ich glaube, das waren dann auch so,
00:31:55: Gedanken, die dann letztendlich auch mit dazu geführt haben,
00:31:59: dass ich dann ein paar Jahre später Komplore gegründet habe,
00:32:02: weil ich mir gedacht habe,
00:32:04: man kann jetzt noch warten mit dem Gründen, man kann es aber auch jetzt sofort machen.
00:32:11: Ja, ich stelle mir das auf vielen Ebenen sehr schwierig vor,
00:32:16: was du beschrieben hast.
00:32:18: Also wahrscheinlich vor allem auch die Geschwindigkeit, dass man eben sich gar
00:32:22: nicht darauf einstellen kann,
00:32:23: dass man den Menschen oder mit den Menschen verliert, den man am meisten in
00:32:29: seinem Leben schätzt und auch liebt, wie du es beschrieben hast.
00:32:34: Nichtsdestotrotz sich die Frage zu stellen, wer möchte ich eigentlich sein und
00:32:38: wie möchte ich mein Leben so leben, dass es sich für mich gut anfühlt und ich
00:32:43: meine Zeit hier bestmöglich nutzen kann,
00:32:46: ist ja eine sehr, sehr schöne Folge, mit der sich wahrscheinlich viel mehr Menschen
00:32:51: auseinandersetzen sollten, damit sie nicht etwas tun, was sie eigentlich nicht
00:32:54: tun wollen oder vielleicht einfach ihr Leben nur dahin leben,
00:32:57: sondern eben auch eine selbstbestimmte Entscheidung treffen.
00:33:01: Du hast dich, wie du gerade gesagt hast, für eine Gründung entschieden.
00:33:05: Und ich weiß gar nicht, ob es richtig ist, zu sagen, für eine Abkürzung,
00:33:08: indem du auf die Beratertätigkeit verzichtet hast oder auf ein Angestelltenverhältnis,
00:33:16: auf ein weiteres verzichtet hast.
00:33:18: Du hast dich für ein Thema entschieden oder ihr habt euch für ein Thema entschieden
00:33:25: mit Komplori, das ja Menschen befähigen soll, die...
00:33:31: Es ist fast zu schwer auszusprechen, wie es ist, letztendlich dieses Vorhaben
00:33:36: auch tatsächlich umzusetzen, die Digitalisierung selbst zu gestalten und sie
00:33:41: letztendlich zu GestalterInnen der Digitalisierung zu machen.
00:33:45: Wie seid ihr darauf gekommen?
00:33:48: Also was war der Urgedanke, warum es Komplori brauchen könnte?
00:33:56: Der Hintergrund zur Gründung von Komplori war im Grunde eine glückliche Fügung
00:34:01: von mehreren Ereignissen oder vielleicht auch gar nicht so glückliche Fügung,
00:34:04: aber da kamen einfach mehrere Faktoren zusammen.
00:34:07: Einerseits war für mich Lernen schon irgendwie immer ein Thema.
00:34:12: Also ich bin gern zur Schule gegangen.
00:34:14: Ich war gut in der Schule. Ich habe mir gerne Dinge beigebracht.
00:34:16: Ich habe immer unglaublich viele Hobbys gehabt.
00:34:18: Ich habe mal ein Jahr lang Japanisch gelernt und habe dann auch gedacht,
00:34:21: dass ich direkt jede Woche zwei Stunden Japanischunterricht brauche und habe
00:34:25: das ein Jahr lang durchgezogen.
00:34:26: Im Blick weiß ich nicht so ganz, was mich da geritten hat.
00:34:28: Aber Lernen war irgendwie immer schon ein Thema für mich. und ich habe es ja
00:34:33: auch gerade gesagt, ich habe irgendwie ein Jahr lang zwischen Bachelor und Master
00:34:36: mir dann Informatik mehr oder weniger selber beigebracht.
00:34:39: Deswegen ist das, glaube ich, unterbewusst immer ein Thema gewesen.
