Werteorientiertes Unternehmertum: Annemarie Heyl von Kale&Me (#8)
Shownotes
Willkommen zu „Lifeline“ – dem Podcast, der die inspirierenden Lebensgeschichten außergewöhnlicher Persönlichkeiten beleuchtet. In dieser Episode spricht Host Sachar Klein mit Annemarie Heyl, Co-Gründerin und Geschäftsführerin von Kale&Me.
Annemarie erzählt von ihrer Kindheit in Fulda und Thüringen, ihrer prägenden Schulzeit in Bayern, und wie sie früh lernte, Verantwortung zu übernehmen. Sie spricht über die prägenden Erlebnisse in ihrer Jugend, ihre Ausbildung und die schwierige Zeit, als das Familienunternehmen ihres Vaters in eine Krise geriet.
Ein Schlüsselerlebnis war ihr Aufenthalt in Kapstadt, wo sie die Kraft des Fastens entdeckte und die Idee zu Kale&Me geboren wurde. Annemarie und ihr Mitgründer Konstantin beschlossen, das Fastenkonzept nach Deutschland zu bringen und gründeten ihr Unternehmen, das sich inzwischen als führender Anbieter von Säften und Fastenprogrammen etabliert hat.
Ein Gespräch über Optimismus, Entdeckergeist und die Kunst, aus Krisen neue Chancen zu schaffen. Begleite uns auf dieser inspirierenden Reise und entdecke, was Annemarie antreibt und zu einer wegweisenden Unternehmerin macht.
Annemarie Heyl bei LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/annemarieheyl/
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Transkript anzeigen
00:00:00: Und ich habe immer so ein bisschen diese Waage zwischen, ja,
00:00:03: man steht so ein bisschen im Fokus der Gesellschaft, wenn man Unternehmer,
00:00:08: Unternehmerin ist, aber auf der anderen Seite man unglaublich viel selber in
00:00:11: der Hand hält, in welchem Fokus ich stehe.
00:00:14: So, ich habe ja immer selbst die Entscheidung, wie gehe ich mit meinen Mitarbeitenden
00:00:17: um, welche gesellschaftlichen positiven Dinge kann ich auch voranstoßen als
00:00:24: Unternehmerin und ich habe da immer diese Waage gesehen.
00:00:26: Music.
00:00:38: Herzlich Willkommen zu einer neuen Episode von Lifeline.
00:00:42: Mein Name ist Sacha Klein, ich bin Host dieses wunderbaren, kleinen,
00:00:47: feinen Podcasts und Geschäftsführer der Kommunikationsberatung Hyper.
00:00:52: Die heutige Episode ist insofern sehr besonders, weil es auch schon die letzte
00:00:56: Episode der ersten Staffel ist. Vielen Dank euch alle, die ihr zugehört habt.
00:01:00: Wir kommen wieder im Herbst mit neuen Gästinnen, neuen Episoden und wir suchen
00:01:07: natürlich von jetzt nach Menschen, die wir gerne im Herbst hier als Gästin begrüßen wollen.
00:01:13: Deswegen, wenn ihr jemanden kennt, von dem ihr sagt,
00:01:17: das ist eine Person, die hier super gut reinpassen würde, weil sie eben jemand
00:01:21: ist, die die Zukunft aktiv gestaltet und vorantreibt und die wir gemeinsam durch
00:01:27: ihre Lager dann besser kennenlernen können, dann freue ich mich riesig über eure Vorschläge,
00:01:32: gerne per LinkedIn oder aber auch per E-Mail unter zahar.hyper.partners.
00:01:39: Für das große Staffelfinale haben wir eine ganz fantastische Gästin heute.
00:01:43: Und zwar Annemarie Heil.
00:01:46: Annemarie ist Co-Gründerin und Geschäftsführerin von K&Me.
00:01:50: Und ich bin mir sicher, dass einige von euch schon von K&Me vielleicht nicht
00:01:55: nur gehört haben, sondern sogar ausprobiert haben bei K&Me. eins der ganz führenden
00:01:59: Unternehmen ist, wenn es um das Thema Sachtfasten und Heilfasten geht.
00:02:05: Und Annemarie ist ein ganz besonderer Mensch, der der Wertgetriebenen agiert
00:02:12: und auch nach sehr besonderen Werten ihr Unternehmen, das man eigentlich auch Startup nennen könnte,
00:02:19: gebaut hat, sodass es die Chance hat, ein langlebiges, nachhaltiges Familienunternehmen zu sein.
00:02:25: Ich wünsche euch ganz viel Glück.
00:02:27: Music.
00:02:50: Uns werden im Alter von sechs oder sieben Jahren eingeschult.
00:02:54: Meine heutige Gästin hatte eine größere Veränderung vor sich,
00:02:58: die sie mit sechs Jahren erlebte. Lieber Annemarie, erstmal herzlich willkommen.
00:03:02: Erzähl uns doch, was ist dir widerfahren, als du sechs Jahre alt wurdest und
00:03:08: nicht einfach nur eingeschult wurdest?
00:03:11: Vielen Dank, ich freue mich sehr hier zu sein. Genau, bei mir ist damals,
00:03:16: als ich sechs Jahre alt war, ein bisschen eine andere Situation passiert,
00:03:21: weil ich bin geboren 1986.
00:03:23: Ich bin heute 37 Jahre alt und somit ist mein Einschulungsjahr quasi auf kurz
00:03:29: nach der Wende gefallen.
00:03:30: Wir haben damals vor dem Mauerfall noch in Hessen gewohnt, im schönen Fulda
00:03:36: und als die Mauer gefallen ist, haben sich meine Eltern damals die Frage gestellt,
00:03:41: was es denn für Chancen eben auch bietet, dass eben Deutschland sich vereint hat.
00:03:46: Wir haben damals ein Familienunternehmen in der Familie gehabt.
00:03:49: Alle meine Vorfahren und alle meine männlichen Familienmitglieder waren alle Müller.
00:03:53: Wir hatten eine kleine Mühle in Fulda. Und Fulda, wenn man sich so ein bisschen
00:03:57: die Karte von Deutschland anschaut, liegt relativ nah an der damaligen Grenze
00:04:01: oder lag relativ nah an der Grenze dran.
00:04:03: Und ich glaube, in diesen Regionen haben sich viele Menschen die Frage gestellt,
00:04:07: so auf der einen Seite, was für Chancen bietet es, aber auch was für Risiken
00:04:11: eben, wenn man sich das nicht aktiv anschaut.
00:04:13: Und meine Eltern haben sich das damals aktiv angeschaut und haben kurzerhand,
00:04:16: kurzerhand ist es wahrscheinlich nicht gewesen, lange vorausgeplant,
00:04:19: viele Diskussionen hat das mit sich gebracht und sehr, sehr wohl überlegt auch
00:04:22: Dinge, die in die Wege geleitet werden mussten.
00:04:26: Aber sie haben sich damals dazu entschieden, dass wir eben mit der Familie nach
00:04:29: Thüringen ziehen und dort ein Mühlenkombinat, also das war alles damals eingeteilt,
00:04:34: die Unternehmenkombinate,
00:04:36: eben ein Mühlenkombinat übernehmen und uns dort als Familie neu ansiedeln und niederlassen.
00:04:41: Und somit bin ich damals eigentlich als sechsjähriges Mädchen gerade aus dem
00:04:46: Kindergarten rausgekommen und dann an einem Ort eingeschult worden.
00:04:51: Der jetzt erst mal sehr neu war.
00:04:56: War er auch fremd oder nur neu?
00:05:00: Ich würde sagen, vom Gefühl her, wenn ich mich so zurückversetze,
00:05:04: war es sehr viel Ungewissheit und auch so ein bisschen Angst geprägt, glaube ich.
00:05:10: Aber nicht, weil ich selber Angst hatte vor diesem neuen Setup.
00:05:13: Ich glaube, als Kind mit sechs Jahren fand ich es größtenteils aufregend.
00:05:17: Aber meine Eltern hatten tatsächlich damals auch so ein bisschen Angst.
00:05:20: Vor allem meine Mutter, die irgendwie gar nicht wusste, was sie da drüben erwartet.
00:05:24: Ich weiß noch, dass meine Mutter mal von innen alle Türen abgeschlossen hat,
00:05:27: überall die Schlüssel hat stecken lassen.
00:05:29: Weil sie irgendwie diese ganze Ungewissheit, glaube ich, die dort in diesem
00:05:33: quasi neuen Land für sie irgendwie war, nicht so einfach weggesteckt hat.
00:05:36: Deswegen, ich glaube, es war so zum einen großer emotionaler Einfluss von Seiten
00:05:40: der Eltern, die einfach auch unsicher waren in der Situation und zum anderen
00:05:44: aber auch meine Großeltern, die ich natürlich hinter mich gelassen habe.
00:05:47: Ich bin aufgewachsen von eins bis sechs auf dem Firmengelände.
00:05:51: Wir haben als Familie immer auf dem Firmengelände gewohnt. Das war wunderschön als Kind.
00:05:54: Wir haben die Großeltern da gehabt. Alle haben immer mitgeholfen.
00:05:58: Es gab Kaffee und Kuchen immer zum gleichen Zeitpunkt.
00:06:00: Die ganzen Landwirte waren da, die ihr Getreide vorbeigebracht haben.
00:06:03: Ich durfte Fanta verteilen und so weiter.
00:06:05: Und plötzlich wurde ich irgendwie aus diesem Setting rausgerissen,
00:06:09: was so eine ganz schöne Kindheit auch inne hatte, an einen völlig neuen Ort versetzt.
00:06:14: Und musste mich da erst mal wieder irgendwie neu orientieren und einfinden,
00:06:18: aber natürlich auch mit vielen Dingen, die zurückgeblieben sind in Hessen.
00:06:22: Das Leben in deiner Familie beschrieben, die ja nicht einfach nur eine Familie
00:06:31: war, sondern eben auch ein Unternehmen dargestellt hat.
00:06:35: Und du bist ja in diesem Unternehmen auch aufgewachsen und dann eben umgewurzelt worden. Ja.
00:06:45: Wie oder woran erinnerst du dich in deiner frühesten Kindheit,
00:06:50: wenn es um Arbeit ging und um die Arbeit deines Vaters, um die Arbeit deiner Mutter,
00:06:57: vielleicht auch noch deiner Großeltern, die mit euch gewohnt haben? Hm.
00:07:01: Also Arbeit war, glaube ich, für mich immer vor allem geprägt durch Team-Effort.
00:07:07: Also ich habe Arbeit nie kennengelernt als etwas, was entkoppelt ist von dem privaten Leben.
00:07:15: Also Work-Life-Balance als solches, diese Abgrenzung zwischen das ist das Arbeitsleben
00:07:20: und das ist das Privatleben, die habe ich nie kennengelernt,
00:07:23: weil das floss bei uns total ineinander. Also wenn am Wochenende Not am Mann,
00:07:26: an der Frau war, haben wir alle Kinder mitgeholfen.
00:07:29: Kinder haben alle unsere Ferien mit im Unternehmen verbracht.
00:07:34: Der Großvater, Großmutter, jeder hat irgendwie seine Aufgabe gehabt im Spektrum
00:07:39: des Unternehmens und hat die von früh bis spät irgendwie ausgeübt.
00:07:43: Jeder hatte seinen Anteil. Und selbst wenn meine Oma nur dafür zuständig war
00:07:47: später, als sie dann nicht mehr so wirklich mit Getreidesäcke schleppen konnte
00:07:51: sozusagen, dann einfach sich den ganzen Tag um die Verpflegung zu kümmern,
00:07:54: dann hat sie trotzdem ihren Anteil irgendwie gehabt.
00:07:57: Und daher, wenn ich so zurückdenke, war das was sehr Schönes,
00:08:02: ehrlich gesagt. Weil es hat eben, ja, Arbeit hat auch Spaß gemacht.
00:08:07: Ich kann mich gut an viele Situationen erinnern, wo wir alle irgendwie an der
00:08:10: Packmaschine standen zusammen und auch wenn ich nur die Tüten irgendwie gereicht
00:08:13: habe und meine Oma sie dann aufgepustet hat und dann aufgestellt hat und mein
00:08:16: Vater hinten irgendwie die Säcke abgenommen hat,
00:08:18: dann war das irgendwie eine wunderschöne Sache, weil es war Teil unseres Familienlebens eben.
00:08:23: Ja, und dann war auf einmal die Familie nur noch zum kleinen Teil da in Thüringen.
00:08:31: Du hast erzählt, dass ihr ein Familienunternehmen gewesen seid,
00:08:35: in dem die männlichen Vorfahren die Unternehmung geführt haben.
00:08:41: So habe ich dich zumindest verstanden.
00:08:43: Ja, also wir haben, ja...
00:08:49: Das ist insofern richtig, weil alle männlichen Vorfahren den Titel des Müllers hatten.
00:08:56: Das heißt aber nicht, dass sie alleine die Unternehmungen geführt haben.
00:08:59: Ich würde sagen, keine einzige Generation von den vielen Generationen,
00:09:01: die da waren, hätten es geschafft ohne ihre Frauen, die am Ende dann irgendwie
00:09:04: die Zügel in ganz anderen Bereichen in der Hand hatten.
00:09:06: Vor allem im Büro, im Admin-Bereich und so weiter.
00:09:10: Aber alle meine männlichen Vorfahren waren die, die den Ausbildungsberuf quasi
00:09:15: Müller erlernt haben. Das ist schon so.
00:09:17: War bei euch in deiner Generation mit deinen Geschwistern klar,
00:09:21: von vornherein, wer eigentlich der Nachfolger oder vielleicht dann eben auch
00:09:27: doch die Nachfolgerin deines Vaters werden könnte oder sollte?
00:09:30: Oder war das einfach nichts, worüber ihr gesprochen habt? Nee, das war nicht klar.
00:09:36: Es waren immer zwei oder drei Sachen klar für uns.
00:09:40: Zum einen, dass die Kinder, die nicht ins Unternehmen gehen,
00:09:46: irgendwann mit 18 einen Erbverzichtsvertrag unterschreiben werden,
00:09:49: damit diejenigen, die es weiterführen, auch frei walten können,
00:09:53: vor allem aber eben keine finanzielle Last auf den Schultern haben.
00:09:56: Wenn es irgendwann passiert, dass der Erbfall eintritt und man dann das Weiterbestehen
00:10:03: des Unternehmens damit hätte gefährden können. Das war immer klar.
00:10:06: Die, die sich nicht entscheiden, die sind dann wirklich auch raus,
00:10:08: raus. Punkt zwei war immer klar, dass nur diejenigen, die sich auch wirklich
00:10:12: committen, ins Unternehmen zu gehen, mit Commitment meine ich dahinziehen.
00:10:17: Eine Ausbildung antreten, die dafür sinnvoll ist, voll Fokus auf das Unternehmen
00:10:22: legen, dass auch nur die den Eintritt wagen können oder bekommen werden ins Unternehmen.
00:10:27: Und ich glaube, Punkt drei, und das ist eher so eine Gleichberechtigungsthematik gewesen,
00:10:32: das war völlig irrelevant bei uns, ob das jetzt Mann, Frau, wie auch immer war,
00:10:35: dadurch, dass immer alle gearbeitet haben und dass eben dieses Team-Effort-Thema
00:10:41: auch braucht für das Unternehmen,
00:10:42: für das Bestehen des Unternehmens, war nicht vorgefertigt, ob das jetzt irgendwie
00:10:46: mein großer Bruder oder der Erstgeborene oder sowas ist.
00:10:49: Es ist Hauptsache, die Familie hält zusammen und Hauptsache irgendwie alle packen mit an.
00:10:55: Und es ist halt die beste Person, die am meisten Commitment zeigt, die danach geht.
00:10:59: Was aber schon irgendwann klar war, ist, dass mein ältester Bruder auch Müller
00:11:02: geworden ist und es sehr naheliegend einfach lag, dass er auch irgendwann den
00:11:07: praktischen Bereich übernehmen wird, mittel- bis längerfristig.
00:11:12: Meine zwei nächsten Geschwister, mein quasi ältester, zweitältester Bruder und
00:11:16: meine Schwester, da hatte sich relativ früh herauskristallisiert,
00:11:19: dass sie nicht ins Unternehmen gehen wollen.
00:11:21: Und ich war dann schlussendlich die Erste, die so in diese Richtung kaufmännisch
00:11:25: gegangen ist und BWL studiert hat, wo sich dann wieder ein neuer Raum ergeben hat.
00:11:30: Und eine Sinnhaftigkeit, ob man das nicht vielleicht als Team macht,
00:11:34: mit auf der einen Seite der Praxis und auf der einen Seite dem kaufmännischen Part.
00:11:38: Aber das war nicht vorgefertigt, das wusste man nicht. Okay,
00:11:41: dann schauen wir mal, wie sich dein Leben zwischen dem Studium und dem Umzug
00:11:47: nach Thüringen entwickelt hat.
00:11:49: Du bist in Thüringen angekommen, ihr habt dann letztlich ja auch auf dem Gelände
00:11:56: gewohnt und wie hast du vor allem
00:12:01: auch die Grundschule in Thüringen wahrgenommen oder die ersten Jahre?
00:12:06: Ja, das kann man sich natürlich, glaube ich, wenn man nicht diesen Weg gegangen
00:12:11: ist, vom Westen in den Osten zu ziehen, nur schwer vorstellen, wie das so war.
00:12:16: Und ich glaube, es hat auch jeder, der diesen Weg gegangen ist,
00:12:19: anders erlebt, wie ich es wahrgenommen habe als Kind war,
00:12:22: dass ich schon immer sehr präsent vor Augen hatte, wir sind jetzt die Wessis,
00:12:26: die jetzt hier in den Osten gekommen sind, mit dem Hintergrund zusätzlich noch,
00:12:30: dass wir natürlich als Unternehmerfamilie dahin gegangen sind.
00:12:38: Und man schon einen etwas argwöhnischen Blick dort genossen hat für den Anfang.
00:12:47: Und ich das auch tagtäglich auch in der Schule auch als kleines Kind erlebt
00:12:50: habe. Ich meine, Kinder sind sehr, sehr ehrlich und sehr direkt, wie wir alle wissen.
00:12:55: Und da sind schon auch immer wieder Situationen entstanden, wo ich mich als
00:13:01: Kind auch einfach dafür geschämt habe, Unternehmertochter zu sein.
00:13:07: Und welche Art von Sprechen gab es da? Wie kann man sich das vorstellen?
00:13:11: Beispielsweise Dinge wie, wenn dein Vater jetzt hier so viel investiert,
00:13:15: kannst du uns ja morgen auch ein bisschen Geld mitbringen in die Schule.
00:13:17: Ich habe ein Leben lang einen Spitznamen gehabt, der da hieß Melo,
00:13:22: den ich total mag, weil ich meine ganzen engen Freunde von früher alle unter
00:13:26: diesem Spitznamen eben auch kennen.
00:13:27: Aber eigentlich ist es entstanden aus der Situation heraus, dass Kinder hinter
00:13:30: mir saßen in der Schule und gesagt haben, Mensch, Anne-Marie,
00:13:32: hast du eigentlich Mehl in den Ohren, weil ich die irgendwie nicht gehört habe?
00:13:35: Und dann wurde daraus irgendwie Mehlohr und dann hat sich das so entwickelt.
00:13:38: Das Glückliche war aber tatsächlich, ich bin ein recht optimistischer und auch
00:13:43: ein recht fröhlicher Mensch und das hat dankbarerweise dann auch relativ schnell
00:13:48: auch in der Grundschule dazu geführt, dass ich da einfach drüber gelacht habe,
00:13:51: auch für mich drüber gelacht habe und dann auch relativ schnell auch wirklich
00:13:53: gute Freunde gefunden habe.
00:13:56: Und die Zeit hat mich auch wirklich geprägt, so nicht dieses ganz Smoothie irgendwie
00:14:00: zu haben in der Grundschule, sondern irgendwie auch mir selbst Gedanken darüber
00:14:03: zu machen, was bedeutet eigentlich Unternehmertum und das habe ich wirklich
00:14:06: intensiv auch getan, weil ich wusste ja zeitgleich,
00:14:10: dass wir einfach unglaublich vielen Menschen einen Arbeitsplatz damals ermöglicht haben irgendwie.
00:14:14: Und ich habe auch gesehen, dass meine Eltern unglaublich viel für ihre Mitarbeitenden getan haben.
00:14:19: Ich habe immer so ein bisschen diese Waage zwischen, ja,
00:14:22: man steht so ein bisschen im Fokus der Gesellschaft, wenn man Unternehmer,
00:14:28: Unternehmerin ist, aber auf der anderen Seite man unglaublich viel selber in
00:14:31: der Hand hält, in welchem Fokus ich stehe.
00:14:34: Ich habe ja immer selbst die Entscheidung, wie gehe ich mit meinen Mitarbeitenden
00:14:37: um, welche gesellschaftlichen, positiven Dinge kann ich auch voranstoßen als Unternehmerin.
00:14:47: Und ich habe da immer diese Waage gesehen.
00:14:49: Meine Eltern waren auch immer total aktiv tatsächlich, waren sehr aktiv in der
00:14:51: Kirche, waren sehr aktiv in der Unterstützung von diversen Vereinen,
00:14:55: vom Sport in der Region und so weiter und haben das auch irgendwie geschafft,
00:14:59: dann auch einen positiven Umgang.
00:15:03: Blick auf sich hinzubekommen. Du hast gerade davon gesprochen,
00:15:08: dass du ein sehr optimistischer Mensch bist und versuchst, die Dinge positiv zu sehen.
00:15:13: Ich schätze mal, das brauchtest du auch, als deine Eltern dir eröffnet haben,
00:15:17: dass sie sich trennen werden und für dich eine erneute auch geografische Veränderung
00:15:24: anstand, weil du im Kontext dessen mit deiner Mutter nach Bayern gezogen bist.
00:15:29: Genau, ja. Ich war da ungefähr 13, also so quasi fast direkt in der Pubertät
00:15:34: drin und meine Eltern haben damals,
00:15:36: das finde ich auch mal wieder eine ganz spannende Betrachtung,
00:15:39: so wie, reflektiere ich auch heute viel drüber, wie schafft man es eigentlich
00:15:43: als Paar gleichzeitig auch ein Unternehmen zu führen und trotzdem das Unternehmen
00:15:48: nicht zur Beziehung werden zu lassen quasi.
00:15:50: Und ich glaube, das ist damals natürlich bei meinen Eltern ab einem bestimmten Zeitpunkt passiert.
00:15:54: Die hatten weder einen Coach in Betreuung noch irgendwelche psychologische Betreuung
00:15:57: als Paar, sondern haben das halt so besten Gewissens gemacht,
00:16:00: irgendwie mit ihrer Ehe und dem Zusammenarbeiten.
00:16:03: Das hat leider einfach nicht funktioniert. Und genau wie du gerade sagtest,
00:16:06: ich bin dann damals mit meiner Mama nach Bayern gezogen, weil meine Mutter dann
00:16:10: natürlich diejenige war, die aus dem Unternehmen rausgegangen ist,
00:16:12: weil das Unternehmen aus der Familie meines Vaters kam.
00:16:15: Und das waren für mich in meiner Entwicklung als Kind und als junge Frau dann
00:16:21: auch schon ein unglaublich glückliches Erlebnis.
00:16:27: Das ist komisch zu sagen, weil die meisten wahrscheinlich an die Trennung ihrer
00:16:30: Eltern negativ zurückdenken, aber für mich hat das eine völlig neue Welt eröffnet.
00:16:34: Es war alles spannend damals in Thüringen und ja, es war auch spannend,
00:16:37: als Kind in so einem Unternehmenssetup aufzuwachsen, aber Bayern ist bis heute
00:16:43: noch meine absolute Herzensheimat.
00:16:45: Also die Familie meiner Mutter kommt aus dem tiefsten Bayern und wir sind dann
00:16:49: damals an den Ammersee gezogen und ich hatte vor allem das große,
00:16:52: große Glück, auf eine Schule gehen zu dürfen, die ein Internat eigentlich ist,
00:16:56: aber ich war als Tagesheimerin dort,
00:16:58: die unglaublich viel Entfaltungsmöglichkeiten geboten hat.
00:17:01: Und ich der festen Überzeugung bin, dass ich heute nicht die Person wäre,
00:17:06: wenn ich kein Unternehmen gegründet hätte selbst, wenn ich nicht diese Art der
00:17:10: Ausbildung hätte genießen dürfen damals zu Schulzeiten.
00:17:13: Das ist lustig, dass du sagst, weil die meisten Menschen, die ich kenne,
00:17:16: die unternehmerisch tätig werden.
00:17:19: Mich inklusive berichten nicht unbedingt positiv von ihrer Schulzeit und sagen,
00:17:24: dass sie zwar im Leben wahnsinnig viel gelernt haben und immer noch lernen,
00:17:27: aber die Schule nicht unbedingt etwas dazu beigetragen hat.
00:17:31: Kannst du vielleicht uns noch ein bisschen ausführlicher dieses Szenario beschreiben,
00:17:36: in dem du zur Schule gegangen bist?
00:17:37: Also was war das für eine Umgebung, was war das für ein schulisches System,
00:17:42: in dem du dich so gut entfalten konntest?
00:17:45: Ich glaube, das hat zwei Aspekte, was es dort ausgemacht hat und meiner Situation ausgemacht hat.
00:17:51: Also wie vielleicht auch nur zwei Sätze dazu, wie dieses Setup dieser Schule war.
00:17:56: Es war eben eine Ganztagesbetreuung dann, wie typischerweise in einem Internat.
00:18:00: Du als Tageshammerin geht man dann abends nach dem Abendessen oder kurz vorm Abendessen nach Hause.
00:18:04: Man hat aber im Endeffekt ein System den ganzen Tag über. Meist war das so bis
00:18:08: mittags Schule und am Nachmittag hat man sogenannte Werkstätten gemacht von bis.
00:18:12: Also irgendwelche handwerklichen Sachen, künstlerischen, sportlichen Dinge und
00:18:15: man hat eben immer noch eine Hausaufgabenbetreuung gehabt.
00:18:19: Und wie es auch typischerweise natürlich an einem Internat ist,
00:18:22: kommen Kinder ja nicht, 80, 90 Prozent wahrscheinlich, kommen jetzt nicht aus
00:18:27: ganz gewöhnlichen Gründen auf ein Internat, einfach nur, weil ich daneben lebe.
00:18:32: Mensch, habe ich mir gedacht, gehe ich jetzt mal auf so einen Privatschulen-Internat.
00:18:34: Sondern die meisten haben ja irgendeinen Grund, warum sie da hinkommen.
00:18:36: Entweder weil eben so Trennungsfälle sind oder weil man besondere Unterstützung
00:18:42: irgendwie braucht beim Lernen oder weil Eltern keine Zeit haben oder weil Kinder Waisen waren.