00:34:43: Meine Oma war Lehrerin, ich erinnere mich noch daran, dass ich ihr früher,
00:34:47: als ich klein war, Briefe geschrieben
00:34:48: hatte und sie hat dann diese Briefe korrigiert, zurückgeschickt.
00:34:52: Also lernen und sich weiterentwickeln ist irgendwie ein Thema gewesen.
00:34:59: Und deswegen war das, glaube ich, eine relativ natürliche Gründung,
00:35:04: dann im Bildungsbereich zu gründen.
00:35:07: Verstärkende Faktoren war, dass ich ja ganz persönlich in Informatik erst sehr
00:35:12: spät reingekommen bin und mir gewünscht hätte, früher diese Bildung und Stabe zu haben.
00:35:18: Weil es natürlich viel schwieriger ist, sich das in den Zwanzigern beizubringen,
00:35:22: als wenn man die Basics genauso wie Mathe und Chemie und Bio schon im Schulalter lernt.
00:35:27: Und hatte das ja tatsächlich auch probiert in der Schule Informatik als Wahlpflichtfach
00:35:31: zu wählen und bin dann nach einem halben Jahr wieder rausgegangen,
00:35:34: weil ich so frustriert damit war, dass da ein demotivierter Lehrer kurz vor
00:35:38: der Rente uns Word-Dateien abtippen lässt.
00:35:42: Und habe dann in der Pandemie 2020 gemerkt, dass sich Schulen,
00:35:47: seitdem ich nicht mehr in der Schule bin, nicht besonders viel weiterentwickelt haben.
00:35:51: Dass es nach wie vor Probleme gibt mit Internet, dass ein großer Teil der Lehrkräfte
00:35:56: keinen Laptop bereitgestellt bekommen,
00:35:58: dass im Grunde Schulen im letzten Jahrhundert stehen geblieben sind.
00:36:03: Viele, nicht alle, es gibt viele tolle Schulen, aber das ist in der Breite,
00:36:06: dass da einfach nicht die Geschwindigkeit in der Entwicklung gewesen ist, die man bräuchte.
00:36:12: Und da kam natürlich nochmal ein Fokus drauf, durch die Lockdowns während der
00:36:18: Pandemie, dass man wirklich immer wieder gelesen und gehört hat,
00:36:21: die Schulen schaffen es nicht mehr, die Arbeitsplätze zu den Kindern nach Hause zu bekommen.
00:36:26: Und habe dann gemerkt, okay, das kann nicht sein, da müssen wir was tun.
00:36:30: Und ich glaube, nach dem Glaubenssatz, den ich habe, nicht nur meckern,
00:36:33: sondern auch was machen,
00:36:35: war dann der Gedanke, ein Bildungsprodukt für Kinder zu bauen,
00:36:39: mit dem wir Kindern 21st-Century-Skills wie Programmieren beibringen,
00:36:43: hat sich dann sehr organisch, sehr natürlich angefühlt.
00:36:49: Und war dann etwas, wo ich auch wirklich dahinterstehen kann,
00:36:53: weil es mir jetzt auch wichtig war, was zu gründen, was einen positiven Impact
00:36:57: auf unsere Gesellschaft hat, was ein wirklich relevantes Problem löst.
00:37:02: Im Gegensatz zu, ich sag mal, Unternehmen und Produkten, die im Grunde eine
00:37:06: Nachfrage kreieren, wo es nicht wirklich eine Nachfrage gibt oder die einfach
00:37:09: wirklich sehr privilegierte Probleme lösen, war es mir wichtig,
00:37:13: da einen hohen Impact auch zu haben mit dem, was ich gründe.
00:37:17: Und da kamen mit der Idee zu Copleury viele Faktoren zusammen, die mir wichtig waren.
00:37:23: Und ja, dann haben wir Komplori 2020 gegründet und das ging dann alles irgendwie sehr schnell.
00:37:30: Und jetzt ist es dreieinhalb Jahre später.
00:37:34: Ja, dreieinhalb Jahre später und es ging sehr schnell. Aber vielleicht kannst
00:37:37: du einmal so ein paar Meilensteine beschreiben, was ihr in den letzten dreieinhalb
00:37:41: Jahren alles auf die Beine gestellt habt.