00:18:49: Also wir sind so ganz unterschiedliche Charaktere gewesen mit ganz unterschiedlichen
00:18:53: eigenen Geschichten, die da zusammengekommen sind.
00:18:55: Ich zeichne das in der Retrospektive immer mal so ein bisschen.
00:18:58: Man hat so Lämmer und Löwen zusammengesteckt. Die einen wurden vielleicht gemobbt,
00:19:04: wo sie herkamen und die anderen haben gemobbt.
00:19:06: Und irgendwie kamen wir dann da so zusammen an diesen Ort, an diesem wunderschönen
00:19:11: Ort, an diesem Ammersee und haben gegenseitig irgendwie uns gecoacht,
00:19:16: haben gegenseitig versucht, einen Weg zu finden irgendwie in einer Gemeinschaft trotzdem zusammen.
00:19:21: Klar zu kommen, die tiefsten, innigsten Freundschaften zu finden und so weiter.
00:19:25: Und wenn jemand da ausgebrochen ist, hat er auch relativ schnell Feedback aus der Gruppe bekommen.
00:19:28: Das war einfach ein unglaublich starkes Sozialprojekt, würde ich das fast schon sagen.
00:19:35: Und das ist, glaube ich, dieser eine Aspekt. Also dieses, wie wir als Kinder
00:19:39: und dann als Jugendliche und als junge Erwachsene dann miteinander in der Gruppe
00:19:44: umgegangen sind und wie sich das so etabliert hat.
00:19:46: Ich würde sagen, wenn ich jetzt auch mit Freunden von früher eben spreche,
00:19:50: wir haben noch einen sehr engen Kontakt miteinander, haben wir dort wirklich
00:19:53: Freunde fürs Leben getroffen.
00:19:54: Und das ist ja gar nicht so typisch für eine Schulzeit, dass Menschen wirklich
00:19:58: bis ins mittlere, höhere Alter, wie auch immer, noch die Freunde,
00:20:02: die sie in der Schule getroffen haben, mitnehmen.
00:20:04: Und das ist was ganz Besonderes. Das ist, glaube ich, so das eine.
00:20:10: Also wie quasi Gemeinschaft und wie so verschiedene Menschen mit so ganz unterschiedlichen
00:20:15: Geschichten da an so einen Ort kommen und da jeden Tag von morgens bis abends verbringen.
00:20:21: Und Punkt zwei ist vor allem das Thema, gerade schon angesprochen, mit den Werkstätten.
00:20:27: Also diese Schule hat, und das findet man nicht nur im Internat,
00:20:33: glaube ich, es gibt auch andere Schulsysteme, wo man das findet,
00:20:35: aber diese Schule hat eine Basis geboten, dass wir unglaublich viel ausprobieren
00:20:38: durften und sogar auch mussten.
00:20:39: Jeder von uns musste eben Werkstätten wählen, sowohl im bewegungstechnischen
00:20:44: Sportbereich als auch im kreativen Bereich.
00:20:47: Und somit hat jemand, ich habe zum Beispiel getöpfert, ich bin geklettert,
00:20:50: ich habe Hockey gespielt, ich habe Fußball gespielt.
00:20:52: Ich habe so viele unterschiedliche Dinge ausprobieren dürfen,
00:20:54: wo ich mich dran einfach mal messen konnte.
00:20:57: So macht mir das Spaß oder ist das jetzt eher nicht so meins?
00:21:01: Wir hätten aber auch Buchbinderei machen können.
00:21:03: Wir hätten Holzverarbeitung machen können. Wir hatten eine Metallverarbeitung.
00:21:09: Wir hätten theoretisch mit zwei verschiedenen Ausbildungen aus der Schule rausgehen
00:21:13: können, wenn wir das gewollt hätten.
00:21:14: Und deswegen einfach dieses Kinder- und Jugendliche ausprobieren lassen.
00:21:18: Das ist, glaube ich, so ein Riesenasset, was ich in meiner eigenen Ausbildung,
00:21:22: in meiner eigenen Zeit in der Schule so, so, so dankbar für bin,
00:21:25: dass ich das machen konnte zu diesem Zeitpunkt. Weil wann hätte ich jemals wieder getöpfert?
00:21:31: Ja, das klingt cool. Das gab es an meiner Schule alles nicht.
00:21:35: Deswegen habe ich vielleicht auch keine so schöne Erinnerung an meine Schulzeit.
00:21:40: Warst du eine engagierte Schülerin?
00:21:42: Also hast du gerne gelernt oder erinnerst du dich vor allem an dieses Sozialgefüge?
00:21:49: Also ich glaube, das sind für mich zwei unterschiedliche Sachen.
00:21:54: Engagiert, ja, ich war eine sehr engagierte Schülerin an dieser Schule.
00:22:00: Das heißt, ich war im sogenannten Ring, also das war damals so die Schülervertretung.
00:22:05: Ich habe sehr viele Partys organisiert, sehr viele Hauspartys bei mir zu Hause
00:22:10: organisiert. Ich war für viel Spaß, Freude und Spannung verantwortlich.
00:22:15: Da habe ich mich auch enorm engagiert. Ich habe auch damals ein Stipendium zum
00:22:19: Beispiel bekommen für ein Auslandserlebnis in Japan, was mich sehr geprägt hat, was ganz toll war.
00:22:25: Aber das habe ich nicht bekommen, weil ich jetzt irgendwie die fleißigste Schülerin
00:22:27: der Fleißigen war, sondern weil ich mich einfach immer engagiert habe.
00:22:30: Aber ich habe trotzdem ein gutes Abitur gemacht, weil mich dann doch der Elan am Ende gepackt hat.
00:22:35: Aber ich bin schon auch immer die Königin des Zuspätkommens gewesen.
00:22:39: Und ich war auch die Königin darin, irgendwie für eine Bioklausur am Abend davor
00:22:43: anzufangen zu lernen und dann irgendwie das sofort wieder zu vergessen nach
00:22:47: der Klausur. Das zieht sich auch so durch mein ganzes Leben.
00:22:49: Ich bin nicht diejenige, die strebsam mitgeschrieben hat.
00:22:52: Ich engagiere mich aber.
00:22:56: Ja, ist eine schöne Differenzierung. Ich nehme an, du hattest trotzdem wahrscheinlich
00:23:00: am Ende ein Abitur, das dir heute nicht peinlich ist.
00:23:04: Nee, nee, nee. Ich habe vor allem das Abitur auch gemacht in den Bereichen,
00:23:08: die mich wirklich interessiert haben.
00:23:09: Ich habe damals Kunst eben auch als Abiturfach gewählt.
00:23:13: Und für mich stand auch immer damals der im Raum, weil ich da natürlich auch
00:23:17: so viel ausprobieren durfte und ich so einen Spaß daran auch hatte,
00:23:20: ob ich eben womöglich auch Kunst studiere.
00:23:22: Also die Entscheidung fiel bei mir zwischen Kunst oder BWL, weil ich zum einen
00:23:26: in Mathe richtig gut war. Mathe, Physik und zum anderen in Kunst richtig gut war.
00:23:30: Und da war so ein bisschen dieser Scheideweg zwischen diesen beiden Sachen.
00:23:33: Und ich habe mich dann eben, wie gesagt, für BWL entschieden.
00:23:35: Hätte aber auch was anderes passieren können.
00:23:37: Was war denn am Ende ausschlaggebend, dass es nicht Kunst geworden ist?
00:23:44: Tatsächlich die Gedanken an das
00:23:45: Thema Familienunternehmen und was so meine längerfristigen Schritte sind.
00:23:49: Und ich glaube, das ist übrigens auch Punkt drei, warum diese Schule so besonders
00:23:53: für mich war, ist dann schon auch die Umgebung gewesen. Ich hatte einfach.
00:24:01: In der Gruppe meiner MitschülerInnen einfach viele Menschen,
00:24:04: viele Personen, die sich einfach
00:24:05: frühzeitig schon damit auseinandergesetzt haben mit ihrem Karriereweg.
00:24:08: Ich weiß nicht, ob ich aus mir selbst heraus auf die Idee gekommen wäre,
00:24:11: dadurch, dass meine Geschwister alle nicht studiert haben.
00:24:14: Studium war bei uns in der Familie überhaupt kein Thema. Es hat einfach keiner
00:24:16: Abitur gemacht oder ein Studium gemacht.
00:24:22: Und das war nicht so natural, dass ich das so mitgegeben bekommen habe.
00:24:25: Das heißt, es hätte auch sein können, dass ich einfach eine Ausbildung gemacht
00:24:27: hätte. Und dadurch, dass ich Aber dann doch im Rahmen meiner MitschülerInnen
00:24:31: so viele Leute hatte, die dann gesagt haben, so komm,
00:24:33: lass uns doch mal zur Unitag XY fahren zum Tag der offenen Tür oder lass uns
00:24:37: doch das mal anschauen, bin ich überhaupt erst auf die Idee gekommen,
00:24:40: zum einen Studium für mich als einen möglichen Weg zu sehen und zum anderen
00:24:47: aber eben auch darüber nachzudenken, ja,
00:24:50: jetzt ist das Thema Kunst das, was mir gerade Spaß macht, aber was will ich
00:24:54: damit eigentlich in fünf Jahren machen?
00:24:55: Und dieser Blick darauf hat dann das Thema Familienunternehmen wieder so in meinen Fokus gerückt.
00:25:01: Und das Familienunternehmen zu diesem Zeitpunkt, das habe ich auch relativ richtig
00:25:04: erkannt, braucht einfach jemanden,
00:25:05: der kaufmännisch da irgendwann mal mit kaufmännischem Wissen reinkommt.
00:25:12: Und deswegen habe ich mich für BWL entschieden.
00:25:15: Ich muss da nochmal nachhaken, weil du jetzt mehrfach schon über das Familienunternehmen
00:25:19: gesprochen hast und wir werden gleich nochmal ausführlicher darauf zu sprechen
00:25:22: kommen, aber war es das Gefühl von Verantwortung, das dich getriggert hat oder?
00:25:29: Vielleicht eben auch die Chancen, die du gesehen hast im Familienunternehmen.
00:25:32: Also eher eine Verpflichtung oder tatsächlich eher eine intrinsische Motivation?
00:25:38: Damals war es auf jeden Fall das Thema Chancen. Okay. Vor allem aber auch,
00:25:43: glaube ich, ich meine, da hat ja jeder sein eigenes Verhältnis,
00:25:45: glaube ich, zu diesen Eltern.
00:25:46: Aber bei mir war es schon auch so ein bisschen dieses Bild meines Vaters natürlich
00:25:50: auch, so der große Unternehmer, der ja auch relativ fern zu dem Zeitpunkt von
00:25:54: mir war, weil ich lebte ja mit meiner Mutter in Bayern. der dann eben gesagt
00:25:58: hat, Mensch, Annemarie, kannst du dir das nicht vorstellen?
00:26:00: Und das natürlich auch in einem Vater-Kind-Verhältnis, was ganz Besonderes war
00:26:04: für mich, dass dieser Mann quasi sich vorstellen kann, dass ich da eben womöglich
00:26:08: auch meinen Anteil dran oder meinen Teil reingebe sozusagen in dieses Konstrukt.
00:26:14: Und deswegen, es war so, es war nicht Verantwortung, nee.
00:26:20: Du hast in deiner Lifeline, die du mir vorab bereitgestellt hast,
00:26:24: hast diverse Auslandsaufenthalte aufgeführt.
00:26:26: Du warst, was du gerade schon angesprochen hast, während der Schulzeit in Kanada.
00:26:32: Du warst in Japan. Du warst in Spanien, Argentinien. Du warst in China, in Shanghai.
00:26:39: Und dann sehr viel später noch mal in Kapstadt. Ich glaube, das ist ein eigenes
00:26:42: Kapitel, auf das wir zu sprechen kommen müssen, auch im Kontext der Gründe von Care & Me.
00:26:48: Wie kam das? Also ich schätze mal, das waren ja auch viele selbstbestimmte Entscheidungen,
00:26:53: dass du gesagt hast, Du möchtest ins Ausland, weil dein Vater und auch nicht
00:26:58: deine Mutter dich dahin befördert haben.
00:27:01: Was hat den Hunger in dir nach der Welt genährt?
00:27:05: Ja, das ist eine wichtige oder eine gute Frage, weil ich die selber auch noch
00:27:08: nicht ganz beantworten kann.
00:27:10: Ich stelle die mir aber aktuell recht oft, weil ich jetzt eine kleine Tochter habe, die ist zwei.
00:27:15: Ich stelle mir schon immer mal so die Frage, auch wenn wir gerade über Urlaubsplanung
00:27:18: nachdenken und man denkt so über so ein bisschen so ein unsichereres Land nach.
00:27:22: Und Indien ist tatsächlich gar nicht dabei in der Liste. Ich war auch noch mal drei Monate in Indien.
00:27:27: Ich habe lauter so Länder bereist oder dort irgendwie gearbeitet,
00:27:30: wo ich jetzt heute bei meiner Tochter sagen würde, so um Himmels Willen,
00:27:34: wenn die um die Ecke kommt und mir irgendwie mitteilt mit, keine Ahnung, 15,
00:27:38: sie möchte jetzt drei Monate nach Indien mit 200 Euro in der Tasche mit ihrer
00:27:42: engsten Freundin, dann würde mir das schon schwer fallen, da einfach zu sagen,
00:27:45: ja, habe ich selber gemacht, mach du das doch mal.