00:37:43: Weil sowohl eure KPIs wie auch letztendlich die Entwicklung ist ja schon sehr
00:37:48: beeindruckend. Und gab es irgendwelche Fehler, wo ihr euch nach vorne geirrt habt?
00:37:55: Irgendetwas, wo du sagst, das waren ganz große Momente für uns,
00:37:58: wie wir verstanden haben, auch dass wir mit unseren Hypothesen richtig unterwegs sind?
00:38:05: Ich erinnere mich noch an unsere ersten zahlenden Kunden.
00:38:11: Ende 2020, so am zweiten Weihnachtsfeiertag, ging so die, unsere Website war
00:38:17: gerade seit vier Wochen live Und die ersten Kunden haben bei uns gebucht und
00:38:22: das war ein total abgefahrener Moment,
00:38:23: weil es bis dahin im Grunde alles nur auf dem Papier als Idee existiert hat.
00:38:28: Und dieses Gefühl, boah, da zahlt jemand was dafür, für dieses Produkt,
00:38:35: was wir uns ausgedacht haben, das war ein total cooler Moment.
00:38:38: Ich glaube, davor gab es noch einen anderen Moment.
00:38:41: Wir haben uns nämlich am Anfang für das Berliner Startup-Stipendium beworben,
00:38:45: weil wir eine gewisse Grundfinanzierung brauchten.
00:38:48: Wir waren alle gerade mit dem Studium fertig, hatten jetzt keine großen finanziellen Polster.
00:38:53: Wir haben Koblori im Grunde mit zero Eigenkapital gegründet und haben uns dann
00:39:00: für das Berliner Startup-Stipendium beworben, was über die TU Berlin vergeben wurde.
00:39:04: Und so eine gewisse finanzielle Unterstützung für die Gründer im ersten Jahr bedeutet.
00:39:11: Und das war auch so ein Thema, wo ich mal wieder so mit dem Kopf durch die Wand
00:39:14: gegangen bin, weil im Grunde die Betreuerin im Vorgespräch meinte,
00:39:18: die fand uns gar nicht gut und meinte, die Idee passt nicht zur TU Berlin,
00:39:23: bewerbt euch woanders damit, das ist hier nicht erfolgsversprechend.
00:39:27: Und das habe ich aber nicht akzeptiert und gesagt, wir bewerben uns trotzdem.
00:39:34: Und glücklicherweise war das nicht ihre alleinige Entscheidung,
00:39:37: ob wir angenommen werden, sondern ein Gremium aus verschiedenen Vertretern und Vertreterinnen.
00:39:42: Und da haben wir dann letztendlich überzeugt und dieses Berliner Startup-Stipendium bekommen.
00:39:46: Und das war so der erste Moment, wo sich das kommt wirklich,
00:39:48: was in unserem Alltag geändert hat, weil wir damit finanziell gesichert waren für ein Jahr.
00:39:53: Wir haben einen Coworking-Space bekommen. Wir haben im Grunde innerhalb von
00:39:56: zwei Wochen angefangen, Vollzeit an unserer Gründung zu arbeiten.
00:39:59: Wohingegen es davor immer sowas war, was wir so nebenbei gemacht haben.
00:40:02: Und das war, glaube ich, noch vor den ersten Kunden so der erste Moment,
00:40:06: wo wir gemerkt haben, boah, wir stehen jetzt hier im Coworking-Space.
00:40:09: Wir haben jetzt nichts zu tun, außer an Komplori zu arbeiten.
00:40:13: Was machen wir denn jetzt? Weil ganz am Anfang hat man noch keine Kunden,
00:40:15: keine Investoren, keine Mitarbeiter, kein Nichts.
00:40:17: Also gar keine greifbaren Verpflichtungen am Anfang. Und das war total spannend,
00:40:25: weil du im Grunde wirklich vor der weißen Leinwand anfängst.