00:27:47: Daher, ich stelle mir schon immer mal die Frage, wie kam es eigentlich dazu,
00:27:50: dass ich diesen Drang verspürt habe, etwas Neues zu sehen.
00:27:55: Und wenn ich mich jetzt heute so betrachte, als die Person, die ich heute bin,
00:27:58: würde ich sagen, dass das so ein bisschen der Funke und der Ursprung war in
00:28:04: meinem Interesse an persönlicher Entwicklung.
00:28:05: So, ich habe relativ früh nach der Trennung meiner Eltern damals schon eine
00:28:10: Entscheidung getroffen, dass einfach ich selber versuche, Antworten zu finden
00:28:15: und Dinge, die mir so an Glaubenssätzen,
00:28:18: ohne dass ich damals wusste, dass das Wort Glaubenssätze überhaupt existiert,
00:28:21: dass ich selber versuche, Antworten zu finden und die Dinge,
00:28:25: die mir mitgeteilt wurden, mein Leben lang auch hinterfrage.
00:28:27: Weil ich einfach da in diesem ganzen Familien-Setup auch einfach viele Dinge
00:28:33: gesehen habe, wo ich mir gedacht habe, so möchte ich das für mein Leben nicht.
00:28:36: Und das ist genau so, wie ich keine Entscheidung treffen würde.
00:28:39: Und deswegen habe ich so angefangen, so selber Antworten zu suchen tatsächlich.
00:28:42: Zum einen habe ich das irgendwann angefangen mit extrem vielen Biografien zu
00:28:46: lesen, sowohl von bösen als auch guten Menschen.
00:28:51: Und auf der anderen Seite habe
00:28:52: ich einfach angefangen, im Selbststudium verschiedene Dinge zu machen.
00:28:57: Und ich glaube, dazu gehört dieses Auslandsthema auch. Für meine Mutter war
00:29:02: das damals auch total schockierend.
00:29:03: Ich bin wirklich eines Tages nach Hause gekommen und habe gesagt,
00:29:05: Mami, ich habe mir überlegt, ich gehe jetzt ein Jahr nach Kanada.
00:29:08: Und es ist mir eigentlich egal, was du sagst, ich mache das jetzt einfach.
00:29:11: Und so habe ich das mit meinen Auslandsaufenthalten, bevor ich 18 wurde,
00:29:14: wirklich immer gemacht.
00:29:15: Ich bin um die Ecke gekommen und habe gesagt, mach das jetzt.
00:29:17: Und dann habe ich das einfach gemacht.
00:29:19: Und ja, ich glaube, ich habe das...
00:29:22: Diese ganzen Erlebnisse in die Wege geleitet, weil ich so auf der Suche einfach war.
00:29:27: Ich musste einmal nachhaken und einhaken.
00:29:30: So habe ich es auch gemacht. Ich bin nach Hause gekommen und habe gesagt,
00:29:34: Mama, ich habe mir überlegt, ich gehe jetzt in die USA für ein Jahr.
00:29:37: Da war ich 15 und ich habe eine Klasse übersprungen. Deswegen war ich ein Jahr
00:29:43: jünger als alle anderen.
00:29:44: Aber nichtsdestotrotz hätte ich ein Jahr auf Auslandsaufenthalt gemacht.
00:29:50: Bei mir lief das, ich weiß nicht, wie es bei dir dann ablief,
00:29:53: was deine Mutter gesagt hat, aber meine Mutter hat gesagt, nö, machst du nicht.
00:29:56: Ich habe gesagt, doch, wirklich, das ist gut für mich und das ist gut für meine
00:29:59: Entwicklung, ich möchte das wirklich machen.
00:30:02: Meinte sie, nö, machst du nicht und damit war das Thema zu Ende.
00:30:06: Wie lief das bei dir ab? Also musstest du dich durchsetzen oder hast du dann
00:30:10: die Unterstützung auch letztlich von deiner Mutter und vielleicht auch von deinem Vater bekommen?
00:30:15: Nee, ich habe tatsächlich schon die Unterstützung immer bekommen in all diesen Schritten.
00:30:19: Ich habe aber auch eine gewisse Vehemenz. Das ist sicherlich eine Kombination
00:30:26: aus meiner Vehemenz, klaren Überzeugung, Vorarbeit auch.
00:30:30: Also ich habe da schon genau gewusst, wohin ich gehen will und wie ich das machen
00:30:32: will und so. Und dann aber auch in der Kombination mit, meine Eltern haben mir
00:30:38: unglaublich viel ermöglicht.
00:30:39: In dem Moment, wo es darum ging, wenn ich gesagt habe, ich will mich entwickeln,
00:30:43: ich möchte das machen für meine Ausbildung, dann haben sie das irgendwie ermöglicht.
00:30:51: Da bin ich ihnen auch unglaublich dankbar. Cool.
00:30:55: Schön. Ich weiß, es ist ein bisschen doof, das eine mit dem anderen zu vergleichen,
00:31:00: aber gibt es eine Station im Ausland, die für dich ganz besonders prägend gewesen ist?
00:31:05: Man sagt jetzt bitte nicht Kapstadt in Bezug auf Kernmiewer,
00:31:08: dann nimmst du etwas vorweg. Kapstadt, klammern wir jetzt einfach kurz nach aus.
00:31:13: Also ich glaube, eine Phase, die ganz besonders oder eine Station,
00:31:18: die ganz besonders prägend war, war vom Lebensgefühl her.
00:31:22: Also das nehme ich auch immer wieder als Referenz. Wenn es mir manchmal nicht
00:31:26: so gut geht in manchen Phasen, dann denke ich zurück an das Gefühl,
00:31:29: wie ich damals aufgewacht bin. Ich komme gleich dazu.
00:31:33: Schöner Spannungsbogen. Genau. Und dann versuche ich, mich daran zu erinnern
00:31:38: und das als quasi Score zu verwenden.
00:31:41: Wie komme ich da eigentlich wieder hin? Und das war damals in Argentinien tatsächlich.
00:31:44: Ich war in Argentinien so bei mir. Ich weiß noch, dieses Gefühl,
00:31:48: morgens aufzuwachen, sich zu denken, wie kann man so glücklich sein jeden Morgen?
00:31:52: Und diese Freiheit, die ich damals empfunden habe.
00:31:55: Aber trotzdem, ich habe ja nicht nichts gemacht. Ich habe trotzdem weiter studiert.
00:31:59: Ich habe trotzdem irgendwie über meine Karriere nachgedacht.
00:32:03: Nachgedacht, Karriere ist immer so ein komisches Wort, finde ich,
00:32:05: aber über meine Zukunft nachgedacht, aber ich war auch so im Hier und Jetzt
00:32:08: und das ist das Erstrebenswerte, was ich so heute für mich, und deswegen nehme
00:32:12: ich das als Score, ich habe nie wieder so im Jetzt gelebt wie in Argentinien.
00:32:18: Ich kann mich so sehr an dieses Gänsehautgefühl erinnern, welche Musik ich damals
00:32:22: gehört habe, deswegen ist es auch für mich immer noch so heute,
00:32:24: spanische Musik, das ist so ganz tief verankert bei mir, als das ist die Musik,
00:32:29: die ich in meinen glücklichsten im Jetzt-Leben-Moment irgendwie gehört habe.
00:32:33: Das ist dieses eine Erlebnis, das was so zum Maßstab geworden ist und Punkt
00:32:41: zwei ist, glaube ich, was genau entgegengesetzt ist, also ein Negativerlebnis
00:32:47: und das war damals Shanghai.
00:32:48: Nicht, weil ich Shanghai negativ fand. Ich bin nach Shanghai gegangen,
00:32:51: um bei Dr. Oetker zu arbeiten.
00:32:54: In einer Phase, als bei uns, da kommen wir dann ja auch nochmal kurz dazu,
00:32:58: aber bei uns im Familienunternehmen alles ganz, ganz, ganz schwierig wurde und
00:33:02: ich musste Shanghai irgendwann abbrechen, weil mein Vater mich angerufen hat
00:33:06: und gesagt hat, so jetzt,
00:33:07: the ship goes down, du musst jetzt nach Hause kommen.
00:33:10: Und ich weiß noch, wie ich in meinem Bett in Shanghai gelegen habe,
00:33:12: gemerkt habe, dass meine Zukunft, jeder Stein, den ich irgendwann mal aufeinander
00:33:16: gesetzt hatte, plötzlich ineinander zusammenbrach.
00:33:19: Und ich glaube, es waren zwei oder drei Nächte, die ich einfach zu Hause saß,
00:33:22: geweint habe und gesagt habe, so jetzt ist irgendwie mein Leben zu Ende,
00:33:24: obwohl es am Ende nur ein Unternehmen war.
00:33:26: Aber ja, da kommen wir bestimmt nochmal dazu. Das ist, glaube ich,
00:33:29: so das Entgegengesetzte.
00:33:30: Ja, dann lass uns doch jetzt dazu kommen. Du hast im Alter von 24 gesagt,
00:33:35: ich sehe hier ein Familienunternehmen, ich sehe vor allem meinen Vater,
00:33:39: den ich zu wenig sehe und vielleicht dadurch eben auch öfter sehen könnte,
00:33:43: was du gerade schon angedeutet hast.
00:33:45: Ich folge seinem Ruf und trete ins Familienunternehmen ein.
00:33:51: War denn klar, was deine Aufgabe, deine Rolle sein sollte und wie du in diesem
00:33:56: Unternehmen, wo du ja keine Müllerin bist, sondern eben eine kaufmännisch ausgebildete
00:34:01: Person, was du hättest bewirken können und sollen?
00:34:06: Nee, das war überhaupt nicht klar und das war auch der Grund,
00:34:10: warum ich mich nach dem Bachelor direkt,
00:34:11: also ich habe meinen Bachelor an so einer typischen Business School gemacht
00:34:15: in Österreich-Winkel damals und da war ich als Familienunternehmerin Tochter
00:34:21: auch relativ einzigartig.
00:34:24: So viele gab es davon nicht.
00:34:25: So die Apps war eher bekannter für UnternehmensberaterInnen und InvestmentbankerInnen hervorzubringen.
00:34:31: Und deswegen habe ich mich damals am Ende der Ausbildung dazu entschieden,
00:34:37: dass ich eben jetzt erstmal ins Unternehmen gehe, um überhaupt ein Gefühl dafür zu bekommen,
00:34:41: wenn ich denn nochmal woanders lerne, nochmal ein anderes Studium mache wie
00:34:46: ein Master und nochmal für ein anderes Unternehmen arbeite, was ich auf jeden
00:34:49: Fall wollte für ein paar Jahre, da muss ich ja wissen, worauf ich mich konzentrieren sollte.
00:34:53: Und bestenfalls tue in den nächsten Jahren.
00:34:56: Und deswegen habe ich eigentlich mich dazu entschieden, das haben ja früher
00:34:58: damals recht viele gemacht, dass man wie so eine Art Trainee gemacht hat für
00:35:02: ein Jahr in Unternehmen und das hatte ich für mich so zusammengebaut.
00:35:05: Ich bin dann eben ins Unternehmen reingegangen.
00:35:07: Wir hatten zu diesem Zeitpunkt nicht mehr nur die Müllerei, sondern wir hatten
00:35:10: eben diese große Müllerei, diesen Müllereibereich. Wir hatten aber auch eine Bäckereikette.
00:35:15: Wir hatten eine große Pasta-Produktion und noch so verschiedene andere Geschichten.
00:35:19: Und um einfach quasi ein Gefühl zu bekommen, habe ich mir gedacht,
00:35:23: ich gehe mal in jedes dieser Unternehmen ein paar Monate rein, um einfach, wie gesagt,
00:35:27: davon abzuleiten, in welche Richtung konzentriere ich mich dann danach weiterhin
00:35:31: in meiner Ausbildung, um dann vielleicht irgendwann mit Mitte 30 wieder zurückzukommen
00:35:35: ins Unternehmen, Anfang Mitte 30.
00:35:37: Und dazu kam es aber eben dann nicht, dass ich nach einem Jahr wieder gehen
00:35:42: konnte, sondern schlussendlich bin ich dann insgesamt vier Jahre geblieben.
00:35:47: Du hast gerade von diesem Erlebnis in Shanghai erzählt.
00:35:51: Ich weiß, das ist ein bisschen schwierig, das wahrscheinlich so monothematisch
00:35:56: oder monokausal zu beantworten, aber was ist bei euch schiefgegangen?
00:35:59: Also wie wird aus einem Familienunternehmen, wie du es gerade beschrieben hast,
00:36:02: das ja so breit aufgestellt ist, letztlich ein Unternehmen, das dann scheitert?
00:36:09: Ja, das ist schwierig wahrscheinlich, wie gesagt, das Monokausal zu beschreiben.
00:36:14: Da sind so viele Dinge, die da einen Einfluss hatten.
00:36:17: Ich kann vielleicht besser auf das eingehen, was am Ende ich vorgefunden habe.
00:36:21: Und vorgefunden habe ich, als ich ins Unternehmen gegangen bin,
00:36:24: eine Situation, die überschuldet war, die, ja, die,
00:36:34: Punkt wahrscheinlich, die einfach überschuldet war und die so in sich nicht
00:36:39: mehr bestehen konnte und wo dann in der Folge auch noch einige Fehlentscheidungen getroffen wurden,
00:36:45: wie man hätte aus dieser Krise herauskommen können und viele Dinge davon auch
00:36:51: einfach schon in den Jahren, weit in den Jahren, bevor ich da irgendwie einen
00:36:54: einzigen Blick oder den ersten Blick reingeworfen habe, auch falsch entschieden
00:36:57: wurden. Und man muss sich das ja auch immer so vorstellen.