00:40:29: Ja, du hast ja gerade beschrieben, was Komplogi ist, nämlich die Möglichkeit
00:40:33: für Kinder Future Skills zu erlernen.
00:40:35: Kannst du vielleicht beschreiben, was Stand jetzt, wir sind Mitte 2024,
00:40:41: eurer und deiner Meinung nach diese Future Skills sind?
00:40:44: Also was lernt man oder was kann man mit Komplogi lernen als Kind,
00:40:48: als heranwachsende Person?
00:40:52: Wir sind mit Komplori gestartet, mit dem Kernangebot Kindern Programmieren beizubringen.
00:41:00: Das heißt, Kinder haben mit Komplori eine Mitgliedschaft auf unserer Lernplattform
00:41:05: und lernen dann je nach Alter und Interessen unterschiedliche Programmiersprachen.
00:41:11: Und haben als Teil der Mitgliedschaft oder als Teil der Lernplattform auch eine feste Lerngruppe.
00:41:18: Das heißt, die Kids haben dann einmal die Woche eine Stunde Unterricht von einem
00:41:22: Coach und lernen dann zusammen mit anderen, mit zehn insgesamt Kindern,
00:41:26: die Grundlage von Programmieren.
00:41:28: Und das ist super spielerisch und anwendungsorientiert. Die Kinder programmieren
00:41:32: selber von Stunde null an und lernen dann natürlich einerseits programmieren,
00:41:37: aber andererseits natürlich noch super viele Soft Skills von Problemlösefähigkeiten,
00:41:43: Resilienz, Kommunikationsfähigkeiten, Gruppenarbeitsskills.
00:41:47: Das heißt, es ist ein super spannendes Setup für Kinder zu lernen und das Ganze
00:41:52: aber in einem spielerischen Raum zu machen, in einem Raum, der Spaß macht,
00:41:56: weil man nämlich Themen wie zum Beispiel Minecraft
00:42:00: kombiniert mit einer Programmiersprache und die Kids dann sehen,
00:42:03: boah, cool, ich kann jetzt in Computerspielen Dinge viel schneller bauen, als ich sonst könnte.
00:42:07: Und gleichzeitig sie aber auch noch diesen menschlichen Aspekt drin haben,
00:42:10: Freunde online bei Komplore über in ganz Deutschland finden,
00:42:14: ein Coach, der eine Art Role Model auch für sie ist und so auch ein sehr soziales
00:42:20: Erlebnis haben in diesem Produkt.
00:42:23: Ja, und spätestens da wird ja ein Schuh draus, was du gesagt hast,
00:42:26: dass die Schulen sich im Grunde seit dem letzten Jahrhundert auch nicht groß verändert haben.
00:42:31: Und tatsächlich, ja, zu den Menschen, die die Schulen aus aktiver Sicht im letzten
00:42:37: Jahrhundert auch abgeschlossen haben.
00:42:39: Also auch schon ein älteres Semester, dass ich hier mittlerweile bin.
00:42:44: Und das jetzt eben beobachte, mein Sohn hat gerade die erste Klasse abgeschlossen.
00:42:50: Es gibt Dinge, die haben sich verändert, aber der Kern ist gleich geblieben,
00:42:55: das Lernen ist gleich geblieben.
00:42:56: Und wir wissen ja mittlerweile, dass das Lernen auf unterschiedliche Weisen
00:43:01: erfolgen kann und Menschen eben auch tatsächlich sehr unterschiedlich lernen.
00:43:05: Und Software, dem ja auch sehr viel Rechnung trägt und man ja tatsächlich auch
00:43:09: individualisierte Erlebnisse schaffen kann, Außer in der Schule.
00:43:15: Würdest du sagen, dass Komplori, jetzt vielleicht auch ein bisschen provokativ
00:43:19: gefragt, eigentlich gar nicht existieren dürfte, wenn die Schule ihren Auftrag
00:43:24: ordentlich erfüllen würde?
00:43:28: Das könnte man überspitzt so sagen, ja. Also ich denke, dass das,
00:43:32: was wir machen, zum großen Teil so Grundlagenbildung ist, die eigentlich in
00:43:35: der Schule passieren müsste.
00:43:38: Allerdings, wenn ich mal mit einem eingeschobenen Aber, ich glaube,
00:43:41: selbst wenn Schulen jetzt ganz toll wären, einen Informatikunterricht beibringen,
00:43:45: machen wir das, sag ich mal, mit so einem spielerischen Ansatz und so on top,
00:43:50: dass es ähnlich ist wie mit einem Instrumentlernen und Musikunterricht.
00:43:54: Sprich, man hat Musikunterricht in der Schule und man lernt trotzdem als Kind
00:43:57: noch irgendwie das ein oder andere Instrument.
00:43:58: In der perfekten Welt wären wir dann ein bisschen mehr als Can-Do, denn als Must-Do.
00:44:07: So bringen wir im Grunde noch das Einmaleins mit bei, weil halt auch die Grundlagen
00:44:12: nicht an der Schule vermittelt werden.
00:44:14: Ich bin aber auf jeden Fall der Meinung, dass da mehr Informatikkompetenzen
00:44:18: an der Schule beigebracht werden sollten, einfach weil es zur allgemeinen Bildung
00:44:22: in unserem jetzigen Zeitalter gehört.
00:44:27: Also ich spreche immer mal wieder, selbst mit Journalisten und Journalistinnen,
00:44:32: die ja eigentlich auch ein sehr breites Verständnis haben von unserer Gesellschaft
00:44:37: und von dem, was passiert.
00:44:38: Und ganz, ganz viele haben wirklich gar kein Verständnis davon,
00:44:42: was wir eigentlich mit Pluri machen, was die Kinder lernen und was Programmieren eigentlich ist.
00:44:46: Also wirklich, das ist wie ein anderer Planet. Und wenn man sich überlegt,
00:44:49: dass wir so viele digitale Geräte benutzen,
00:44:53: dass wir unsere E-Mails und Texte von Chat-GPT optimieren lassen und gleichzeitig
00:44:58: aber wirklich ein großer Teil
00:45:00: der Erwachsenenbevölkerung in Deutschland wirklich gar keine Ahnung hat,
00:45:04: was Programmieren eigentlich ist, ist da wirklich schon eine krasse Lücke zwischen
00:45:09: was passiert im Alltag und was verstehe ich eigentlich wie mein Alltag,
00:45:13: was in der Under the Hood in meinem Alltag ist. Ja, absolut.
00:45:18: Kann ich tatsächlich aus betroffenen Perspektive eines besorgten Vaters leider
00:45:24: immer zustimmen, dass da einfach wahnsinnig viel zu leisten ist,
00:45:27: eine Aufklärungsarbeit auch.
00:45:29: Die letzten zwei Jahre waren, was die Digitalisierung und die digitale Entwicklung
00:45:34: angeht, sehr besonders, weil wir, glaube ich, das erste Mal seit 15,
00:45:39: 20 Jahren wieder so einen größeren Quantensprung erleben durften und auch weiterhin
00:45:46: erleben werden durch den flächendeckenden Einsatz von KI, den,
00:45:51: glaube ich, auch immer mehr Menschen verstehen.
00:45:54: Wenn du jetzt in die Zukunft schaust und vielleicht dir auch sicherlich überlegt
00:45:58: hast, was das für Komplori bedeutet, aber eben auch, was es gesellschaftlich
00:46:02: bedeutet, wie stellst du dir dein Unternehmen und wie stellst du dir unser Leben im Jahr 2030 vor?
00:46:11: Das ist ein Blick in die Glaskugel auf jeden Fall, Blick nach 2030.
00:46:17: Ich glaube, dass 2030, das sind jetzt sechs Jahre, das ist auch nicht mehr so furchtbar lange hin,
00:46:22: dass KI sehr viel in unserem Alltag verändern wird an repetitiven Aufgaben,
00:46:30: aber interessanterweise auch, und das finde ich ganz spannend, an so Kreativaufgaben.
00:46:34: Also wir sehen ja gerade, wie viel Content an Text und Bild und inzwischen auch
00:46:39: Video von KI erstellt werden kann.