00:36:59: Ich meine, auch der ganze Blick auf unseren Mittelstand in Deutschland und die
00:37:03: Familienunternehmer in dieser letzten Generation.
00:37:06: Das war ja oft so, dass das einfach Menschen waren mit einer unfassbaren visionären
00:37:11: Stärke, mit unglaublichem Optimismus und das gepaart irgendwie mit einer wirtschaftlichen Situation.
00:37:19: Die unglaublich viele Möglichkeiten geboten hat, unglaublich viele Chancen geboten hat.
00:37:24: Aber von der Ausbildung her waren viele dieser FamilienunternehmerInnen ja keine
00:37:27: ehemaligen Berater oder keine typischerweise BWLerInnen, sondern ganz oft einfach
00:37:32: Praktiker, wie ja zum Beispiel mein Vater als Müller.
00:37:35: Und ich denke, umso größer natürlich dann auch solche Unternehmen werden,
00:37:40: umso komplexer wird es auch, sich die richtigen BeraterInnen zur Seite zu holen,
00:37:45: den Überblick zu behalten und so weiter und genau das ist bei uns damals einfach
00:37:48: passiert und somit war die Basis und eben das, worauf das ganze Konstrukt stand,
00:37:54: extrem wackelig und dann haben die falschen Dinge dazu geführt,
00:37:58: dass einmal unten die Füße weggerutscht sind sozusagen.
00:38:02: Und das hat dann einfach im Endeffekt zu diesem gesamten Zusammenbruch geführt,
00:38:05: bis hin wirklich zur kompletten Zerschlagung des gesamten Systems.
00:38:09: Und das ist auch extrem prägend für meine nächsten Schritte gewesen.
00:38:14: Man muss sich das so vorstellen, ich habe meine Kindheit, Jugend,
00:38:17: Studium genossen in einem System.
00:38:21: Monitären Übermaß, so in der Retrospektive. Also ich musste mir nie irgendwelche Sorgen machen.
00:38:27: Es war immer möglich, dass ich ins Ausland gehe. Es war möglich,
00:38:29: dass ich mein Studium finanziert bekomme, was so ein unglaubliches Glück ist,
00:38:32: was ich damals aber überhaupt nicht als solches Glück wahrgenommen habe,
00:38:35: weil es einfach da war. Und.
00:38:40: Ich musste mir einfach über Geld als Kind und Jugendliche und Studentin nie Gedanken machen.
00:38:45: Und dann kam diese Situation mit diesem Zusammenbruch dieses Unternehmens und
00:38:50: Und wie es auch viele FamilienunternehmerInnen gemacht haben in der Historie
00:38:56: und sicherlich auch noch machen, ist,
00:38:57: Unternehmen ist ja für viele gleich Familie und gleich Wohlstand und gleich Glück.
00:39:02: Das heißt, der letzte Euro wird am Ende immer noch reingegeben,
00:39:06: weil man sich ja denkt, das ist ja eine Investition in die Zukunft und in die
00:39:09: Absicherung und so weiter.
00:39:10: Und genau so hat es meine Familie und mein Vater eben auch gemacht,
00:39:12: sodass wirklich auch nach diesem Zusammenbruch nichts mehr da war.
00:39:16: Gar nichts. Nichts. Also es ist nicht so. Hat.
00:39:21: Vatian als Familie in irgendeiner Weise darauf vorbereitet oder hat dein Vater
00:39:26: versucht, das mit sich selbst auszumachen und versucht,
00:39:29: diesen Kummer, den er wahrscheinlich eben auch nicht irgendwie zwei vor zwölf
00:39:34: erst empfunden hat und die Sorge von euch fernzuhalten?
00:39:38: Nee, wir waren schon im Loop. Ich war natürlich auch vor Ort und ich war so
00:39:43: ein bisschen das Sprachrohr zwischen Familie und meinem Vater natürlich auch.
00:39:47: Aber ich denke, durch diesen Wahnsinnsoptimismus,
00:39:52: den ich auch von ihm geerbt habe und dieses Visionäre, ist es extrem schwer,
00:39:58: dann in kritischen Phasen, das merke ich auch bei mir in meinem täglichen,
00:40:02: in kritischen Phasen sich wirklich einzugestehen, so, die Hütte brennt, Lichterloh.
00:40:07: Und daher haben wir es vielleicht mitbekommen, aber dadurch,
00:40:10: dass es in einer anderen optimistischen Sprachweise ausgedrückt wurde,
00:40:13: hat das auch niemand verstanden, glaube ich.
00:40:18: Und was kam denn auf dich zu, als ihr das ja dann letztendlich zerschlagen habt
00:40:26: und du ja aber an Bord geblieben bist?
00:40:28: Also es ist ja nicht so, dass du dann gesagt hast, Papa, es war nett mit dir
00:40:32: und ich gehe jetzt wieder meinen eigenen Weg, sondern du bist dann ja eben an
00:40:36: Bord geblieben, um ihn zu unterstützen und letztendlich das dann auch als Familie zu lösen.
00:40:44: Ja, also was auf mich zukam, waren einfach so ein paar Jahre der...
00:40:49: Und so, wie soll ich das beschreiben, wenn ich jetzt auch in der Retrospektive
00:40:56: daraus blicke, das ist so, wie in so einem Schockzustand war das, glaube ich, damals.
00:41:00: Und ich habe so funktioniert jeden Tag. Wir haben natürlich unglaublich viel gearbeitet.
00:41:04: Wir saßen jeden Abend bis spät nachts in der Holding und haben überlegt.
00:41:08: Dann habe ich versucht, noch über verschiedene Kontakte, die ich selber noch
00:41:11: hatte, Menschen dazu zu holen, die uns noch hätten unterstützen können,
00:41:14: in dem Wissen und so weiter.
00:41:17: Aber ich glaube, es war wie so eine Art Schockstarre und so eine Schockphase,
00:41:22: die auch vor allem bei mir privat, in meinem Persönlichen, auch dazu geführt
00:41:27: haben, dass ich einfach sehr wenig für mich selbst getan habe.
00:41:29: Also ich habe natürlich zu dem Zeitpunkt nicht besonders viel mit Freunden unternommen
00:41:32: und so weiter, sondern ich habe einfach unglaublich viel gearbeitet.
00:41:35: Und von Monat zu Monat und von Jahr zu Jahr ist mir einfach bewusster geworden
00:41:38: und das dauerte wirklich eine Zeit, bis das wirklich einsickerte,
00:41:41: so, das Ding hier ist nicht zu retten.
00:41:43: Und für mich hieß halt dieses Ding gleich Familienunternehmen,
00:41:46: Familienunternehmen gleich meiner Zukunft, die ich einfach über viele Jahre
00:41:50: dann ja zu diesem Zeitpunkt schon in Angriff genommen oder in den Blick genommen hatte.
00:41:55: Und somit habe ich versucht, gleichzeitig irgendwie für mich.
00:42:00: Erkenntnisse zu sammeln und irgendwie psychologisch aus diesem Strudel rauszukommen
00:42:05: und zu überlegen, okay, welche Schritte kann ich jetzt für mich gehen,
00:42:09: damit ich mich davon abgrenze und irgendwie wieder in die Zukunft blicken kann.
00:42:13: Und das hat dann schlussendlich dazu geführt, dass ich dann damals mich dazu entschieden habe,
00:42:18: auch wenn dieses Studium, was ich dann danach gemacht habe, nicht mehr zum Wohle
00:42:25: des Familienunternehmens war, aber trotzdem eben Studium zu machen,
00:42:27: weil ich irgendwie die Hoffnung hatte,
00:42:29: einfach nochmal raus aus dem Arbeitsleben, einfach nochmal raus aus dieser Tretmühle,
00:42:33: einfach nochmal raus aus dieser Negativität, zurück in die Positivität.
00:42:36: Ich weiß auch noch, damals habe ich auch an Argentinien gedacht,
00:42:38: habe mir gedacht, vielleicht kann ich ja das Gefühl Argentinien nochmal hervorrufen
00:42:42: und da ist vielleicht das Studium der beste Raum.
00:42:45: Und ich habe mich damals nicht dazu entschieden, einen typischen Master zu machen.
00:42:48: Ich wollte eigentlich ursprünglich nochmal so einen Finance Master oder so machen.
00:42:51: Das habe ich dann nicht gemacht, sondern ich habe mich dann wirklich für einen
00:42:53: ganz klassischen MBA entschieden,
00:42:55: weil ich mir gedacht habe, nach vier Jahren so faktischen Lernens ist es vielleicht
00:43:03: auch gut, ein bisschen mehr Soft Skills sich anzunehmen.
00:43:06: Zu eignen und sich ein bisschen wieder aufs Bigger Picture zu konzentrieren,
00:43:09: was sich auch bewahrheitet hat.
00:43:12: Cool. Ja, ich persönlich stelle mir das gar nicht so einfach vor,
00:43:16: wenn man gerade die ersten Jahre eben,
00:43:20: auch tatsächlich im eigenen Unternehmen gewirkt hat, nochmal irgendwie an die
00:43:25: Unibank zu gehen und sich hinzusetzen und zu lernen.
00:43:29: Ja, aber das war genau das, was ich unbedingt wollte. Ich wollte,
00:43:32: nee, ich wollte nicht lernen, aber gelernt habe ich ja nie so wirklich.
00:43:35: Ich wollte nicht lernen, Ich wollte einfach nur diese Freiheit,
00:43:38: dieses Freiheitsgefühl im Bauch, was ich immer in meinen Studien und Lehrjahren
00:43:44: und Schuljahren irgendwie empfunden habe, das wollte ich irgendwie wieder zurück rekreieren.
00:43:51: Ja, was für ein Glück, muss man ja sagen, weil es ist ja nicht nur der MBA gewesen,
00:43:56: den du damit absolviert hast, sondern letztlich ja auch ein...
00:44:00: Dann der Auslandsaufenthalt, über den wir ja schon so ein bisschen gesprochen
00:44:04: haben, haben das Auslandssemester in Kapstadt.
00:44:07: Und Kapstadt, beziehungsweise die Zeit dort, hat ja letztlich dazu geführt,
00:44:12: dass du dein Leben heute lebst, wie du es lebst.
00:44:14: Und vielleicht beschreibst du uns, was du in Kapstadt so Prägendes erlebt hast.
00:44:18: Okay, Spannungsbogen könnte jetzt nicht mehr höher sein.
00:44:25: Ja, da muss ich vielleicht nochmal da einsteigen.
00:44:29: Ich wusste zu diesem Zeitpunkt ja wirklich nicht mehr, was ich beruflich machen
00:44:31: will und in meiner Zukunft machen will.
00:44:33: Und das hört sich jetzt vielleicht so klein an, weil meine Güte,
00:44:37: irgendwie mit Mitte 20, wie viele Leute wissen schon, was sie mit ihrem Leben machen wollen.
00:44:41: Aber bei mir war zu diesem Zeitpunkt mein Selbstwert, das, was ich bin,
00:44:46: was mich ausgemacht hat als Person,
00:44:48: wer ich auch war als Person in meiner, also quasi in meinen Freundeskreisen,
00:44:55: wie ich mich immer gesehen habe, das war
00:44:56: so verwoben schon in dieses Familienunternehmen, was irgendwie irre ist.
00:45:02: Wenn ich jetzt heute 25-Jährige sehe, denke ich mir auch so,
00:45:04: meine Güte, dann ist halt noch mal was anderes in deinem Leben.
00:45:06: Aber das hat sich damals nicht so für mich angefühlt. Das hat sich so angefühlt,
00:45:09: als wäre meine gesamte Identität einmal so zerschlagen worden.
00:45:12: Und ich würde jetzt da sitzen mit diesem Glaspuzzleteilchen,
00:45:18: die alle gleich aussehen und die muss ich jetzt irgendwie wieder zusammensetzen.
00:45:21: Aber es fehlen halt 20 von 40. Ja.
00:45:26: Diesem Gefühl bin ich in diesen MBA reingestartet.
00:45:30: Und dann habe ich mich wirklich relativ faktisch immer wieder hingesetzt.
00:45:34: Ich bin zu jeder Company-Presentation damals gegangen, die es irgendwie gab,
00:45:40: was angeboten wurde, zu jeder Konferenz, zu jedem Event, zu jeder Party.
00:45:44: Ich war immer die Letzte, das mache ich bis heute noch, ich bin immer die Letzte
00:45:47: auf der Party. Aber wenn ich mir mal denke, so bis zum Ende kann auch irgendwas
00:45:50: passieren, was mein Leben verändert.
00:45:53: Ich habe ganz schwierige Fear of Missing Out, aber das habe ich halt wirklich
00:45:55: auch im Studium so durchgezogen, weil ich mir mal gedacht habe,
00:45:59: so woraus lerne ich jetzt hier was?
00:46:02: Das wird nicht sein, dass ich in dieser Bank da drin sitze und mitschreibe,
00:46:06: sondern das wird irgendwo passieren am Rande.
00:46:09: Irgendwo werde ich finden hoffentlich, was jetzt mein nächster Schritt ist.
00:46:12: Und dann so über den Prozess hinweg habe ich dann so angefangen,
00:46:17: mich mehr und mehr tatsächlich auch mit Beratung auseinanderzusetzen.
00:46:19: Ich glaube, das war so ein bisschen der Hintergrund, weil ich natürlich auch
00:46:21: da von der EBS her sehr geprägt war, dass ja, eine Beratungsbasis ist erstmal eine gute Basis.
00:46:30: So auf dem Trip war ich dann auch irgendwann, dass ich mir gedacht habe,
00:46:32: na gut, wenn mir jetzt nichts einfällt bis zum Ende des Studiums,
00:46:34: was ich mache mit meinem Leben, Beratung ist immer gut.
00:46:37: Und in welche Richtung Beratung? Ah, ich habe ja einen Sanierungs-Restrukturierungsfall
00:46:42: schon erlebt, wie es ist, als Familienunternehmen zerschlagen zu werden.
00:46:46: Was war da das größte Problem? Zu dem Zeitpunkt meiner Meinung nach war das
00:46:49: nicht vorhandene Verständnis zwischen meinem Vater als Unternehmer und den Banken
00:46:53: und auch UnternehmensberaterInnen, die da vor uns saßen, weil die einfach eine
00:46:57: völlig andere Sprache gesprochen haben,
00:46:59: also literally eine andere Sprache gesprochen haben.
00:47:03: Ich habe mir dann irgendwie so diesen
00:47:05: idealistischen, ideologischen Ansatz irgendwie vorgenommen, so, ach,
00:47:08: ich spreche doch diese Sprache, ich spreche ja beide Sprachen,
00:47:11: warum wäre ich nicht eigentlich die perfekte Person für so eine Beratung,
00:47:16: die eben einen Restrukturierungsbereich aufbaut oder im Restrukturierungsbereich groß ist,
00:47:23: als Restrukturierungsberaterin, um einfach da anderen Unternehmen zum einen zu helfen,
00:47:30: Aber auch irgendwie wieder so einen Blick ins Unternehmertum zu bekommen,
00:47:34: weil das wollte ich tatsächlich nicht missen.
00:47:36: So auf der einen Seite hatte ich die feste Überzeugung, nie wieder Unternehmensgründung,
00:47:40: nie wieder Unternehmerin sein.
00:47:42: Das war für mich sehr, sehr, sehr klar. Ich habe gestartet mit dem Wissen,
00:47:45: auch wenn ich jetzt noch teilweise in meine Tagebücher von damals schaue,
00:47:48: da steht faktisch drin, ich will keine Unternehmerin sein in meinem ganzen Leben,
00:47:53: weil es zerstört Familien.
00:47:55: Es bedeutet den ganzen Tag und jedes Wochenende nur arbeiten,
00:48:00: obwohl ich das ja ursprünglich mal ganz toll fand als Kind.
00:48:02: Aber das hat dann so einen negativen Touch bekommen.
00:48:06: Und es hat halt für mich nur noch Negatives gehabt. Und deswegen wollte ich
00:48:10: eine Sache nicht, Unternehmerin wieder werden.
00:48:12: Aber irgendwie habe ich mich dann doch trotzdem hingezogen gefühlt zum Unternehmertum
00:48:17: und habe mir gedacht, naja, vielleicht,
00:48:20: über so eine Position einer Unternehmensberaterin habe ich immer noch den Einblick,
00:48:23: ich habe immer noch mit UnternehmerInnen zu tun, die ich einfach immer schon
00:48:26: total faszinierend fand, aber ich muss nicht selber UnternehmerIn sein.
00:48:31: Und um jetzt auf deine Frage zurückzukommen, da habe ich jetzt ein bisschen
00:48:33: ausgeholt, Was ist dann passiert im Auslandssemester in Kapstadt?
00:48:38: Ich hatte nämlich das große Glück, ich habe mich auf einen der Plätze,
00:48:41: die es für Kapstadt gab damals, für das Auslandssemester entschieden.
00:48:44: Das war wieder so ein bisschen das Prinzip, oh nee, jetzt irgendein Praktikum
00:48:47: bei irgendeiner Beratung in Deutschland zu machen, das macht überhaupt keinen
00:48:50: Sinn, lieber Horizont erweitern. Ich gehe nach Kapstadt. War ich noch nie.
00:48:54: Warum nicht? Und dort bin ich angekommen und dann ging wieder dieses Gefühl
00:49:00: los, Dieses Argentinien-Gefühl.
00:49:02: Plötzlich habe ich wieder im Moment gelebt. Ich bin morgens aufgewacht und dachte
00:49:06: mir so, boah, es ist so schön hier.
00:49:08: Das riecht hier so gut und das Essen schmeckt so gut. Und über sehr viele verschiedene
00:49:12: Wege und Umwege bin ich auf jemanden gekommen dort. Zum einen habe ich erst
00:49:16: mal meinen Mitgründer kennengelernt, mit dem habe ich nämlich dort zusammengelebt,
00:49:19: also Konstantin, mit dem ich heute noch das Unternehmen auch leite.
00:49:23: Und der war mein Mitbewohner in Kapstadt. Und zum anderen haben wir gemeinsam
00:49:27: jemanden kennengelernt, der dort Menschen das Thema Fasten für gesunde nahe gebracht hat.
00:49:33: Und, wie es der Zufall will, habe ich das erste Mal in meinem Leben gefastet in Kapstadt.
00:49:39: Und was war das für ein Erlebnis? Also wenn ich auf sowas gestoßen wäre,
00:49:49: ich weiß gar nicht, ob ich es ausprobiert hätte,
00:49:50: aber du bist da reingepurzelt und es hat dir wirklich etwas in dir ausgelöst.
00:49:55: Deswegen, was für eine Erfahrung war das für dich?
00:49:58: Also wir saßen, ich hätte mir das jetzt jemand langfristig angekündigt,
00:50:02: so probier doch mal Fasten aus, hätte ich das auch niemals gemacht,
00:50:04: weil das wäre ja ein Einschnitt in mein Freiheitsleben gewesen zu diesem Zeitpunkt.
00:50:09: Aber es war wirklich so, dass Konstantin und ich abends bei einem Steak saßen, beim Abendessen,
00:50:14: das darf man auch gar nicht eigentlich erzählen, aber wir saßen beim Steak und
00:50:17: Konstantin hat irgendwie von demjenigen, den wir dort kennengelernt haben,
00:50:20: irgendwie berichtet, der hat gesagt, du weißt was, der hat irgendwie gesagt,
00:50:23: wir sollen uns doch morgen früh mal ein Paket abholen, wir sollen es einfach
00:50:25: mal probieren, lass das doch machen, Anne-Marie.
00:50:26: Und ich bin halt einfach ein Fan von Dingen ausprobieren.
00:50:29: Dann habe ich gesagt, ja, whatever, machen wir halt mal so.
00:50:33: Und wir haben fünf Tage damals gefastet. Und ich weiß noch, am dritten Tag bin
00:50:37: ich morgens aufgewacht um sechs Uhr, blickte so aufs Meer raus und habe mir
00:50:40: gedacht, so eine Energie habe ich schon lange nicht mehr gehabt.
00:50:45: So eine Klarheit in meinem Kopf.
00:50:46: Lass uns mal vielleicht einen Schritt zurückgehen.
00:50:49: Fasten heißt nicht nichts essen. Also Fasten heißt nicht, gar keine Nahrungsmittel
00:50:55: zu sich nehmen, Sondern Fasten ist an der Stelle etwas ganz anderes.
00:50:59: Stimmt, genau. Total ist wichtig, die Einordnung einmal hier zu machen.
00:51:03: Also ich spreche, wenn ich von Fasten spreche, immer eben vom gesundheitlichen
00:51:08: Fasten. Also Fasten nicht gleich Diät, sondern Fasten zum Wohle von körperlichen
00:51:15: Prozessen, die man anstoßen möchte.
00:51:17: Also Zellerneuerungsprozessen beispielsweise.
00:51:20: Und Fasten heißt für uns im Kontext von Kelemi und auch im Kontext von Buchinger beispielsweise,
00:51:26: dass man trotzdem noch eine Grundbasis an Kalorien zu sich nimmt in flüssiger Form,
00:51:32: um zum einen ein Kaloriendefizit hervorzurufen, also der Körper kriegt von außen
00:51:37: weniger Kalorien, als er benötigt und der Körper somit gezwungen ist,
00:51:42: an Reserven im Körper zu gehen.
00:51:44: Sowohl an Zuckerreserven, irgendwann aber auch an Fettreserven.
00:51:46: Vor allem aber geht er eben an Zellen ran, die damit recycelt werden mit dem Prozess.
00:51:53: Das kann man sich so ein bisschen vorstellen, wie wenn ich ein Peeling für mein
00:51:55: Gesicht mache, löse ich die obere Hautschicht ab, damit sich dann neue Hautzellen bilden.
00:51:59: Und das ist ein bisschen das Prinzip, was beim Fasten bei dieser Kalorienreduktion hervorgerufen wird.
00:52:04: Und der zweite Part aber hinter, warum nur Flüssignahrung, ist,
00:52:09: dass ich eben dem Darm eine Auszeit biete.
00:52:11: Das ist, wo man ja auch gerne von dieser Darm-Hirn-Achse spricht,
00:52:16: dass einfach, und das ist das, was bei mir so in diesem Fokus auch steht beim
00:52:20: Fasten und was damals bei mir auch passiert ist, dass diese Klarheit entstanden ist in meinem Kopf.
00:52:25: Also das so zur Einordnung des Fastens eben. Aber das ist super,
00:52:28: dass du es gerade gesagt hast mit der Klarheit im Kopf, weil nach der Einordnung
00:52:34: würde ich gerne tatsächlich über den Effekt sprechen,
00:52:35: dass gerade schon diesen Blick aufs Meer beschrieben oder angesetzt, ihn zu beschreiben.
00:52:41: Und die Klarheit im Kopf, vielleicht kannst du einmal ganz kurz nochmal in Worte
00:52:45: fassen, was bei dir das Fasten ausgelöst hat, also was für ein Aha-Effekt sich eingestellt hat.
00:52:51: Also der Aha-Effekt war bei mir eben, also manche beschreiben es als das Fasten
00:52:56: hoch, andere beschreiben es als eben so eine Art Klarheit.
00:53:00: Aber in dem Moment, wo der Körper wechselt von dem, er hat noch Reserven zur
00:53:06: Verfügung, hin zu, ich stelle jetzt in den Fastenmodus um und gehe jetzt an die Reserven.
00:53:11: Das ist sozusagen dieser Umbruch quasi, was auch am allerschwersten fällt.
00:53:17: Danach kommt wie so ein Licht. Nicht bei allen, manche merken dieses Licht gar
00:53:23: nicht, aber ein großer Teil tatsächlich haben vor allem, erleben diesen mentalen
00:53:26: Effekt quasi, dieser Klarheit.
00:53:29: Und der ist bei mir ganz, ganz, ganz stark bis heute noch, dass wenn ich fast
00:53:34: eben am dritten, vierten Tag, wenn ich so aus dem Loch rauskomme,
00:53:37: dass da ganz viel Kreativität passiert,
00:53:40: ganz viel Klarheit, ganz viel Fokus und so.
00:53:47: Das ist ganz viel Klarheit, die am Ende dazu geführt hat, dass du mit wahnsinnig
00:53:52: vielen Glaubensgrundsätzen gebrochen hast, die du gerade schon beschrieben hast
00:53:56: und gesagt hast, okay, das mit der Beratung, das mache ich doch nicht.
00:54:01: Ja, tatsächlich. Ich weiß auch noch genau, ich saß in meinem Schlabazug draußen
00:54:05: auf der Terrasse und Konsti wachte auf.
00:54:07: Und ich sagte zu Konsti, Konsti, das müssen wir beruflich machen.
00:54:12: Wir müssen das mit nach Deutschland bringen. Warum fasten eigentlich nicht mehr
00:54:15: Menschen in Deutschland?
00:54:16: Und das Wort Fasten war ja so, wenn man jetzt mal acht, neun Jahre zurückblickt,
00:54:20: neuneinhalb Jahre ist jetzt genau genommen, Fasten kam in Deutschland aus einem
00:54:25: religiösen Hintergrund.
00:54:26: Das heißt, das hatte ja schon negative Konnotationen, so auch Verzicht und auch
00:54:30: dramatisch und man muss sich dabei schlecht fühlen. Und dann plötzlich stand
00:54:33: so jemand vor uns, der so mit so bunten Säften gesagt hat, so,
00:54:35: yay, mach doch mal ein Juice Cleansing, alle zwei Stunden so einen leckeren Saft.
00:54:40: Und ich konnte es nicht fassen, dass mir noch nie jemand in unserem Alter erzählt
00:54:45: hat, dass er regelmäßig fastet, wenn das doch so eine unglaublich coole Sache ist. Naja, genau.
00:54:49: Und deswegen habe ich da an diesem Morgen dann zu Konzi gesagt,
00:54:51: Konzi, das müssen wir anderen zugänglich machen.
00:54:54: Und das nicht nur in Bezug auf Fasten, sondern wie toll schmecken eigentlich auch diese Säfte.
00:54:59: Warum macht eigentlich auch keiner frisch gepresste Säfte in Deutschland?
00:55:02: Weil auch noch die Zeit der pasteurisierten Apfelsäfte. So und deswegen haben
00:55:06: wir dann da eingeschlagen. Wir sind irgendwie an dem Tag glaube ich noch zum Yoga gegangen.