00:46:41: Und ich glaube, da werden wir in den nächsten Jahren sehen,
00:46:46: dass unser Leben, zumindest von uns InformationsarbeiterInnen, sich sehr stark,
00:46:53: dass unser Alltag, unser Arbeitsalltag sich ändern wird und wir da noch einfach
00:46:57: mehr Geschwindigkeit und mehr Support durch KI auch bekommen.
00:47:03: Ich bin sehr gespannt, was sich bis 2030 tun wird in dem ganzen Bereich Blue-Color-Work.
00:47:10: Also wir sehen ja gerade, dass wir massiven Fachkräftemangel in allen Bereichen
00:47:14: haben, aber besonders auch in den Frontline-Workern, in Altenpflegern und Pflegerinnen,
00:47:21: in der Kinderbetreuung.
00:47:23: Und ich könnte mir vorstellen, dass es eine Aufwertung von diesen Berufen geben wird,
00:47:30: weil die viel schwieriger sind zu automatisieren und mit KI zu ersetzen,
00:47:35: als das, was wir hier jeden Tag so vor unserem Bildschirm treiben.
00:47:41: Das wäre zumindest meine Hoffnung, dass die Jobs, die so wichtig sind für unsere Gesellschaft,
00:47:47: die Pflege und Bildung von Kindern,
00:47:49: die Pflege von Älteren, dass die eine Aufwertung in der Gesellschaft,
00:47:54: aber auch in der monetären Vergütung erhalten werden, aufgrund der Tatsache,
00:47:58: dass sich andere Jobs vielleicht auch einfach redundanter werden durch KI.
00:48:04: Und was wird aus Komplogie?
00:48:07: Mit Komplori bis 2030 wollen wir so vielen Kindern wie möglich Skills für das 21.
00:48:16: Jahrhundert beibringen. Das heißt,
00:48:18: wir sind jetzt gute drei Jahre alt im deutschsprachigen Raum unterwegs.
00:48:24: Ich sehe, dass wir nicht allzu weit in Zukunft den europäischen Kids-Bildungsstar
00:48:32: mit Komplori bauen wollen Und dann jetzt auch ins europäische Ausland gehen werden.
00:48:38: Und wir gucken uns auch gerade sehr stark an, welche Skills sind denn noch für
00:48:42: Kinder wichtig neben Programmieren im 21.
00:48:45: Jahrhundert. Was sind Themen, die Kids brauchen, um unsere Gesellschaft mitzugestalten,
00:48:49: die aber in der Schule nicht beigebracht werden.
00:48:51: Das heißt, da wird es, glaube ich, auch nochmal ein paar spannendere Entwicklungen.
00:48:54: Music.
00:48:54: Bei uns im Produkt geben.
00:49:05: Ich freue mich sehr, dass ich jetzt meine Kollegin Pia mit dabei habe.
00:49:08: Hallo Pia. Hallo Stefan.
00:49:12: Wir reden jetzt über das, was du gerade gehört hast, nämlich über Amanda,
00:49:18: ihre Lifeline, ihr bisheriges Leben und Wirken.
00:49:21: Und du hast dich intensiv mit ihrem Leben beschäftigt, kennst sie aus der Zusammenarbeit
00:49:26: und hast ihre Treiber, ihre Motivatoren destilliert. Welche sind es deiner Meinung nach?
00:49:34: Das sind Entdeckergeist, Resilienz und Beharrlichkeit.
00:49:40: Entdecker-Geist, Resilienz und Beharrlichkeit.
00:49:44: Okay, ich bin gespannt. Gibt es eins, das du stärker gewichtest als andere?
00:49:49: Irgendeins, das du voranstellen möchtest?
00:49:51: Das war tatsächlich oder das ist die Resilienz. Die hat mir unglaublich imponiert,
00:49:57: wie sie darüber gesprochen hat.