00:55:10: Dort haben wir dann wirklich eingeschlagen, Hot-Yoga und sind dann danach nach
00:55:14: Deutschland tatsächlich zurückgekommen und haben dann noch ein digitales Meeting
00:55:20: gemacht, wo wir wirklich dann entschieden haben, wir machen das und dass wir
00:55:24: noch jemanden Dritten brauchen,
00:55:25: der das ganze Thema Online-Marketing macht. Kann ich gleich nochmal beschreiben.
00:55:28: Das haben wir dann auch noch in einem weiteren digitalen Meeting entschieden,
00:55:32: innerhalb von zehn Minuten, dass wir den dazunehmen.
00:55:34: Und dann haben wir das Unternehmen gegründet. Drei Monate nach Rückkehr aus Kapstadt.
00:55:41: Hattest du da dein Studium schon abgeschlossen? Nee, ich steckte zum Glück noch
00:55:46: in der Masterarbeitsphase.
00:55:47: Das war tatsächlich wirklich glücklich, weil ich würde mich nicht unbedingt
00:55:51: bezeichnen als jemand, der keinen Wert legt auf Anerkennung und Unterstützung von außen.
00:55:59: Also ich bin damals zurückgekommen aus Kapstadt und habe so ein bisschen Testballons
00:56:05: gestartet und manchen Menschen davon erzählt, was ich jetzt vorhabe.
00:56:08: Und wie du dir sicherlich vorstellen kannst, die Beschreibung zu diesem Zeitpunkt
00:56:13: zurückzukommen und zu sagen, so, ich habe jetzt so ein Business School Studium
00:56:16: hinter mir, so ein MBA und wollte eigentlich in die Beratung und jetzt erzähle
00:56:20: ich meiner Familie und Freunden, ich gründe jetzt ein,
00:56:24: Saftladen quasi, also ein Saftgeschäft, was jetzt Saft produziert und das macht
00:56:28: jetzt sowas wie Juice Cleansing, wo noch niemand irgendwas darunter sich vorstellen
00:56:32: konnte zu diesem Zeitpunkt.
00:56:33: Da hat mir keiner auf die Schulter geschlagen und hat gesagt,
00:56:35: so Mensch, toll Annemarie, toll, dass du jetzt in Zeiten von Innocent True Fruits
00:56:39: quasi nochmal so ein Saftgeschäft auf die Beine stellst, wo du auch noch ein
00:56:42: Supermarktregal mit willst.
00:56:44: Weil ich wusste zu diesem Zeitpunkt grob, was die Vision dahinter ist.
00:56:48: Ich habe es gefühlt, aber ich konnte das nicht in Worte fassen.
00:56:53: Und deswegen hat es zu diesem Zeitpunkt damals auch dazu geführt,
00:56:57: dass ich mich ab einem bestimmten Zeitpunkt auch gar nicht mehr getraut habe,
00:57:01: ehrlich gesagt, darüber zu sprechen.
00:57:02: Und somit war es so glücklich, diese Masterarbeit noch zu haben,
00:57:06: weil die habe ich dann am Ende in fünf Tagen geschrieben, kurz vor Abgabe.
00:57:09: Aber eigentlich habe ich diese Monate genutzt, um mein Unternehmen eben zu gründen,
00:57:13: um mich ehrlich gesagt ein bisschen dahinter zu verstecken, dass bloß keiner
00:57:16: mitbekommt, dass ich da jetzt irgendwie das Ernst meine.
00:57:19: Also ich kann mich noch gut erinnern an eine Situation, da habe ich das erste
00:57:22: Mal die Idee gepitcht auf so einem Uni-Startup-Event.
00:57:26: Da durfte ich witzigerweise gerade letztes Jahr eine Keynote halten,
00:57:30: was ein ganz emotionaler Moment für mich war.
00:57:32: Ich war schrecklich aufgeregt, weil das so der Ursprung war irgendwie in meiner
00:57:38: Gründungshistorie. Und ich habe damals gepitcht, sind ganz viele Sachen schiefgegangen.
00:57:42: Ich habe ein paar Säfte zu Hause irgendwie gepresst, die mitgenommen.
00:57:45: Die sind mir dann auf den Weg zur Bühne, weil ich so gezittert habe,
00:57:47: alle über mein Tablett gelaufen.
00:57:49: Keine Jury hat irgendeinen Saft probiert. Es war ein Drama.
00:57:52: Und ich stand danach draußen und es sind, glaube ich, so vier oder fünf Leute
00:57:56: zu mir gekommen, die alle gesagt haben, ja, Anne-Marie, ist ja ganz nett und
00:57:58: toll, dass du so eine Motivation hast, jetzt, nachdem du aus Kapstadt zurückkommst,
00:58:02: aber das willst du jetzt nicht wirklich gründen.
00:58:03: Und das hat mich total verunsichert in dem, was ich gerade eingangs schon gesagt
00:58:09: hatte, dass ich schon jemand bin,
00:58:11: der sich verunsichern auch lässt, wenn viele Menschen von außen sagen,
00:58:15: dass ich irgendwie bei irgendwas total falsch liege.
00:58:19: Ich arbeite dran, aber damals war das noch viel intensiver. Naja,
00:58:23: auf jeden Fall, ja, und deswegen habe ich mich hinter der Masterarbeit versteckt,
00:58:26: habe gegründet und ab dem Moment, wo ich meine Masterarbeit abgegeben habe,
00:58:29: hatten wir schon den ersten Umsatz und ich habe zumindest ein Basisgehalt verdient,
00:58:34: sodass ich für mich selbst einfach die Sicherheit inne hatte, mir zu sagen,
00:58:38: okay, können jetzt alle sagen, was sie wollen, aber ich stehe zumindest auf eigenen Beinen.
00:58:42: Naja, und du hast es ja schon erwähnt, das Unternehmen ist jetzt fast zehn Jahre
00:58:47: alt oder demnächst zehn Jahre alt.
00:58:49: Und wo steht ihr heute, was deine ursprüngliche Vision angeht?
00:58:54: Wie hat sich diese Vision im Laufe der Zeit verändert?
00:58:58: Vielleicht ist sie gewachsen, vielleicht ist sie komprimierter geworden. Wo steht ihr?
00:59:03: Ja, diese Vision ist wahnsinnig gewachsen, weil schlussendlich weiß ich heute,
00:59:12: dass ich damals mehr gefühlt habe.
00:59:17: Aber damals war ich schon auch nach wie vor auch mit mir selbst da unsicher,
00:59:23: ob das jetzt der richtige Weg ist und ob das überhaupt zu irgendwas führt.
00:59:28: Ich bin auch nicht so der riesige Fan nach wie vor von den ersten drei,
00:59:32: vier Jahren in der Retrospektive.
00:59:34: Die haben mir nicht so viel Spaß gemacht bei weitem wie das,
00:59:37: was jetzt in den letzten fünf, sechs Jahren war, wo man irgendwie schon eine
00:59:39: Basis hat, wo man weiterentwickeln kann, wo man wirklich irgendwie so nicht
00:59:43: jeden Tag nur an nächste Woche denkt,
00:59:46: sondern wo ich auch mal Pläne machen kann für das nächste Jahr.
00:59:51: Deswegen, also es hat sich schon verändert und vor allem hat es sich aber verändert,
00:59:56: Weil, glaube ich, weder Konstantin noch ich, noch irgendein anderer unserer
01:00:00: Mitarbeitenden am Anfang der Gründung wirklich wussten, wer Kayla Mee eigentlich
01:00:05: ist und wo sich Kayla Mee hin entwickelt.
01:00:08: Weil ich glaube, GründerInnen tendieren entweder dazu.
01:00:11: Also das Unternehmen so sich selbst werden zu lassen oder andersrum,
01:00:16: also dass sich das so total ineinander verwebt und man dann irgendwie so selber
01:00:19: Visionen hat und selber Werte hat und das versucht man so überzustülpen direkt
01:00:23: auf das eigene Unternehmen oder sie sind total entkoppelt,
01:00:26: indem ich gründe, damit ich es in drei Jahren verkaufe und ich lasse überhaupt
01:00:30: keine Verbindung dazu zu.
01:00:31: So, ich glaube, diese zwei Setups gibt es so.
01:00:35: Und bei uns ist es irgendwie so gekommen, ich glaube, da gebe ich so meinem
01:00:39: FamilienunternehmerInnen Herz und auch diesem Wertekonstrukt,
01:00:44: was ich da für mich auch mitgenommen habe draus, diese Langfristigkeit,
01:00:47: dieses so kurzer Gewinn hat nicht unbedingt immer die längsten Beine.
01:00:52: Und entlang von Werten sich treu zu bleiben und diese Schritte zu gehen,
01:00:58: haben meiner Meinung nach immer die längeren Beine.
01:01:01: Diese Basis gehabt zu haben zu diesem Zeitpunkt hat einfach zwangsläufig dazu
01:01:05: geführt, dass ich Kelemi auch den Raum geben musste, sich zu entwickeln.
01:01:09: Weil ich sehe nicht Kelemi als gleich ich als Person, aber ich sehe Kelemi auch
01:01:14: nicht total entkoppelt von uns.
01:01:15: Kelemi ist irgendwie ein Konstrukt aus ganz vielen Menschen,
01:01:18: die da ihre Zeit, ihre Ideen und ihre Kreativität reingesteckt haben, glaube ich.
01:01:23: Und hätten wir zum Beispiel nach drei, vier Jahren dieses Unternehmen verkauft,
01:01:27: wäre es was völlig anderes geworden als das, was es heute ist.
01:01:30: Heute sind wir Experte, Expertin für alles, was irgendwie mit dem Thema Fasten,
01:01:35: gesunde Routinen, gesunde Ernährung und so weiter zu tun hat.
01:01:39: Damals hätten wir Entscheidungen getroffen, zum Wohle des schnellen Wachstums
01:01:43: wären wir, glaube ich, zu einem Unternehmen geworden, was einfach flächendeckend
01:01:46: sich in den Einzelhandel mit den Säften gestellt hätte.
01:01:50: Und hätten viel weniger in Nachhaltigkeit investiert. Wir hätten definitiv keine
01:01:54: eigene Produktionsstätte. Das ist ja völlig irre.
01:01:57: Also ich weiß gar nicht, ob ich es eingangs gesagt habe, aber wir haben wirklich
01:01:59: eine eigene Produktionsstätte aufgebaut. Wir haben uns selbst beigebracht, Saft zu pressen.
01:02:03: Und das sind alles Entscheidungen, die trifft man nicht, wenn man das in drei,
01:02:06: vier Jahren wieder verkaufen möchte.
01:02:08: Deswegen sprichst du ja auch gerne vom Familienunternehmen in erster Generation,
01:02:12: was ja letztlich auch schon andeutet, wohin die Reise gehen soll,
01:02:14: beziehungsweise mit welcher, ich würde sagen,
01:02:18: Ernsthaftigkeit oder Nachhaltigkeit du das siehst und vielleicht Nachhaltigkeit
01:02:23: nicht nur im ökologischen Sinne, sondern eben auch in einem gesamtgesellschaftlichen Sinn.
01:02:28: Du hast gerade über Raum gesprochen und wie viel Raum man bestimmten Dingen
01:02:36: und Entwicklungen geben kann, wenn man Zeit hat.
01:02:38: Du hast wahnsinnig viel Raum für die Entwicklung deiner Tochter beziehungsweise als Mutter.
01:02:45: Und das ist die letzte Station auf deiner Lifeline, nämlich letztendlich die
01:02:49: Geburt eines Kindes, die du angegeben hast und auch dadurch die Veränderung von dir als Mensch,
01:02:55: beziehungsweise die Suche nach einer neuen Identität, aber eben auch in einer
01:03:00: Gemeinschaft, nämlich als Familie zu dritt.
01:03:02: Und vielleicht kannst du das nochmal ein bisschen beschreiben,
01:03:05: was das in dir ausgelöst hat. Ja, sehr gerne.
01:03:10: Ja, wird vielleicht nochmal einmal ganz kurz, weil jetzt natürlich dann der
01:03:14: Blick auf meine Tochter auch kommt, auf diesen Satz Familienunternehmen erste
01:03:17: Generation eingehen, ganz kurz,
01:03:20: weil ich glaube, es ist wichtig hier zu verstehen, das heißt nicht zwangsläufig,
01:03:25: dass ich heute schon irgendwie die Zukunft meiner Tochter niederschreibe und
01:03:28: sage so, und toll, Mathilda übernimmt das jetzt in der nächsten Generation,
01:03:31: sondern vielmehr eben von dem, wie wir dieses Unternehmen leiten.
01:03:33: Es könnte ein Familienunternehmen erster Generation sein.
01:03:37: Mir ist es immer so wichtig rauszunehmen, diesen Druck rauszunehmen von außen,
01:03:41: immer wieder gefragt zu werden, und wann verkaufst du das eigentlich?
01:03:44: Weil schlussendlich die Entscheidung, die ich treffe und die ich auch möchte,
01:03:46: die meine Mitarbeitenden treffen, sollen eben langfristiger Natur sein. Genau.
01:03:50: Und warum? Und das hat sich natürlich auch sehr stark verändert durch eben dieses
01:03:55: Erlebnis, was du jetzt angesprochen hast, durch die Geburt meiner Tochter,
01:03:59: durch eine Gründung einer Familie,
01:04:02: einer neuen kleinen Kernfamilie quasi, weil sich schon in meinem Kopf der Blick
01:04:10: noch mal langfristiger ausgeweitet hat.
01:04:13: So früher und auch am Anfang von Kayle Me, wie gesagt, habe ich mich nur irgendwie
01:04:17: mit der nächsten Woche beschäftigt.
01:04:20: Aber ich glaube, der Blick für mich selbst als Person auch über mein eigenes
01:04:25: Leben hinaus, der begann erst, als ich meine Tochter kennengelernt habe.
01:04:29: Dass ich in eine weitere Generation denke, dass ich mir überlege,
01:04:32: okay, ihr alle hier, irgendwie alle Mitarbeitenden auch, ihr seid alle irgendwie
01:04:35: Kinder, Töchter, Söhne von irgendjemandem sozusagen.
01:04:39: Wie würde ich wollen, dass Mathilda in einem Unternehmen irgendwie angenommen
01:04:42: wird, dass Mathilda sich irgendwie entwickeln kann und so weiter.
01:04:46: Und daher hat das ganz viel einfach bei mir in meinem, in meiner eigenen persönlichen
01:04:52: Entwicklung losgetreten, welche Fragen ich mir stelle, welche Dinge ich auch
01:04:56: für mich definiert habe, die ich vielleicht auch noch aufarbeiten möchte.
01:04:59: Es ist jetzt doch einfach auch viel passiert in meinem Leben in den letzten
01:05:03: Jahrzehnten und in anderen Leben sicherlich nochmal viel, viel,
01:05:06: viel mehr, aber es ist irrelevant jetzt nur quasi so für mich einfach auf mich bezogen.
01:05:13: Und für meine Kapazität habe ich das Gefühl, dass einfach da manche Dinge passiert
01:05:17: sind, denen ich noch gar nicht den Raum gegeben habe, es aufzuarbeiten.
01:05:20: Und genau, durch diese Geburt meiner Tochter habe ich eine Erkenntnis erlangt,
01:05:27: dass es gut ist, die Sachen aufzuarbeiten.
01:05:28: Music.
01:05:40: Ich freue mich sehr, dass ich heute wieder meine Kollegin Pia mit dabei habe,
01:05:44: die sich das Gespräch mit Annemarie sehr ausführlich angehört hat und Annemarie
01:05:50: auch tatsächlich schon sehr, sehr gut aus der Zusammenarbeit kennt.
01:05:53: Und liebe Pia, was sagst du? Was für ein Mensch ist Annemarie? Was treibt sie an?
01:06:01: Annemarie ist für mich die Optimistin in Person, also Optimismus zieht sich
01:06:08: absolut durch ihr Wirken.
01:06:10: Dann habe ich noch den Entdeckergeist oder auch Experimentierfreude als zweiten
01:06:15: Treiber und als dritten das ganze Thema Werte definiert.
01:06:21: Also wo ich mich sofort wiederfinde, beziehungsweise wo ich Annemarie sofort
01:06:25: verorten kann, ist in einem sehr werteorientierten Arbeiten.
01:06:30: Deswegen, wenn du nichts dagegen hast, lass uns doch vielleicht einfach damit anfangen.
01:06:36: Ja, Anne-Marie selbst sagt ja von sich, Kale & Me ist ein Familienunternehmen in erster Generation.
01:06:42: Und dabei geht es gar nicht darum, dass sie jetzt schon klar die Vorstellung
01:06:46: hat, dass ihre Tochter einmal das Unternehmen übernehmen soll,
01:06:49: sondern es geht mehr um die Werte, die sie ja auch durch das Familienunternehmen
01:06:52: ihres Vaters schon hautnah erlebt hat.
01:06:54: Also die Themen Verantwortung, Langfristigkeit, das Geben.
01:07:00: Also die Eltern waren ja auch sehr aktiv, haben sich in der Gemeinde involviert,
01:07:03: im Verein engagiert. Und das ist auch was, was Anne-Marie macht.
01:07:07: Also das Engagement, Kooperationen mit dem Mittelstand zu machen,
01:07:11: regionale Partnerschaften.
01:07:13: Sie engagiert sich für Food Active, das
01:07:17: Food-Netzwerk von Hamburg oder der Metropolregion Hamburg besser gesagt.
01:07:23: Und sie setzt sich unglaublich für die Themen ein, die am Herzen liegen.
01:07:27: Und das sind immer diese sehr wertgetriebenen Themen.
01:07:30: Also wertgetriebenes Unternehmertum, das ist Anne-Marie.
01:07:35: Also sie ist wirklich eine Familienunternehmerin, wie man sie sich nur vorstellen kann.
01:07:40: Und das in einem Unternehmen, was ja eigentlich als Start-up-Jungunternehmen,
01:07:45: gegründet wurde vor fast zehn Jahren.
01:07:47: So eine ganz spannende Mischung aus diesen.
01:07:51: Familienunternehmen werden und Startup-Spirit gleichermaßen.
01:07:55: Ja, wobei ich das tatsächlich insofern sehr, sehr spannend finde,
01:07:57: wie sie das auch im Gespräch verargumentiert hat, indem sie gesagt hat,
01:08:00: dass es jetzt eben genau nicht darum geht,
01:08:03: letztlich ihrer Tochter eine Rampe zu bauen, wenn das am Ende die Möglichkeit sein sollte.
01:08:08: Schön, aber vor allem geht es eben um die Langlebigkeit und vor allem um die
01:08:12: Perspektive dieses Unternehmens.
01:08:14: Und damit ein Unternehmen eben auch die Chance hat, dauerhaft erfolgreich zu
01:08:18: sein, muss es mehr sein, als im Grunde nur der Geschäftsbericht,
01:08:22: was letztlich dann ja für einen kurzfristigen Exit sprechen würde und was ja
01:08:26: eben so ein bisschen das Wesen des Startup-Ökosystems ist.
01:08:29: Wenn du aber von vornherein ein quasi Familienunternehmen oder eben etwas sehr,
01:08:33: sehr Nachhaltiges bauen möchtest, dann solltest du dir eben auch überlegen,
01:08:36: wie deine Produktionsstraße ausschaut, dass du vielleicht eben in der Region
01:08:39: anbaust, so wie es Calend.me eben tut.
01:08:42: Und deswegen finde ich es umso bewundernswerter, dass Annemarie und ihre Kolleginnen
01:08:46: da eben nicht unbedingt des Wegs des geringsten Widerstandes gehen,
01:08:49: Sondern letztendlich sagen, wenn wir es machen, lass es uns doch einfach so
01:08:53: machen, dass es eine Chance hat, für immer zu sein.
01:09:00: Optimismus und Entdeckergeist bzw. die Experimentierfreude. Was ist dir lieber?
01:09:07: Lass uns mit dem Optimismus weitermachen. Und Sacha, vielleicht erinnerst du
01:09:11: dich an unseren allerersten Workshop mit Annemarie und wie unglaublich sie uns
01:09:15: mitgerissen hat beim Thema Fasten.
01:09:18: Ich weiß noch, wir haben im Nachgang gesagt, boah, wann fasten wir?
01:09:22: Und genau das ist Annemarie. Die ist einfach eine Wahnsinnsoptimistin,
01:09:26: so hat sie sich ja auch selbst beschrieben, hat es quasi schon von ihrem Vater
01:09:29: geerbt, diesen Optimismus. und ob das in der Schule war, wo andere Kinder sie
01:09:35: so ein bisschen gepiesackt haben.
01:09:37: Sie hat immer den positiven, guten Blick auf die Welt. Sie hat gesagt,
01:09:41: ach, da stehe ich drüber.
01:09:42: Sie hat sich als optimistisch, fröhlichen Menschen beschrieben.
01:09:46: Und das ist auch was, das spürt man in jedem Gespräch mit ihr.
01:09:50: Sie ist unglaublich optimistisch und strebt nach Glück und möchte eigentlich
01:09:55: die schönen Seiten des Lebens genießen.
01:09:59: Ja, ich finde auch, Annemarie ist jemand, der einem sehr, sehr viel Energie
01:10:04: gibt, wenn man mit ihr spricht.
01:10:05: Und das ist, glaube ich, auch tatsächlich für jemanden, der ein Unternehmen
01:10:10: baut, grundsätzlich eine sehr, sehr gute Eigenschaft, dass du Leute mit einer
01:10:13: Vision begeistern kannst.
01:10:17: Ich habe noch ein Zitat, was mir besonders hängen geblieben ist,
01:10:20: wo ich tatsächlich so ein bisschen Gänsehaut gekriegt habe.
01:10:23: Und zwar sagte sie, dass sie immer alles mitnimmt im Leben. Die letzte ist auf der Party.
01:10:29: Und sie hatte dann das Zitat gebracht, bis zum Ende kann immer noch irgendwas
01:10:33: passieren, was mein Leben grundlegend verändert.
01:10:36: Und diesen Gedanken, also das passt einfach so zu ihrem Optimismus,
01:10:40: zu glauben, es kann alles passieren. Ich muss es nur geschehen lassen sozusagen.
01:10:45: Also das war einfach ein super Abschluss und unterstreicht nochmal so dieses Streben nach Glück.
01:10:51: Alles ist möglich. Auch das Gute.
01:10:55: Auch das Gute, vor allem das Gute.
01:10:59: Gut, dann kommen wir zum Entdeckergeist oder Entdeckerinnengeist.
01:11:06: Zum Entdeckerinnengeist. Das ist tatsächlich so das, was ich auch ganz stark
01:11:11: in der Zusammenarbeit mit ihr spüre.
01:11:13: Es gibt kaum jemanden, der so vor Ideen brüht.
01:11:16: Es gibt kein Gespräch, wo es fünf neue Ideen gibt, wo Dinge ausprobiert werden.
01:11:21: Und da aber auch nochmal die Verbindung zum Thema Werte. Das ist nie opportunistisch.
01:11:26: Das ist immer ganz nah an dem, was ist ihr wichtig, was treibt sie an,
01:11:31: ist das nachhaltig, passt das in das Thema Engagement rein.
01:11:37: Also es ist immer ganz nah an ihren Werten dran, was sie sich überlegt.
01:11:42: Und auch in der Schule hat sie ja schon ganz viel ausprobiert.
01:11:45: Zur Internatzeit getöpfert, Hockey gespielt, Fußball.
01:11:48: Sie hat einfach unglaublich viele Interessen und steht dem Leben immer offen gegenüber.
01:11:53: Es gibt nichts, glaube ich, was sie nicht probieren würde. Und genauso wichtig
01:11:57: wie Dinge ausprobieren ist auch, dass Dinge loslassen.
01:12:00: Das hat sie sicherlich schmerzlich durch das Familienunternehmen ihres Vaters gelernt.
01:12:05: Das ist aber auch was, was sie auch heute bei K&N nie macht.
01:12:08: Sie probiert Dinge aus und sie lässt aber auch Dinge gehen. Und das finde ich
01:12:13: genauso wichtig tatsächlich.
01:12:15: Und das ist Annemarie sein Deckbargeist.
01:12:19: Kannst du dir Annemarie vorstellen, wie sie mal an einem Sonntagnachmittag oder
01:12:24: an einem Samstagvormittag ganz ruhig auf dem Sofa sitzt, aus dem Fenster schaut und nichts macht?
01:12:31: Nein. Ich mir auch nicht. Also, nein. Ich glaube, sie macht so viel wie ich
01:12:38: innerhalb einer ganzen Woche.
01:12:40: Und, ähm, ja. Ja. Ich glaube auch, Annemarie ist jemand,
01:12:44: der immer vorangeht, immer neue Ideen mitbringt und, ja, der Optimismus sie
01:12:50: wahrscheinlich auch immer noch zehn Meter weiter trägt, als es mit konventionellen
01:12:54: Mitteln wäre, weil sie einfach glaubt,
01:12:56: dass es eben auch tatsächlich gut werden könnte und es eine zusätzliche Motivation ist.
01:13:00: Insofern Dann, Pia, dir vielen, vielen Dank für deine Gedanken und euch da draußen
01:13:06: vielen Dank fürs Zuhören.
01:13:08: Nicht nur hier und jetzt, sondern eben auch in den vergangenen acht Episoden.
01:13:12: Und weil das hier die letzte Folge der ersten Staffel ist, möchte ich auch den
01:13:18: Moment nutzen und ein paar Leuten danken, die mir die Chance gegeben haben,
01:13:22: diesen Podcast überhaupt erst aufnehmen zu können.
01:13:24: In allererster Linie sind das Simon und Linda.
01:13:28: Simon, der mich vor allem konzeptionell und auch technisch unterstützt hat und
01:13:32: Linda, die ganz viele Episoden im Schnitt bearbeitet hat und dafür gesorgt hat,
01:13:37: dass die Episoden so gut klingen, wie sie klingen.
01:13:40: Und dann natürlich auch die KollegInnen, die ihr hier kennengelernt habt als ExpertInnen.
01:13:44: Das waren Tobi, das war Pia, das war Max, Simon und auch Marc.
01:13:53: Und im Hintergrund haben auch unterstützt Lisa, Alex, Silvia, Verena und Tim.
01:14:02: Und ich hoffe, dass ich jetzt niemanden vergessen habe, außer noch Lisa.
01:14:07: Und danke euch allen, dass das hier ein großartiges Teamplay gewesen ist und
01:14:12: freue mich auf die Zusammenarbeit mit euch in der zweiten Staffel und hoffe, dass ihr,
01:14:16: die da draußen zugehört habt, auch wieder einschalten werdet,
01:14:20: wieder zuhören werdet und freue mich auf euer Feedback, auf euren Input.
01:14:23: Vielen, vielen Dank für alles. Vielen Dank, dass ihr mir die Chance gebt,
01:14:27: diesen Podcast hosten zu dürfen. Vielen Dank.
01:14:29: Music.
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