00:49:59: Inwiefern empfindest du sie als resilient? Sie beschreibt in der Folge eine
00:50:06: unglaubliche innere Selbstsicherheit und ich habe wirklich so ein Bild von einem
00:50:11: Schiff in stürmischer See vor Augen gehabt, wie Amanda,
00:50:15: die eine Kapitänin auf diesem Schiff steht und einfach weiß,
00:50:18: das ist mein Weg und alles meistern kann.
00:50:21: Also ich hatte direkt ein Bild vor Augen und das war einfach unglaublich zu
00:50:26: hören, wie ihr das von Kindheit bis heute auch bei Komplori geholfen hat.
00:50:33: Empfindest du sie als besonders geradlinig oder gibt es irgendwelche besonderen
00:50:39: Situationen, bei denen du sagst, das ist jetzt ein besonders gutes Beispiel,
00:50:43: an denen sie eben resilient sein musste und es dann eben auch sein konnte?
00:50:49: Sicherlich die Gründung von
00:50:50: Komplori, ohne großes Sicherheitsnetz ganz bestimmt dadurch zu navigieren.
00:50:57: So mache ich das, also kleines Ziel vor Augen und irgendwie wird es klappen.
00:51:01: Und es ist egal, wie unsicher es links oder rechts von mir ist.
00:51:05: Sie hat sich das in den Kopf gesetzt. Sie sagt ja auch, dass einer ihrer Glaubenssätze
00:51:09: ist, geht nicht, gibt es nicht.
00:51:11: Und manchmal auch mit dem Kopf durch die Wand. Und ich glaube,
00:51:14: genau das ist auch das, was sie bei Konflori zu der Gründung gemacht hat,
00:51:18: aber auch genau das, was sie erfolgreich macht.
00:51:22: Ja, okay. Also wir erleben Amanda als besonders resilient.
00:51:26: Du hast eben auch von einem Entdeckergeist gesprochen und hast sie ja schon
00:51:30: eben auf einem Schiff verortet.
00:51:32: Wohin steuert die Entdeckerin Amanda?
00:51:37: Wohin sie genau steuert, das weiß sie wahrscheinlich selbst noch nicht.
00:51:41: Auf jeden Fall immer voran. Aber das Thema Entdeckergeist ist tatsächlich etwas,
00:51:46: was sie schon tatsächlich mit in die Wiege gelegt bekommen hat von ihren Eltern.
00:51:50: Sie spricht ja davon, dass sie ein unglaubliches Weltentdeckern-Gen sozusagen haben.
00:51:58: Die Eltern haben sie mit auf diese Abenteuerreisen genommen,
00:52:01: unter anderem ja auch nach Australien, wohin es sie dann mit 15,
00:52:05: 16 ja auch selbst nochmal verschlagen hat.
00:52:08: Und wo sie sich auch ja doch mehr oder weniger durchschlagen musste,
00:52:12: auch ohne Sicherheitsnetz Netz und einfach alles um sich herum erkundet hat
00:52:18: und das ja auch sehr, sehr gut hinbekommen hat.
00:52:21: Sie hat das als sehr prägende Zeit beschrieben und ja, dieser Entdeckergeist
00:52:26: zieht sich weiter durch.
00:52:28: Du hattest sie gefragt, wie kamst du eigentlich zum Thema Informatik?
00:52:31: Wo sie ja sagte, du, aus Neugierde, ich wollte es einfach verstehen, ich wollte es,
00:52:37: meistern und auch jetzt bei Comflory sehen wir genau diesen Entdeckergeist auch,
00:52:42: also ihr Trial-and-Error-Ansatz zu sagen, ich mache einfach,
00:52:46: ich entdecke mich, ich stütze mich rein und wir schauen mal, was dabei rumkommt.
00:52:50: Also das zieht sich tatsächlich von der Kindheit bis heute durch, dieses Entdecken. Ja.
00:52:57: Du hast ja als dritten Treiber die Beharrlichkeit destilliert,
00:53:02: was man ja auch durchaus komplementär mit der Resilienz sehen könnte im Sinne
00:53:07: einer Person, die besonders aktiv ist, die besonders Dinge vorantreiben möchte.
00:53:12: Ja, auch da tatsächlich wieder beschreibt es ja eine starke Prägung durch ihr Elternhaus,
00:53:17: was schon immer sehr politisch war, sie auch als Kinder schon früh eingebunden
00:53:21: wurden in diese Themen und immer als mündige Menschen auch schon in sehr jungen Alter gesehen wurden.
00:53:28: Und genau dieses, auch aus der Politik natürlich bekannt, den Status Quo hinterfragen,
00:53:34: Dinge einfordern, Dinge nicht zu akzeptieren.
00:53:37: Und sie geht eben den Schritt weiter, den die Politik vielleicht nicht immer
00:53:40: macht. Sagt, okay, wie kann ich es denn jetzt selbst ändern?
00:53:44: Wie kann ich selbst etwas tun, ohne nur zu meckern?
00:53:48: Was kann ich dazu beitragen, dass diese Situation, die mich stört,
00:53:52: besser wird? Und da hat sie nur ein paar sehr schöne Situationen beschrieben, auch aus der Schulzeit.
00:53:57: Die Referendarin, die unglaublich beliebt war, aber doch die Schule verlassen
00:54:02: sollte, Amanda hat einfach direkt gesagt, geht nicht, gibt es nicht wieder einer
00:54:06: ihrer Glaubenssätze, ich mache jetzt eine Unterschriftenaktion, die muss bleiben.
00:54:11: Also ganz beharrlich, echte Macherin letztendlich.
00:54:17: Und auch später, als es dann schon auch um Konflori ging, stand ja das Thema Stipendium im Raum.
00:54:24: Und sie hatte eine wirklich negative Einschätzung, eine pessimistische Einschätzung
00:54:28: von jemandem bekommen und hat auch da wieder gesagt, nee, das akzeptiere ich
00:54:33: nicht, das muss klappen.
00:54:36: Und am Ende hat genau das geklappt. Sie hat es trotzdem gemacht,
00:54:39: sie hat das Stipendium bekommen und ist auch da, sie hat ja,
00:54:42: ich bin da so ein bisschen mit dem Kopf durch die Wand gegangen und es hat sich
00:54:46: einfach sehr häufig für sie ausgezahlt, genau diese Beharrlichkeit.
00:54:50: Und um jetzt vielleicht auch nochmal so die Brücke auf zu Konflori zu schlagen,
00:54:54: sie beschreibt ja, dass sie wahrgenommen hat, Schule hat sich kaum verändert.
00:55:00: Zu dem vor vielen Jahren, wie ich in der Schule war und wie sieht es denn heute aus?
00:55:04: Und dann eben zu sagen, ja, was kann ich denn selbst dazu beitragen?
00:55:08: Und dann zu sagen, ich rufe jetzt Komplori in die Welt und so ändere ich etwas
00:55:14: an dem, was mir nicht gefällt.
00:55:17: Ja, was ich an Amanda eben auch in dem Kontext sehr spannend finde,
00:55:21: ist, dass sie links und rechts von dem,
00:55:24: was unmittelbar für Komplogi wichtig ist, immer auch noch die Augen offen hält
00:55:29: an gesellschaftlichen Entwicklungen, um eben ihrer Stimme Raum zu geben und
00:55:34: um auch gesellschaftlich zu wirken.
00:55:38: Selbst wenn es in den politischen Bereich geht, auch wenn man sagen könnte,
00:55:42: inwiefern ist das wirklich zwingend notwendig für Komplogie.
00:55:46: Aber ich glaube tatsächlich, dass sie an der Stelle, so wie du sie eben auch
00:55:49: beschreibst, ein sehr umfassend denkender Mensch ist, der schlicht gewisse Dinge
00:55:55: nicht akzeptieren möchte und der sich auch wahrscheinlich irgendwann nicht vorwerfen möchte,
00:55:59: nicht alles in Bewegung gesetzt zu haben, um eine Besserung herbeizubewirken.
00:56:07: Ich gebe dir vielen Dank.
00:56:30: Music.
Neuer Kommentar